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Wenn die Nachfolge zur Finanzierungsfrage wird

Im Rahmen der Nachfolgeregelung sollen oft einzelne Gesellschafter ausgezahlt werden. Dafür steht Unternehmen ein breites Spektrum an Finanzierungsoptionen zur Verfügung.

Die Frage der Unternehmensnachfolge im Mittelstand stellt sich häufig. Der vollständige Unternehmensverkauf ist eine Lösung, über die sich M&A-Berater freuen. Viel häufiger jedoch möchten nur einzelne Gesellschafter oder deren Erben den Gesellschafterkreis verlassen. Relativ spät kommt dabei die Frage nach der Finanzierung. In den meisten Fällen wird angestrebt, den Kaufpreis zu finanzieren, indem das Unternehmen Schulden aufnimmt. Aber wie? Dafür gibt es keine Faustformel, aber eine klare Empfehlung: sich nicht auf etablierte Finanzierungspartner wie die Hausbanken zu beschränken.

Vor der Ansprache möglicher Finanzierer sind alle Finanzierungsmöglichkeiten intern abzuprüfen: Passt die zusätzliche Verschuldung zu einer reinen Bankenfinanzierung? Muss man sich von seinen bilateralen Finanzierungen verabschieden und den Weg einer Konsortialfinanzierung gehen? Bewegt sich der Verschuldungsgrad in einem Bereich, in dem institutionelle Fremdfinanzierer eine passende Lösung bieten? Ist der Finanzierungsbedarf so hoch, dass nur ein Nachrangfinanzierer die Finanzierungslücke schließen kann? Wenn es die Unternehmensstruktur erlaubt, gibt es häufig Lösungen, bei denen klar definierte Unternehmensteile den ausscheidenden Gesellschaftern mitgegeben werden. So lässt sich der Finanzierungsbedarf reduzieren.

Trennung gleicht M&A-Prozess

Für eine erfolgreiche Trennung im Gesellschafterkreis muss die Finanzierungsfrage genauso professionell adressiert werden wie in einem klassischen Verkauf der M&A-Prozess. Vor der Marktansprache ist eine realistische Finanzierungsstruktur zu erarbeiten. Die nötigen Unterlagen müssen professionell vorbereitet werden. In vielen Fällen macht zusätzlich eine externe Financial Due Diligence Sinn. Alternative Finanzierungslösungen sollten bis zur Unterschrift im Wettbewerb gehalten werden. Das erhöht die Chancen, die ersten indikativen Finanzierungsangebote auch in den Kreditverträgen wiederzufinden.

Für eigentümergeführte Unternehmen ist die Finanzierung des Gesellschafterwechsels vergleichbar mit den Herausforderungen einer transformierenden Akquisition. Die gewohnten Spielregeln mit den Hausbanken gelten nicht mehr. Der Bankenkreis muss oftmals um Häuser erweitert werden, zu denen es noch keine Geschäftsbeziehung gibt. Spätestens bei der Ansprache institutioneller Fremdfinanzierer wird es aufwendig. Damit sind solche gemeint, die als Debt Funds bekannt sind und sowohl erst- als auch nachrangige Finanzierungen anbieten. Von diesen gibt es mehr als 100 Anbieter im deutschen Markt, mit unterschiedlichen Schwerpunkten und eigenen Spielregeln. Ihr Spektrum reicht von der Erstansprache bis zum unterschriebenen Kreditvertrag.

Ab einem Finanzierungsbedarf von 250 Millionen Euro sollten Unternehmen eine Debt-Funds-Lösung immer auch mit einem oftmals günstigeren und flexibleren institutionellen Kapitalmarktdarlehen (Term-Loan B) vergleichen. Die Investoren sind breiter gestreut, sensible Informationen bleiben einem limitierten Kreis vorbehalten. Das ist anders als bei einer Anleihelösung. Nachteil: Die Komplexität erhöht sich. Das Unternehmen ist auf internationale Investmentbanken angewiesen und muss ein externes Rating einholen.

Zusammengefasst: Unternehmen müssen die Finanzierung von Anfang an mitdenken. Die aktuellen Finanzierer können, müssen aber nicht Teil der Finanzierungslösung sein. Insofern sind eine gute Vorbereitung der Marktansprache und ein stringenter Finanzierungsprozess die Schlüssel für eine erfolgreiche Transaktion. 

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