Steuern von Pensionsrisiken

Unternehmen mit einem geringen Pensionsrisiko können von einer besseren Aktienkursentwicklung, niedrigeren Refinanzierungskosten und einer höheren Unternehmensbewertung profitieren.

Was bewirken Pensionsrisiken? Eine Untersuchung von der Frankfurt School of Finance & Management und Insight Investment liefert Ergebnisse. Demnach kann eine risikoarme Pensionsstrategie für Unternehmen einen Mehrwert darstellen. Gerade in Extremsituationen wie während der Corona-Pandemie hilft sie bei der Wahrung der Liquidität und Solvenz eines Unternehmens. Der Vorstand sollte sich dieses Umstands bei der Festlegung der Pensionsstrategie des Unternehmens bewusst sein.

„Die Unternehmensführung hat klare Anreize, Pensionsrisiken vorausschauend zu steuern.“

Viele Studien zu Pensionsrisiken konzentrieren sich auf einzelne Messgrößen wie das Pensionsplanvermögen, Verpflichtungen aus Leistungszusagen und den Ausfinanzierungsgrad. Dabei fehlt oft der Bezug zur Unternehmensbilanz und zu den Auswirkungen von Pensionsrisiken auf Kapitalmarktindikatoren wie die Aktienkursentwickung und die Refinanzierungskosten.

Wie wirken sich Pensionsrisiken auf Kapitalmarktindikatoren aus?

In Zusammenarbeit mit der Frankfurt School of Finance & Management hat Insight Investment die Auswirkungen von Pensionsrisiken auf wichtige Kapitalmarktindikatoren der Dax30- und MDax-Unternehmen analysiert. Berücksichtigt wurden 13 Pensionsrisikokennzahlen, von denen jede einer der folgenden drei Kategorien zugeordnet ist.

Zunächst gibt es defizitbezogene Kennzahlen: Sie charakterisieren den Teil der Pensionsverpflichtungen, der nicht aus dem Pensionsvermögen finanziert wird. Ein höheres Defizit gilt als riskanter als ein niedrigeres. Die zweite Kategorie sind verpflichtungsbezogene Kennzahlen. Sie beschreiben die wirtschaftliche Relevanz der Pensionsverpflichtungen. Hohe Pensionsverpflichtungen im Verhältnis zur Unternehmensgröße stellen einen Risikofaktor dar.

Die dritte Kategorie sind veränderungsbezogene Kennzahlen. Sie geben an, wie sich Pensionsdefizite und -verpflichtungen von Jahr zu Jahr verändern. Höhere Kennziffern sind für Aktionäre weniger vorteilhaft und stellen somit ein höheres Risiko dar.

Die 2020, also auch während der Corona-Pandemie, durchgeführte Studie bot die Gelegenheit zu analysieren, wie Unternehmen mit hohen und niedrigen Pensionsrisiken abschneiden, wenn die Kapitalmärkte unter akutem Stress stehen. Dabei bestätigte die Studie für 2020 die zentralen Erkenntnisse der Studie aus dem Jahr 2019: Unternehmen mit niedrigen Pensionsrisiken weisen eine bessere Aktien-Performance auf und profitieren von geringeren Refinanzierungskosten. Dieser Zusammenhang wurde in der pandemiebedingten Stressphase an den Kapitalmärkten noch stärker. Die wirksamste Möglichkeit, Kapitalmarktindikatoren positiv zu beeinflussen, bietet das Steuern von Pensionsrisiken anhand defizitbezogener Kennzahlen.

Neues Instrument bei Pensionsrisiken

Die Ergebnisse der Studie unterstreichen, dass die Unternehmensführung klare Anreize hat, Pensionsrisiken vorausschauend zu steuern. Unternehmen können zum Beispiel eine Pension Risk Scorecard zur Hilfe hinzunehmen. Die Scorecard hilft, Pensionsrisiken zu bewerten, zu überwachen und zu steuern. Weiter können Unternehmen eine Peer-Group-Analyse vornehmen, um beispielsweise herauszufinden, wie sich ihr Pensionsrisiko gegenüber ihrem Sektor oder einer breiteren Bezugsgruppe verhält.

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Paul Siethoff ist Redakteur bei Finance und schreibt über verschiedene CFO- und Corporate-Finance-Themen. Er hat Kommunikationswissenschaften und Journalismus in Erfurt und in Mainz studiert. Vor seiner Zeit bei FINANCE schrieb Paul Siethoff frei für die Frankfurter Rundschau über Wirtschafts- und Politikthemen.

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