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Plattformökonomie als Megatrend

Nach E-Commerce und Immobilienfinanzierung soll auch bei der Unternehmensfinanzierung mit Hilfe digitaler Plattformen der Markt revolutioniert und vereinfacht werden.

Ende der neunziger Jahre nahmen verschiedene Online-Immobilienkreditvermittler den Geschäfts- und Plattformbetrieb auf. Damals war es für die meisten Menschen nur schwer vorstellbar, ein Immobilienfinanzierungsangebot online einzuholen oder gar eine Immobilienfinanzierung online abzuschließen. Auch die E-Commerce-Plattform Amazon, die anfänglich als Online-Buchhändler startete, wurde vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels damals eher belächelt als ernst genommen. So berichtete die Tagesschau im Oktober 1998: „Immer mehr Bücher werden über das Internet gekauft, 1998 schon für etwa 70 Millionen D-Mark.“ Der Online-Handel habe, so der Börsenverein des Deutschen Buchhandels damals, aber „eine andere Kundenstruktur“ und werde „dem traditionellen Handel nur beschränkt schaden“.

20 Jahre später ist klar: Amazon hat nicht nur den traditionellen Buchhandel nachhaltig verändert, sondern auch branchenübergreifend Auswirkungen auf den Handel. Die E-Commerce-Plattformen sind aus dem Kauf- und Informationsverhalten der Konsumenten nicht mehr wegzudenken. Sie wurden durch die Coronakrise 2020 sogar noch beflügelt. Ähnlich verlief es bei der privaten Immobilienfinanzierung. Schon heute kommt fast ein Drittel aller Baufinanzierungen über Plattformen zustande. Damit sind sie essentieller Bestandteil der privaten Baufinanzierung.

Was Ende der neunziger Jahre für Plattformen in der Baufinanzierung oder den Buchhandel galt, trifft heute auf Plattformen für Unternehmensfinanzierungen zu. Diese adressieren nicht den klassischen Privatkunden, sondern richten ihr Angebot ganz explizit an mittelständische Unternehmen.

Dabei liegen die Vorteile auf der Hand: Plattformen ermöglichen in allen Bereichen die Interaktion von Produzenten und Konsumenten und vereinen das Marktgeschehen somit an einem Ort. Damit schaffen sie es durch den Einsatz von digitalen Technologien und Services, Angebot und Nachfrage optimal zu verbinden.

Durch die Digitalisierung dieser Interaktion mittels Finanzierungsplattformen bieten sich nun Unternehmen ganz neue Chancen, den gesamten Markt effizient nach dem für das jeweilige Projekt und die anstehende Finanzierung am besten geeigneten Finanzierungsgeber zu sondieren.

Kreditgeschäft im Wandel

Damit verändert sich das gehobene Unternehmenskreditgeschäft stark. Bis vor kurzem galt es noch als Kerngeschäftsfeld von Sparkassen und Banken.

Die Fintechs, die sich in den vergangenen Jahren auf Unternehmensfinanzierung konzentrierten, richteten ihre Angebote meist an kleinere Unternehmen mit Finanzierungsvorhaben von bis zu maximal 750.000 Euro. Diese Obergrenze lässt sich leicht aus dem Kreditwesengesetz (KWG) ableiten, das Banken bei Kreditvolumina ab 750.000 Euro eine aufwendigere Prüfung vorschreibt. Ihnen wird ein „qualitatives Marktfolgevotum“ abverlangt, was aufwendiger ist und mehr Zeit kostet. Zeit, die, betrachtet man es durch die „Fintech-Brille“, alles zu zäh und unmodern werden lässt; und vor allem ist man weit weg von der schnellen, digitalen und bequemen Vision „Mit einem Klick zur Unternehmensfinanzierung“.

Dies ändert sich nun. Auch großvolumige Vorhaben können inzwischen über Plattformen durch eine Kombination aus Standardisierung und Digitalisierung komplexer Finanzierungsprozesse, gepaart mit fachlicher Finanzierungsexpertise, abgebildet werden.

Über den Autor:

Martin Hipp

Martin Hipp ist Gründer und CEO der Finmatch AG in Stuttgart.

Kontakt: martin.hipp[at]finmatch.de

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