ETFs im Transition Management

ETFs können institutionellen Investoren helfen, Transition Management effizient zu gestalten. Auch Negativzinsen können dazu genutzt werden, das Portfoliomanagement weiter zu modernisieren.

Die anhaltenden Niedrigzinsen bereiten institutionellen Investoren Kopfzerbrechen. Beispielsweise tauchte im jüngsten Panel von DerTreasurer in nahezu jeder zweiten Antwort auf die offene Frage nach den größten Herausforderungen der Umgang mit Negativzinsen auf.

Gleichzeitig gewinnt nachhaltige Geldanlage unter Investoren weiter an Bedeutung. So möchte die Hälfte aller Treasurer, die ihr Instrumentarium erweitern wollen, auf nachhaltige Finanzierungen setzen. ESG wird eine grundlegende, dauerhafte Verschiebung darstellen – auch in institutionellen Portfolios.

Auf der einen Seite wollen Investoren ihre Portfolios also zukunftsfähig aufstellen, vor allem nachhaltiger. Im Zuge dessen kann es erforderlich sein, Mandate in den Händen externer Asset Manager neu zu vergeben. Auf der anderen Seite gilt es während der damit verbundenen Übergangsphase (Transition Period) längerfristige Cash-Bestände zu vermeiden. Denn dafür anfallende Negativzinsen würden die Wertentwicklung des Portfolios belasten (Cash Drag). Dies ist nicht zu vernachlässigen, da die Suche nach einem neuen Asset Manager und die Übertragung des Mandats auf diesen erfahrungsgemäß länger als ein Jahr dauern können.

Effiziente Anlagelösung

Um während dieses Prozesses (Transition Management) das jeweilige Engagement am Kapitalmarkt beizubehalten und keine Performance-Einbußen zu erleiden, ist eine effiziente Anlagelösung gefragt. Hier lohnt ein Blick auf börsengehandelte Indexfonds (Exchange-traded Funds, ETFs). Denn diese bieten wesentliche Vorteile im Hinblick auf Wertentwicklung, Kosten, Liquidität und Zielportfolio.

ETFs ermöglichen mit nur einer Transaktion breiten Zugang zu allen relevanten Anlageklassen und Märkten – auf Wunsch mit Fokus auf spezifische Segmente wie Aktienmärkte einzelner Länder oder Anleihenbonitäten. Hinzu kommt die Möglichkeit, ESG-Aspekte in Anlageentscheidungen einzubeziehen. Damit ermöglichen ETFs, der jeweiligen Benchmark entsprechend investiert zu bleiben, bis der neue externe Asset Manager an Bord ist.

Das können ETFs

ETFs können nicht nur helfen, Negativzinsen auf zwischenzeitliche Cash-Bestände zu umgehen. Auch im Hinblick auf Transaktionskosten und laufende Gebühren erweisen sie sich häufig als das effizienteste Instrument. Beispielsweise sind bei einem Mandat über 800 Millionen Euro, die in Schwellenländeranleihen angelegt werden sollen, und einer Transition Period von 18 Monaten durch die Wahl von ETFs als Anlageinstrument bis zu 1 Million Euro Kostenersparnis möglich.

ETFs tragen dazu bei, die Liquidität des Portfolios während der Transition Period sicherzustellen. Dies gilt neben Aktien- insbesondere auch für Anleihenengagements. Denn während Transaktionen bei einzelnen Anleihen in erster Linie außerbörslich ablaufen, werden Anleihen-ETFs an Börsen gehandelt – und zwar sowohl am Primär- als auch am Sekundärmarkt.

Zum Ende der Transition Period lässt sich der ETF-Anteil nach und nach herunterfahren, während der neue externe Manager das Mandat übernimmt. Dieser kann die Bestände des ETFs auch als Ausgangspunkt nutzen, um daraus sein Zielportfolio zu erstellen. Ein solcher „Paketkauf“ von Wertpapieren mit anschließenden individuellen Anpassungen ist in der Regel effizienter, als das Portfolio von Grund auf aus Einzelpositionen aufzubauen – insbesondere im Anleihenbereich.

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Paul Siethoff ist Redakteur bei Finance und schreibt über verschiedene CFO- und Corporate-Finance-Themen. Er hat Kommunikationswissenschaften und Journalismus in Erfurt und in Mainz studiert. Vor seiner Zeit bei FINANCE schrieb Paul Siethoff frei für die Frankfurter Rundschau über Wirtschafts- und Politikthemen.

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