Wenn Notenbanken Ernst machen

Immer wenn Notenbanker klare Handlungen ankündigen, sollte man von einer raschen und zielgerichteten Umsetzung derselben ausgehen – dies bietet auch Chancen.

Wenn die amerikanische Notenbank Fed, allen voran Jerome Powell, erklärt, die Inflationsbekämpfung zurzeit in den absoluten Fokus zu rücken, sollte niemand auch nur eine Sekunde daran glauben, dass die Fed aufhören wird, die Zinsen anzuheben, bis die Inflation nicht zumindest um 3 Prozent gesunken ist. Bis Ende des Jahres wird die Inflationsrate in den USA wohl bei über 6 Prozent verbleiben.

Energiekrise in Europa

Käme es zu einer, inzwischen nicht auszuschließenden, Energiekrise in Europa, gerieten die Weltmarktpreise für Energie noch mehr „aus dem Häuschen“, und eine niedrigere Inflation wäre wohl noch weiter in die Zukunft verschoben.

Auch die EU hat erkannt, dass Handlungs- und Kommunikationsbedarf besteht. So stand der Euribor Mitte Oktober bei +1,29 Prozent und ist damit zum ersten Mal seit vielen Jahren nicht mehr negativ.
Notenbanken reagieren primär auf nachhaltige Inflationsentwicklungen. Kurzfristige Preisspitzen bei Energie- und Lebensmittelpreisen sind normal und werden üblicherweise ausgeklammert. Im vergangenen Jahr hatten die Notenbanken zwar einen Preisanstieg von einem sehr niedrigen Niveau aus erkannt, aber Lieferkettenprobleme und die Folgen der zu großen Liquiditätsflut unterschätzt, die nicht nur im Zuge der Coronakrise, sondern auch schon davor vorgekommen waren, damals scheinbar ohne reale Folgen.

Eines ist jedoch sonnenklar: Notenbanken wurde durch die gegenwärtige Entwicklung die Möglichkeit entzogen, weiter Liquidität ins System zu gießen. Die Folgen solcher Einschränkungen werden besonders jene Menschen treffen, die in den vergangenen Jahren den Sweetspot genossen hatten, in dem Asset-Preise unter geringen Schwankungen stetig nach oben gestiegen waren.

Schwere Zeiten

Auch für Unternehmen brechen strukturell schwere Zeiten an, die sich von erschwerter Unternehmensfinanzierung durch hohe Zinsen bis hin zu eingeschränkter Investitionskraft bemerkbar machen. Hier werden jene Unternehmen reüssieren, die ihre Innovationskraft wiederfinden und (endlich) auch die oft verzögerte Digitalisierung tatkräftig vorantreiben. Dazu wird, speziell bei international tätigen Unternehmen, auch die Umstellung auf eine Best-in-Class-Hedging-Strategie gehören, nach der hart mit Produktverkäufern wie Banken verhandelt und auf Technologien wie FX-Intelligenz gesetzt wird. Nur so wird das „Augen-zu-und-durch“-Prinzip des vergangenen Jahrzehnts hinter sich gelassen werden können.

Zusammengefasst, kann man die anstehenden Herausforderungen jetzt nicht mehr leugnen, doch sollte man sie auch als Chance verstehen, sich neu zu definieren. Möglichkeiten dazu gibt es genug.

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