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Wasserstoffwirtschaft als Ziel

Damit Wasserstoff als Teil der Standort- und Dekarbonisierungsstrategie in Deutschland erfolgreich sein kann, brauchen Politik, Unternehmen und Finanzindustrie einen gemeinsamen Ansatz.

Der primäre Einsatz fossiler Rohstoffe im Energie- und Industriesektor ist Hauptursache für den CO2-Ausstoß. Eine Alternative scheint im CO2-freien „grünen“ Wasserstoff zu liegen. Wasserstoff dient bereits seit langem als Grundstoff in Industrieprozessen. Seine Eigenschaften sind bereits ausreichend erforscht und sektorübergreifend bekannt. Die Herstellung des bisherigen „grauen“ Wasserstoffs erfolgte mittels fossiler Rohstoffe. Mit Blick auf eine erfolgreiche Energiewende und eine durch die Bundesregierung angestrebte CO2- Neutralität von Deutschland bis 2050 muss dieser „graue“ Wasserstoff im Zuge der Dekarbonisierungsstrategie durch „grünen“, CO2-freien Wasserstoff ersetzt werden. Der Nationalen Wasserstoffstrategie folgend, sollen bis 2030 20 Prozent des in Deutschland verbrauchten Wasserstoffs aus CO2-freier Produktion stammen, damit das genannte Ziel erreicht werden kann.

Dafür braucht es mittel- bis langfristig eine starke Wasserstoffproduktion, die es derzeit weder in Deutschland noch in Europa in ausreichendem Maße gibt. Um den Gesamtbedarf langfristig decken zu können, müssen strategische Partnerschaften aufgebaut werden. Dabei bietet sich die „grüne“ Wasserstoffproduktion insbesondere in sonnen- und/oder windreichen Regionen wie zum Beispiel in Norwegen oder Nordafrika an.

Kopernikus-Projekte sind vielversprechend

Vielversprechende Wasserstoffprojekte im heimischen Markt sind die Kopernikus-Projekte des Bundesministeriums für Bildung und Wirtschaft. Sie erforschen bundesweit an unterschiedlichen Standorten die Wasserstoffherstellung mittels Ptx-Technologien, die Strom aus erneuerbaren Quellen in andere Energieformen umwandeln können. Dabei werden Stromüberschüsse aus diesen Quellen gespeichert und so für andere Verwendungszwecke nutzbar gemacht. Mit Projekten dieser Art setzt Deutschland auf Exportchancen entwickelter Technologien auch in andere Industrien wie den Anlagenbau und die Chemieindustrie.

Damit Technologien dieser Art exportiert und importiert werden können, hat die Bunderegierung ihre Vorgaben für ungedeckte Finanzkredite (UFKs) angepasst und um die Bereiche Energiewende und E-Mobilität erweitert. Eine erste Transaktion in Höhe von 1,3 Milliarden Euro wurde unter Einsatz dieses neuen Absicherungsinstruments im Juli 2020 erfolgreich abgeschlossen. Dabei hat das schwedische Unternehmen Northvolt zusammen mit BNP Paribas und Morgan Stanley (Financial Advisors) in Schweden die erste Gigafactory zur Produktion von neuartigen Li-Ionen-Batterien aufgebaut. Die Produktion wird überwiegend nach Deutschland exportiert und sichert die Lieferkette der Automobilindus­trie. Diese entwickelten Strukturen lassen sich auch für den Markthochlauf der Wasserstoffproduktion einsetzen.

Ansatzpunkte für Finanzsektor

Politische Rahmenbedingungen, strategische Partnerschaften, staatliche Garantiestrukturen und die Entwicklung eines starken heimischen Marktes für die Wasserstoffproduktion sind der Beginn des Aufbaus einer Wasserstoffwirtschaft. Mit einem geschätzten Investitionsvolumen von 280 Milliarden US-Dollar bieten sich auch dem Finanzsektor viele Ansatzpunkte.

Alle Akteure – Politik, Wirtschaft, Industrie und der Finanzsektor – arbeiten an Möglichkeiten der Umsetzung in ihren jeweiligen Parametern. Der nächste Schritt muss sein, alle Einzelergebnisse zusammenzufügen und gemeinsam an der Umsetzung zu arbeiten. Nur so kann der Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft gelingen, und nur so kann Deutschland bis 2050 CO2-neutral werden.

Über den Autor:

Frank Sibert

Frank Sibert ist Head of Sustainable Business bei BNP Paribas Deutschland in Frankfurt am Main.

Kontakt: frank.sibert[at]bnpparibas.com

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