Dr. Konstantin Sauer

ZF Friedrichshafen AG

Name:
Dr. Konstantin Sauer
Unternehmen:
ZF Friedrichshafen AG
Ressort:
Finanzen, IT, M&A, Region Nordamerika
Position:
CFO seit 2010
Ausbildung:
Studium des Wirtschaftsingenieurwesens an der Universität Karlsruhe (TH), Doktorandenstudium in Betriebswirtschaft und Assistenz an der Hochschule St. Gallen mit Promotion

Geburtstag:
25.07.1959
Familie:
Verheiratet, zwei Kinder
Ehrenamt:
Keine Angaben
Hobbies:
Keine Angaben

Karriere

In den Achtzigerjahren beginnt Sauer seine Laufbahn als Berater bei der intra-Unternehmensberatung in Düsseldorf und als Doktorand im Bereich Zentraleinkauf bei Daimler-Benz in Stuttgart. Nach seinem Wechsel zu ZF Friedrichshafen im Jahr 1990 klettert er Stufe um Stufe die Karriereleiter hinauf: Projektleiter Logistikplanung und –organisation im Unternehmensbereich Nutzfahrzeug-und Sonder-Antriebstechnik, Leiter Controlling des Bereichs Produktion, Investitionen, Projekte und Leiter Controlling des Unternehmensbereichs Nutzfahrzeug-und Sonder-Antriebstechnik.

Im Jahr 2000 geht er nach Südamerika. Er wird CFO bei ZF do Brasil und wenig später CEO des gesamten Regionalbereichs Südamerika.

Im Jahr 2005 kehrt er als Leiter Konzern-Controlling in die Hauptverwaltung nach Friedrichshafen zurück. 2007 wird er Geschäftsführer für Finanzen, Controlling, Informatik, Materialwirtschaft, Recht, Versicherung, Unternehmensbereich Pkw-Fahrwerktechnik, Dielingen, seit 2010 ist er Vorstandsmitglied und CFO.

Karriere-Highlights:

1) Finanzierung: Im Januar 2015 arrangiert Sauer das größte Schuldscheindarlehen aller Zeiten im Wert von 2,2 Milliarden Euro, um die Übernahme von TRW zu finanzieren.

2) M&A: Im September 2014 managt Sauer gleich zwei große M&A-Transaktionen parallel: Den Ausstieg von ZF Friedrichshafen aus einem Joint Venture mit Bosch im Bereich Lenksysteme und gleichzeitig die Übernahme des US-Autozulieferers TRW Automotive. Der Deal mit Bosch ist die kartellrechtliche Voraussetzung für den Zukauf in den USA. Die Übernahme von TRW Automotive ist mit einem Volumen von über 13 Milliarden US-Dollar einer der größten Zukäufe eines deutschen Unternehmens im Jahr 2014 und katapultiert ZF Friedrichshafen in die Reihe der größten Automobilzulieferer der Welt.

3) Finanzierung: Im Jahr 2011 arrangiert Konstatin Sauer einen syndizierten Kredit, 2012 platziert er Schuldscheindarlehen im Volumen von 475 Millionen Euro zur Ablösung von teureren Darlehen aus den Vorjahren.

MEHR zur Person

Konstantin Sauer, ZF Friedrichshafen: Der Technikaffine

Konstantin Sauer lenkt seit 2010 die finanziellen Geschicke des Automobilzulieferers ZF Friedrichshafen. Als CFO eines Unternehmens, das sich primär über den eigenen Cashflow finanziert, hat er eine ganz besondere Rolle: Er wirkt nach innen – bis der Konzern plötzlich den ganz großen Sprung wagt.

„Eine Affinität zum Ingenieurwesen ist hilfreich. Sonst hat man es bei einem Automobilzulieferer auch als CFO nicht leicht“, sagt ZF-Finanzvorstand Konstantin Sauer. Seit 2010 verantwortet der gebürtige Heilbronner die Ressorts Finanzen, IT, M&A sowie die Region Nordamerika des Technologiekonzerns vom Bodensee.

Sauer studiert zunächst Wirtschaftsingenieurwesen an der Universität Karlsruhe. Seine ersten beruflichen Sporen verdient er sich jedoch nicht in der Autoindustrie, sondern im Beraterwesen. 1985 beginnt er bei der intra-Unternehmensberatung in Düsseldorf. Drei Jahre später wechselt er nach Stuttgart in den Bereich Zentraleinkauf bei Daimler-Benz. Parallel dazu beginnt er ein Doktorandenstudium der Betriebswirtschaft an der Hochschule St. Gallen in der Schweiz. Als promovierter Betriebswirt wechselt Sauer im Jahr 1990 zu ZF Friedrichshafen als Projektleiter Logistikplanung und -organisation.

Von da an erklimmt der technikaffine Betriebswirt eine Station nach der anderen auf der Karriereleiter. Vorläufiger Höhepunkt: die Berufung in den Vorstand des Konzerns im Jahr 2010 als CFO – zu einem Zeitpunkt, an dem sich die Autoindustrie gerade von der schwersten Krise der Nachkriegszeit berappelt. Die Erfahrungen dieser Zeit prägen auch Sauer als Finanzvorstand. „Liquiditätsschonend durch die Krise zu kommen, war unser wichtigstes Ziel“, sagt er rückblickend. Dabei hilft ihm der Umstand, dass ZF traditionell große Stücke auf die finanzielle Unabhängigkeit des Unternehmens hält und sich primär aus dem operativen Cashflow heraus finanziert.

Diese Strategie färbt auch auf die Arbeitsweise des Finanzvorstands ab: Der muss bei ZF nämlich weniger auf den Finanzmärkten als vielmehr im Unternehmen Präsenz zeigen. „Wir finanzieren uns über Effizienz. Das bringt es mit sich, dass das Thema Prozessmanagement und Kostenoptimierung für den Finanzvorstand bei ZF einen hohen Stellenwert besitzt“, sagt Sauer. Gleichwohl ist der Kapitalmarkt eine Option, die man in Friedrichshafen nicht kategorisch ausschließt. So hat Sauer nach der Krise die Passivseite der ZF-Bilanz neu strukturiert und neben einem syndizierten Kredit erstmals auch ein Schuldscheindarlehen emittiert.

Spätestens im Sommer 2014 signalisieren Sauer und seine Vorstandskollegen, dass der Fokus auf die internen Optimierungsarbeiten kein Dauerthema geworden ist. Im Gegenteil: Mit einer Übernahme im Wert von über 13 Milliarden US-Dollar geht ZF Friedrichshafen in die Offensive wie nie zuvor in der Unternehmensgeschichte.

Der Kauf des US-Zulieferers TRW Automotive wird auch für Sauer zur Bewährungsprobe, nicht nur weil er als Chef des Nordmaerikageschäfts die treibende Kraft hinter der Großakquisition gewesen seid dürfte: Milliardenschwere Finanzierungen werden ausgehandelt, ein Delisting in den USA gemanagt und eine Hedgingstrategie für den Mega-Deal entwickelt, die neben dem hohen US-Dollar-Exposure auch die Unsicherheit berücksichtigen muss, dass die Kartellbehörden der TRW-Übernahme nicht zustimmen. Aus dem Stiftungsunternehmen ist eine der ganz großen Adressen der deutschen Industrie geworden.


michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de