Rekordübernahme mit Rekordabsicherung

Kaufvertrag unterschrieben, Deal done? So einfach ist es nicht, denn auch in der Zeit nach Vertragsunterzeichnung gibt es Risiken wie regulatorische Vorgaben oder Wechselkursschwankungen.

Es war der bisher größte Ankauf in der Geschichte des Siemens-Konzerns: Im August 2020 verkündete Siemens Healthineers, das US-Unternehmen Varian Medical Systems für 16,4 Milliarden US-Dollar übernehmen zu wollen. Die Projektverantwortung für die Fremdfinanzierung lag beim Treasury-Team von Siemens, das eine maßgeschneiderte Lösung für Siemens Healthineers entwickelte.

Dabei musste das Team auch das Wechselkursrisiko im Blick haben. Eine nachteilige Entwicklung des Wechselkurses hätte zur Folge gehabt, dass sich der Kaufpreis, in Euro gerechnet, verteuert hätte. Umgekehrt hätte eine Terminkursabsicherung zu Risiken führen können, falls das Closing der Transaktion nicht möglich gewesen wäre.

Um sowohl FX- als auch Closing-Risiko abzusichern, bot sich ein Deal Contingent Forward (DCF) an: Im Falle des Closings ist der Wechselkurs wie beim Termingeschäft fixiert, allerdings erlischt das Geschäft, wenn der M&A-Deal entfällt. Die Bank übernimmt das Risiko des Nichtzustandekommens der Akquisition vollständig und muss deshalb eine Einschätzung treffen können.

„Ein Deal Contingent Forward bot sich an.“

Um eine passende Risikomanagementlösung zu entwickeln, muss der Währungsmix der Finanzierungsstruktur betrachtet werden. In diesem Fall agierte J.P. Morgan als Financial Advisor und Underwriter. Zunächst erhielt Siemens im August 2020 eine Brückenfinanzierung in Höhe von 15,2 Milliarden Euro, die im Anschluss gemeinsam mit weiteren Banken syndiziert wurde.

Die Brückenfinanzierung zur Absicherung der Kaufpreiszahlung wurde Siemens Healthineers mittels einer internen Brückenfazilität zur Verfügung gestellt. Im Anschluss wurden insgesamt 5 Milliarden Euro aus dieser Brückenfinanzierung durch Eigenkapitalemissionen von Siemens Healthineers im September 2020 und März 2021 ersetzt. Zusätzlich emittierte Siemens im März 2021 Anleihen über 10 Milliarden US-Dollar zur Refinanzierung.

Risikomanagement zahlt sich aus

Der frühzeitige Dialog zwischen Siemens’ FX-Experten und dem FX-Team der Bank erlaubte intensive Diskussionen, in denen die verbleibende Fremdwährungsrisikoposition in Höhe von 7,5 Milliarden Euro ermittelt werden konnte und der DCF als geeignetes Hedging-Instrument identifiziert wurde. Damit stellte der Varian-Kauf nicht nur die größte Akquisition in der Geschichte von Siemens dar, sondern auch die erste, die mit einem DCF abgesichert wurde. Für Siemens war es von Vorteil, dass eine Bank gewillt war, dieses Risiko vollständig zu übernehmen.

Von besonderer Bedeutung für Siemens war dabei die Möglichkeit, für dieses Instrument Hedge Accounting anwenden zu können. Dazu war der Dialog zwischen den Währungsexperten von Siemens und der Bank bereits früh in der Planungsphase nötig. Auch bei der Exekution eines Deal Contingent Forwards ist es von Vorteil, von einer global aufgestellten Bank mit großen Handelsbüchern unterstützt zu werden, um große Volumina mit möglichst geringem Einfluss auf den Wechselkurs im Markt unterzubringen.

Das Risikomanagement zahlte sich aus, als am 15. April 2021 die Rekordtransaktion „closed“ und Siemens den Euro-Anteil der Finanzierung zum vereinbarten Wechselkurs zur Zahlung des Kaufpreises in US-Dollar wechseln konnte.

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