EventsStructured FinanceZum eigenen V...

Zum eigenen Vorteil nutzen

Wenn Unternehmen Förderdarlehen und Zuschüsse in ganzheitliche Finanzierungskonzepte optimal einbinden, können sie einen Wettbewerbsvorteil erhalten. Das gilt nicht nur in Krisenzeiten.

Covid-19 hat der Staatsförderung in Form von Darlehen und Zuschüssen die alten „Lettres de Noblesse“ zurückgegeben. Ob Sofortkredit, Überbrückungshilfe oder ein auf die Krise zugeschnittener KfW-Unternehmerkredit – alle leisten sie ihren Beitrag, um diese historische Krise zu überwinden.

Während die Banken mit Anfragen nach Fördermitteln in den vergangenen Monaten geradezu überflutet worden sind, mussten die hierfür „berechtigten“ Unternehmen und insbesondere ihre CFOs an programmkonformen Anträgen basteln und sich eng mit ihren Banken abstimmen. Zuvor waren sehr intensive und gegebenenfalls durchaus kontrovers geführte Diskussionen in den Führungsetagen der Unternehmen über den grundsätzlichen Einsatz von Fördermitteln nötig.

Aber insbesondere in diesen schwierigen Zeiten können Fördermittel die Refinanzierungsbasis gerade bei langen Laufzeiten stabilisieren, die Gewinn-und-Verlust-Rechnung trotz schwächelnden Ratings durch günstige Konditionen unterstützen und auch die Eigenkapitalbasis durch nicht rückzahlbare Zuschüsse verbessern.

Nicht nur in Krisenzeiten

Aber nicht nur in Krisenzeiten ist die Einbindung von Förderdarlehen und Zuschüssen im Finanzierungsmix der Unternehmen eine strategische Entscheidung. Denn das Umfeld des CFOs wird immer komplexer: Die Anzahl an Banken und Banker reduziert sich stetig. Und die, die übrig bleiben, haben einen immer enger werdenden Spielraum, beispielsweise im Hinblick auf die akzeptierten Branchen, das Mindestrating, die Größe des Unternehmens oder die Komplexität beziehungsweise das Volumen des Einzelgeschäfts.

Auch die Anforderungen an das Eigenkapital und die Rating-Performance steigen kontinuierlich. Auf Unternehmensseite nehmen die Komplexität und der Formalismus, der beispielsweise im Bereich Compliance oder KYC eingehalten werden muss, zu. Die Haftungsrisiken für das Management steigen ebenfalls.

Betrachtung auf höchster Ebene

Vor diesem Hintergrund ist es essentiell, das Thema Fördermittel auf höchster Unternehmensebene zu betrachten. Das Management muss grundsätzlich entscheiden, ob Fördermittel in die Gesamtstrategie des Unternehmens passen, und dementsprechend klare Verantwortungen und Prioritäten festlegen.

Die strategische Orientierung bedingt langjährige Betrachtungszeiträume, was Investitionen sowie neue Prozesse und Verfahren betrifft, und eine von der Geschäftsführung gewollte Verankerung der Thematik an allen entscheidenden (Schnitt-)Stellen des Unternehmens. Diese klare Orientierung kann dann operativ in Handlungen oder Anweisungen münden. Dazu zählt beispielsweise, dass jede Investition ab einem – für das Unternehmen – bedeutenden Volumen auf Förderfähigkeit hin überprüft werden muss. Zudem wird eine zentrale Stelle oder eine Person designiert, die Evidenzzentrale für die gesamte Unternehmensgruppe ist. Die Finanzabteilung muss Fördermittel auf ihre Kompatibilität untereinander, auf ihre beihilferechtliche Relevanz und auf ihren betriebswirtschaftlich sinnvollen Einsatz hin überprüfen.

„Das sinnvolle Einbringen von Fördermitteln kann einem Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil bringen.“

Letztendlich kann das sinnvolle Einbringen von Fördermitteln einem Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil bringen, den es effizient, sicher und unter Beachtung der definierten Prioritäten des Unternehmens auszuschöpfen gilt.

Über den Autor:

Daniel Juncker

Daniel Juncker ist Projektleiter bei der REM CAPITAL AG in Frankfurt am Main.

Kontakt: d.juncker[at]remcapital.de

Weitere Inhalte zum Thema