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Finanzierung auf Russisch

Deutschland ist für Russland ein wichtiger Handelspartner und Investor. Mit milliardenschweren Direktinvestitionen sind deutsche Unternehmen im ehemaligen Zarenreich sehr präsent.

Die Deutschen genießen im ehemaligen Zarenreich einen guten Ruf: Sie gelten als „Russland-Versteher“ und sind gern gesehen. Sie stellen auch die größte ausländische Business-Community in Russland – rund 4.300 deutsche Unternehmen unterhalten Vertretungen oder Niederlassungen im Land.

Staatsbanken dominieren

Und diese brauchen auch lokale Finanzierungen. Der größte Teil kommt dabei ganz klassisch von Banken, die sich in Russland in drei Sektoren gliedern: Knapp zwei Drittel des Markts machen die Staatsbanken aus, gefolgt von den Geschäftsbanken, die etwa ein Viertel des Markts unter sich aufteilen, und den Tochtergesellschaften internationaler Banken, die auf einen Anteil von unter 10 Prozent kommen.

Staatsbanken ebenso wie Geschäftsbanken fehlt allerdings häufig die nötige Erfahrung in der Betreuung westlicher Kunden. Zudem ist das Risiko von neuen oder erweiterten politischen Sanktionen schwer abzuschätzen. Sollten in Zukunft weitere Banken oder ihre Vertreter in die Sanktionslisten mitaufgenommen werden, dürfte das für Geschäftspartner im Ausland erheblichen Aufwand bedeuten. Diese Gefahr entfällt bei den etablierten Adressen des internationalen Kapitalmarkts, die Unternehmen zudem den gewohnten Service bieten können. Entsprechend geben auch die Compliance-Vorschriften vieler westlicher Unternehmen vor, dass Finanzierungen nur über die Tochterunternehmen westlicher Banken erfolgen dürfen.

„Der russische Finanzsektor ist streng reguliert und weist lokale Besonderheiten auf.“

Der russische Finanzsektor ist zudem streng reguliert und weist lokale Besonderheiten auf. Die aus dem Westen bekannten Instrumente der Bankfinanzierung sind zum Teil unbekannt oder abweichend reguliert. Außerdem ist der für viele Ausländer naheliegende Finanzierungsweg über Intercompany Loans begrenzt. Maximal in Höhe des dreifachen Eigenkapitals kann eine russische Tochter dieses Instrument in Anspruch nehmen, sonst fallen Quellensteuern in Höhe von 15 Prozent an, die eine Investition unwirtschaftlich machen können.

Eine attraktive Alternative kann der Gang an den Kapitalmarkt über die Begebung von Rubel-Bonds sein. Die Laufzeiten liegen bei drei bis fünf Jahren, im Private Placement auch bis zu zehn Jahren. Mindestvolumina sind deutlich niedriger als etwa bei Euro-Bonds üblich. Wenn ein Unternehmen zum ersten Mal einen Rubel-Bond begibt, gelten 5 Milliarden Rubel als Benchmark, das entspricht knapp 60 Millionen Euro – ähnlich einer typischen Schuldscheinemission in Deutschland, die in Russland jedoch als Instrument nicht zur Verfügung steht. Rubel-Bonds können somit auch für den oberen Mittelstand eine interessante Größe darstellen, zumal sie am Markt meist auf reges Interesse stoßen.

Anleiheprogramme mit wiederholten Begebungen

Eine jüngere Entwicklung sind Anleiheprogramme, die nach einmaliger Registrierung wiederholte Begebungen ermöglichen. Emittenten bleiben zeitlich flexibel, können schnell auf günstige Gelegenheiten reagieren und sich am Markt als Frequent Issuer etablieren. Eine Besonderheit am Markt ist die 2015 eingeführte Pflicht zum lokalen Rating neben dem internationalen Rating. Internationale Banken, die sich mit Debt Capital Markets und insbesondere Rating-Advisory befassen, sind hier für alle notwendigen Anforderungen gerüstet und können eine vollständige Begleitung von der Strukturierung bis zur Begebung anbieten.

Über die Autoren:

Maksim Ljubaskin

Maksim Ljubaskin ist Industry Director und Leiter German Desk bei der Rosbank, Société Générale Gruppe, in Moskau.

Kontakt: maksim.ljubaskin[at]rosbank.ru

Rainer Werner

Rainer Werner ist Director und Senior Relationship Manager, Global Client Management, bei der Société Générale in Frankfurt am Main.

Kontakt: rainer.werner[at]sgcib.com

 
 

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