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Wandler en vogue

In der Coronakrise kommen die Vorzüge von Wandelanleihen besonders zum Tragen. Unternehmen und Investoren profitieren von der Mischform aus Aktien und Anleihen.

Wandelanleihen sind 2020 gefragt. In der EMEA-Region wurden bis Ende September Wandelanleihen mit einem Gesamtvolumen von rund 20 Milliarden Euro platziert, das sind schon jetzt deutlich mehr als im gesamten Jahr 2019. Ein ähnliches Bild zeigt sich in Deutschland, wo bereits rund 7 Milliarden Euro und damit ein Vielfaches des Volumens im Vorjahr emittiert wurden. Dabei entdecken auch immer mehr Finanzverantwortliche aus dem gehobenen Mittelstand sowie dem MDax- und SDax die Finanzierungsform für sich.

So hat etwa Zalando, eigenen Angaben zufolge Europas führende Online-Plattform für Mode und Lifestyle, im Juli erstmals über eine Wandelanleihe in zwei Tranchen 1 Milliarde Euro für das weitere Wachstum und allgemeine Unternehmenszwecke eingesammelt. Mit einer Wandlungsprämie von 42,5 Prozent bei der Fünf-Jahres-Tranche und 50,0 Prozent bei der Sieben-Jahres-Tranche auf den Referenzpreis und einem jährlichen Zinskupon von –0,125 Prozent beziehungsweise 0,625 konnte sich Zalando eine langfristige Finanzierung zu sehr attraktiven Konditionen sichern.

Für wachsende Firmen attraktiv

Gerade für wachstumsstarke Unternehmen ohne Rating kann der Wandelanleihemarkt attraktiv sein, da eine starke Equity Story das Pricing positiv beeinflussen kann. Das gilt jedoch längst nicht nur für den bei Wandelanleihen traditionell stark vertretenen Tech-Sektor, sondern auch für viele andere Branchen. Bereits im Juni hat etwa das Wohnungsunternehmen LEG Immobilien eine Wandelanleihe über 550 Millionen Euro für die Akquisition eines großen Wohnungsportfolios emittiert und dabei mit einem Kupon von 0,4 Prozent bei einer Laufzeit von acht Jahren ebenfalls sehr attraktive Konditionen erzielt.

Im aktuellen Marktumfeld kommen die Vorzüge der Mischform aus Aktien und Anleihen besonders zum Tragen. Investoren können von der Erholung an den Aktienmärkten sowie möglichen weiteren Kursanstiegen profitieren und zugleich ihr Risiko durch die Anleihekomponente reduzieren. Für Unternehmen sind Wandelanleihen ein sehr flexibles Instrument, mit dem sie ihre Zinslast im Vergleich zu klassischen Anleihen senken können. Durch die häufig attraktiven Finanzierungsbedingungen können Unternehmen zudem ihre Finanzierungsstruktur und ihr Cashflow-Profil verbessern.

„Aktuell kommen die Vorzüge der Mischform aus ­Aktien und Anleihen zum Tragen.“

Hinzu kommt, dass der Markt für Wandelanleihen bei Turbulenzen sehr viel widerstandsfähiger ist als etwa der IPO-Markt. Mit Blick auf die anstehende US-Wahl, die Geldpolitik sowie die weitere Dynamik der Pandemie ist das ein entscheidender Faktor.

Daneben spielen auch Nachhaltigkeitskomponenten bei Wandelanleihen eine zunehmend wichtige Rolle. Die ersten grünen Wandelanleihen wurden bereits platziert. Mit dem Maschinen- und Anlagenbauer Dürr hat im September zudem erstmals ein deutsches Unternehmen seine Wandelanleihe über einen ESG-gebundenen Zins-Swap an eine Nachhaltigkeitskomponente gekoppelt. Damit wird auch diese Finanzierungsform künftig vom wachsenden Investoreninteresse an nachhaltigen Assets profitieren.

Ein Aspekt, der aus Emittentensicht – häufig bei Unternehmen mit starken Ankeraktionären –gegen Wandelanleihen spricht, ist die potentielle Verwässerung der Anteile am Ende der Laufzeit. Allerdings hat auch dieses Argument für einige Unternehmen zuletzt an Bedeutung verloren. Denn schließlich gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Wandelanleihen so zu strukturieren, dass der Verwässerungseffekt zumindest vermindert wird.

Über den Autor:

Matthias Janssen

Matthias Janssen ist Leiter Equity-Linked Products bei der UniCredit in München.

Kontakt: matthias.janssen[at]unicredit.de

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