Liquiditätsvorteile im Online-Handel realisieren

Viele Unternehmen nutzen im Online-Handel für die Zahlungsabwicklung hochspezialisierte Zahlungsdienstleister. Diese müssen Sicherheiten stellen. Diese Möglichkeiten gibt es.

Der Online-Handel verzeichnete in den vergangenen Jahren sehr starke Zuwächse. Die schon vorhandene positive Entwicklung der Branche wurde durch die Corona-Pandemie nochmals verstärkt, und dieser Trend wird sich vermutlich weiter fortsetzen. Zur Abwicklung ihrer entsprechend gestiegenen elektronischen Zahlungsvorgänge beauftragen immer mehr Online-Händler externe Zahlungsdienstleister. Sie können damit interne Prozesse verlagern und durchaus erhebliche Kostenreduzierungen realisieren.

Die Zahlungsinstitute mit Sitz in Deutschland, die Zahlungsdienste erbringen, müssen eine Zulassung bei der Bafin beantragen. Diese prüft dabei insbesondere, ob die Zahlungsinstitute die Sicherung der Kundengelder für den Insolvenzfall gewährleisten können. Gemäß Paragraph 17 ZAG müssen sie die Geldbeträge, die sie von ihren Zahlungsdienstnutzern oder über einen anderen Zahlungsdienstleister für die Ausführung von Zahlungsvorgängen oder die Ausgabe von E-Geld entgegengenommen haben, nach den Methoden 1 oder 2 sichern.

Versicherungen springen ein

Methode 1 bedeutet, dass die Geldbeträge, wenn sie sich am Ende des auf den Eingang folgenden Geschäftstags noch im Besitz des Instituts befinden und noch nicht dem Zahlungsempfänger übergeben oder an einen anderen Zahlungsdienstleister übermittelt worden sind, auf einem offenen Treuhandkonto bei einem Kreditinstitut zu hinterlegen oder in sicheren liquiden Aktiva mit niedrigem Risiko nach Abstimmung mit der Bafin anzulegen sind.

Methode 2 heißt, dass das Geld durch eine Versicherung oder eine andere vergleichbare Garantie bei einem Versicherungsunternehmen oder Kreditinstitut abgesichert ist. Die Versicherung müsste im Falle der Zahlungsunfähigkeit des Versicherungsnehmers das Zahlungsinstitut auszahlen.

Die Zahlungsdienstleister nutzen dafür auch Zahlungsgarantien von Versicherungsgesellschaften. Die aktuellen Allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVBs) der Versicherer sind teilweise schwer vereinbar mit den tatsächlichen Anforderungen der Bafin.

Individuelle Anpassung der Versicherungsbedingungen

In der Praxis können jedoch Lösungen erzielt werden, indem die Versicherungsbedingungen individuell angepasst werden. Dafür ist die Bereitschaft der Versicherer notwendig, die sogenannten roten Linien in ihren Wordings zu überschreiten. Das erscheint auf den ersten Blick nicht einfach realisierbar.

Doch die Investition von Zeit in den Versuch kann sich durchaus lohnen. Denn für alle an diesem Prozess Beteiligten kann diese Lösung mehrwertstiftend sein. Sie bietet im Gegensatz zu liquider Sicherheit sowie zur Bankgarantie beträchtliche Liquiditätsvorteile für den Zahlungsdienstleister. Je nach Höhe der benötigten Sicherheit werden mit den Risikogebern – hier den Versicherern – Einzel- oder Konsortiallösungen entwickelt. Dadurch sind im Vergleich zu üblichen Lösungswegen zur Erfüllung der Sicherungsanforderung sehr hohe Volumina möglich.

Das Wording für eine Garantie als Sicherheit wird nicht im Detail von der Finanzaufsicht Bafin vorgegeben. Doch im Schadensfall und bei einer Prüfung müssen dieses Sicherungsinstrument inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen und die gesicherten Volumina den entgegengenommenen Geldbeträgen entsprechen. Die konzeptionelle Gestaltung dieser Absicherungslösung ist daher sehr komplex, und sie sollte immer von erfahrenen Marktteilnehmern und Juristen begleitet werden. Sie ist die Basis für die Erzielung erheblicher Liquiditätsvorteile, die damit generiert werden können.

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