Wie Wasserstoff günstig wird

Grüner Wasserstoff gilt als das Erdöl des 21. Jahrhunderts. Es gibt für Industrie und Kommune ein kostengünstiges und standardisierbares Verfahren, um ihn schnell herzustellen.

Die verbindlichen Maßnahmenziele zur Klimaneutralität könnten komplexer nicht sein. Sie sind national und global geprägt und teils di­vergent. Eine entscheidende Schlüsselrolle dabei, CO2­Emissionen vor allem in solchen Sektoren zu reduzieren, die nicht direkt mit Sonnen-­ und Windstrom zu erreichen sind (z.B. Industrieproduk­tionsprozesse oder Schwerlastverkehr), kommt grünem Wasserstoff zu. Er wird durch die Elek­trolyse von Wasser, also die Abspaltung des im Wasser gebundenen Wasserstoffs, gewonnen. Der Strom hierfür stammt aus erneuerbaren Energien. Das ist der entscheidende Unterschied zu allen an­ deren Formen der Wasserstofferzeugung.

Wegen seines hohen Potentials, alle fossilen Treib­ und Kraftstoffe klimaneutral zu ersetzen, wird grüner Wasserstoff vielfach auch als das Erdöl des 21. Jahrhunderts bezeichnet. Es ist des­halb nicht verwunderlich, dass die Bedeutung von Wasserstoff deutlich an Fahrt aufgenommen hat, weltweit eine Vielzahl von Ländern Wasserstoff­ Roadmaps verabschiedet haben und gewaltige Investitionsvolumen in Projekte fließen.

Auch die Bundesregierung hat mit der nationalen Wasserstoffstrategie einen kohärenten Handlungsrah­men und klare Ziele verabschiedet. Endscheidend für den heimischen Aufbau dieser Zukunftsindus­trie ist, die Produktionskapazitäten schnell auf­ und die Stromerzeugungskapazitäten aus erneu­erbaren Energien konsequent auszubauen.

AEM-­Technologie im Blick

Die Elektrolyse zur Wasserstoffgewinnung ist per se nicht neu, unterschiedliche Verfahrens­wege bestehen. Nicht alle eignen sich aber zur Erzeugung von grünem Wasserstoff.

Die Anionenaustauschmembrantechnologie, kurz AEM­-Technologie, verbindet die Vorteile der traditionellen alkalischen Elektrolyse und der Pro­tonenaustauschmembranelektrolyse miteinander und ist ein hocheffizientes Elektrolyseverfahren, das ein kostengünstiges, standardisierbares und damit schnelles Produktionsverfahren ermöglicht. Als marktreifes und etabliertes Verfahren wird es mit der patentierten AEM­-Elektrolyseurtechnolo­gie bereits vielfach auf der Welt angewendet und steht unmittelbar vor dem Eintritt in die Massen­fertigung.

Zusätzlich werden die Vorteile der Mo­dularität genutzt, indem einzelne Elektrolyseure in nahezu unbegrenzter Anzahl zusammengeschaltet werden können, womit Anlagenbedarfe bis zur Megawattklasse und mehr umsetzbar sind.

Bund schafft Anreizprogramme

Der Bund schafft die notwendigen Anreizpro­gramme, setzt Ziele und gibt Erwartungen vor. Das ist gut so. Die Umsetzungen vor Ort, in der Industrie und vor allem das Zusammenspiel mit der örtlichen Kommune lassen die hierfür not­wendigen Freiräume. Win-­win-­Situationen ergeben sich aus dem effektiven Zusammenwirken aller Beteiligten.

Ein „Leuchtturm“, auch dafür, wie sich andere Regionen zu Modellregionen ent­wickeln können, ist die Klimakommune Saerbeck im Münsterland in Verbindung mit dem Landkreis Steinfurt. Der Bioenergiepark in der Gemeinde Saerbeck erzeugt heute bereits die vierfache Men­ge des lokalen gemeindlichen Strombedarfs.

Der Landkreis unterstreicht mit den Konzepten im Rahmen der Bewerbung als „Modellregion Was­serstoffmobilität“ seine Vorreiterrolle in Nord­rhein-­Westfalen und nimmt die anwendungsbe­zogene Nutzung der Wasserstoffinfrastruktur ins Visier seiner Klimaschutzziele. Das Erfolgsrezept liegt in der regionalen Betrachtung und der Ver­knüpfung der maßgeblichen Akteure.

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