Sanktionslisten im Blick

Die Sanktionslistenprüfung und die Geldwäschebekämpfung können schwierig sein – mit Hilfe von künstlicher Intelligenz lassen sich die Prozesse vereinfachen.

Die Absicherung rechtlicher Faktoren ein- und ausgehender Zahlungen im Unternehmen ist von höchster Relevanz, um Zahlungsausfällen, Strafzahlungen und juristischen Konsequenzen vorzubeugen. Aktuelle geopolitische Entwicklungen – insbesondere die Sanktionen gegen Russland – verlangen Unternehmen höchste Anpassungsfähigkeit ab, um sicherzustellen, dass sie keine Geschäfte mit jüngst sanktionierten Personen, Staaten, Unternehmen oder Banken tätigen. Nicht nur die Sanktionslisten der EU müssen berücksichtigt werden, sondern häufig auch die der USA, die ansonsten selbst Sanktionen gegen Unternehmen verhängen können.

Betroffen sind davon keineswegs nur Unternehmen mit direkten Geschäftskontakten nach Russland: Selbst bei Einhaltung der Sanktionsvorschriften besteht zusätzlich bei jeder Transaktion das Risiko, unbewusst an Geldwäsche beteiligt zu werden. Denn gemäß dem „Transparency International Korruptionsindex 2021“ erreichen 68 Prozent der Länder nur einen Score von unter 50 auf einer Skala bis 100, bei der der höchste Wert für die geringste Korruption steht.

„Das Risiko ist allgegenwärtig.“

Andy Büch

Da bei hohen Korruptionsraten die Risiken für kriminelle Aktivitäten wie Geldwäsche hoch sind, ist dieses Risiko allgegenwärtig. Doch wie etablieren Sie einen Prozess zur Compliance mit Sanktions- und Geldwäschevorschriften ins Tagesgeschäft, ohne es zu stören? Der erste Schritt ist die Festlegung eines Verantwortlichen für Konformitätsprüfungen – zum Beispiel der Compliance Manager. Dieser gewährleistet, dass Prüfungen in regelmäßigen Abständen erfolgen. Die Prüfhäufigkeit liegt dabei im eigenen Ermessen. Stichprobenartige Prüfungen bieten einen Ansatz zur Absenkung des Risikos. Eine Orientierungshilfe zur Priorisierung und Einschätzung des Prüfaufwands kann die Risikohöhe bieten. Wirkliche Absicherung ermöglicht jedoch nur die konsequente Prüfung jeder Transaktion. Doch wie lässt sich die Prüfung interner Daten von Kunden, Lieferanten, Geschäftspartnern bewerkstelligen?

Hilfe bringt künstlicher Intelligenz

Schritt zwei umfasst die Prozessorganisation der Risikoprüfung. Ein manueller Abgleich jeder Buchung ist angesichts der weitverbreiteten Risikolandschaft nicht realistisch: Der Zeitaufwand übersteigt die Kapazitäten jeder Rechnungsabteilung bei weitem. Zudem ist nicht auszuschließen, dass Prüfende Details übersehen. Abhilfe schaffen hier moderne Tools, die einen automatischen und skalierbaren Abgleich von Transaktionen mit aktuellen Regularien ermöglichen. Mit Hilfe künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernens bieten moderne Lösungen die Möglichkeit, Transaktionsdaten in Echtzeit mit Sanktions-, Embargo- und Blacklists, unternehmensinternen Erfahrungswerten und Regeln sowie ergänzenden Faktoren wie ungewöhnlichen IP-Adressen, Rechnungsbeträgen oder Ausführungszeiten abzugleichen. Eine fortlaufend optimierte Risikobewertung lässt sich damit automatisch in Ihre Transaktionsprozesse einbinden.

Über eine ebenfalls automatisierbare Zuweisung von auffälligen Transaktionen an einen Prüfer erhält dieser in einer Geschwindigkeit eine Bearbeitungsbenachrichtigung, die manuelle Prozesse nicht bieten können. Die Neustrukturierung und Automatisierung von Prüfprozessen zur Verringerung von Sanktions- und Geldwäscherisiken lohnt sich für Unternehmen. Sie erfordert klare Zuständigkeiten und unternehmensinterne Regeln sowie die Überlegung, mit Hilfe welcher technologischen Hilfsmittel der Prüfprozess möglichst hoch automatisiert werden kann. Je früher diese Umstellung gelingt, desto schneller sind eine effiziente Risikominimierung und somit eine Konzentration auf das Kerngeschäft – weitestgehend unabhängig von Erlassen neuer Sanktionen – realisierbar.

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