Dr. Othmar Belker

Schenck Process GmbH

Name:
Dr. Othmar Belker
Unternehmen:
Schenck Process GmbH
Ressort:
Finanzen (Controlling, Reporting, Treasury), IT, Investor Relations
Position:
CFO von August bis Oktober 2015
Ausbildung:
Studium der Volkswirtschaftslehre in Trier und Freiburg, Promovierter Volkswirt
Geburtstag:
25.11.1962
Familie:
Verheiratet, drei Töchter
Ehrenamt:
Keine Angaben
Hobbies:
Kino, Reisen, Kinder

Karriere

Othmar Belker startet seine Karriere 1990 als Consultant bei Roland Berger im Bereich Restrukturierung in München und Berlin. Anschließend wird er Spartenverantwortlicher bei einer börsennotierten Investmentgesellschaft sowie CFO des börsennotierten Bauzulieferers Lindner Holding. Im Jahr 1998 steigt Belker zum CEO einer Handelskette für den Heimwerkerbedarf auf und wird später CFO für die Rücklichtersparte des internationalen Autozulieferers Schefenacker.

Seit Ende 2006 ist der promovierte Volkswirt CFO des Verbindungstechnikspezialisten Norma aus Maintal bei Frankfurt, die sich damals noch im Eigentum des PE-Investors 3i befindet und eine anspruchsvolle Buy-and-Build-Strategie durchläuft, die mehrere große Akquisitionen innerhalb und außerhalb Europas beinhaltet. Im April 2011 geht die Norma Group an die Börse, im März 2015 verlässt Belker das Unternehmen, nachdem er auf eine Verlängerung seines auslaufenden Arbeitsvertrags verzichtet hatte.

Von August bis Oktober 2015 ist Belker wenige Wochen lang CFO des Darmstädter Messtechnikspezialisten Schenck Process.

Karriere-Highlights:

1)    Beratung der ursprünglichen Treuhandanstalt Ost in Ostberlin 1990.


2)    Euro-Einführung im Einzelhandel 2002 und IFRS-Einführung bei der Norma Group 2010.


3)    Kaufmännische Integration verschiedener großer Akquisitionen und IFRS-Einführung bei der Norma Group. Gelungener Börsengang im April 2011: Der Börsengang ist mit einem Emissionsvolumen von 336 Millionen Euro der bis dato größte Börsengang des Jahres 2011 in Deutschland. Im März 2013 steigt die Norma-Aktie in den MDax auf.


4)    Finanzierung: Wenige Tage nach dem IPO erfolgreiche Neustrukturierung der Kreditlinien und sukzessive Überführung der LBO-Finanzierung in eine normale Corporate-Finanzierung aus Kreditlinie und Revolverfazilität mit einem Gesamtvolumen von 375 Millionen Euro. Im Juli 2013 Platzierung eines Schuldscheindarlehens über 125 Millionen Euro, im September 2014 Arrangierung eines neuen großen syndizierten Kredits mit siebenjähriger Laufzeit. 


5) M&A: Im Oktober 2014 erwirbt Norma den Wassermanagement-Spezialisten National Diversified Sales in den USA vollständig. Der Kaufpreis liegt bei 285 Millionen US-Dollar.

Deals

M&A-Akquisition
Datum:
10/2014
Dealvolumen der M&A-Akquisition:
keine Angaben
Kaufendes
Unternehmen :
Norma Group
Zielunternehmen:
National Diversified Sales
Land:
Deutschland
Land:
Vereinigte Staaten von Amerika
Umsatz des Unternehmens:
250 – 999 Millionen EUR
Umsatz des Unternehmens:
50 – 250 Millionen EUR
Datum:
10/2012
Dealvolumen der M&A-Akquisition:
keine Angaben
Kaufendes
Unternehmen :
Norma Group
Zielunternehmen:
Chien Jin Plastic
Land:
Deutschland
Land:
China
Umsatz des Unternehmens:
250 – 999 Millionen EUR
Umsatz des Unternehmens:
0 - 25 Millionen EUR
Datum:
07/2012
Dealvolumen der M&A-Akquisition:
keine Angaben
Kaufendes
Unternehmen :
Norma Group
Zielunternehmen:
Nordic Metalblok S.r.l.
Land:
Deutschland
Land:
Italien
Umsatz des Unternehmens:
250 – 999 Millionen EUR
Umsatz des Unternehmens:
keine Angaben
Datum:
04/2012
Dealvolumen der M&A-Akquisition:
keine Angaben
Kaufendes
Unternehmen :
Norma Group
Zielunternehmen:
Connectors Verbindungstechnik AG
Land:
Deutschland
Land:
Schweiz
Umsatz des Unternehmens:
250 – 999 Millionen EUR
Umsatz des Unternehmens:
0 - 25 Millionen EUR

MEHR zur Person

Dr. Othmar Belker, Norma Group: Mann des Aufbaus

Frisch von der Uni gekommen, erlebt der junge Volkswirt Othmar Belker als Roland Berger-Berater den Untergang der DDR-Industrie aus nächster Nähe. Seine Vita entwickelt sich spiegelbildlich zu seinem Berufseinstieg – er wird zum Aufbauer. Beim Mittelständler Norma stampft er in nur fünf Jahren eine komplette Finanzabteilung aus dem Boden und macht den Verbindungstechnikhersteller börsenfähig.  
   

Von einem solchen Berufseinstieg können die meisten Studenten nur träumen: Unmittelbar nach seiner Promotion in Volkswirtschaftslehre schickt Roland Berger im Jahr 1990 den Jungberater Othmar Belker (Jahrgang 1962) in die untergehende DDR, um die Treuhandanstalt in Ostberlin zu beraten. „Ich hatte damals den spannendsten Job in ganz Deutschland“, erinnert sich der heutige Norma-CFO Belker an diese Zeit des Umbruchs.

Staunend beobachtet er aus nächster Nähe die Auflösung der DDR-Industrie, seine Aufgabe ist die Inventur einer ganzen Volkswirtschaft. „Welche Firmen gibt es überhaupt in der DDR? Das mussten wir damals herausfinden“, erzählt Belker. Er arbeitet ohne Telefonanschluss, noch hört die Stasi mit. Wenn ein Telefonat unausweichlich wird, kommt es zum Grenzübertritt nach West-Berlin. An diesem einzigartigen deutsch-deutschen Wendepunkt entsteht unter Belkers Mitarbeit der Leitfaden zur Beurteilung der Sanierungsfähigkeit der DDR-Betriebe. Was der junge Volkswirt damals tut, ist Praxis sammeln am offenen Herzen einer Volkswirtschaft.

War es in den frühen Neunzigern noch der der Abbau, der Belker beschäftigte, beginnt 2006, als er zu dem Verbindungstechnikspezialisten Norma stößt, eine Zeit des Aufbaus. Kurz zuvor hatte der PE-Investor 3i das Maintaler Familienunternehmen Rasmussen mit dem schwedischen Konkurrenten ABA fusioniert – über weitere Zukäufe soll die neue Firma zu einem Börsenaspiranten werden. Belker findet im Finanzbereich genau einen Mitarbeiter vor. Während ein Zukauf nach dem anderen abgewickelt und finanziert wird, baut der CFO bei dem Industriekonzern eine börsenfähige Finanzabteilung auf.

2010 ist er schließlich fertig: IFRS ist eingeführt, Risikomanagement und Treasury sind startklar. Nur Controller findet man bis heute am Firmensitz in Maintal bei Frankfurt kaum – Belker ist ein Freund dezentraler Strukturen. „Die Controller gehören in die Nähe des Kunden“, findet der CFO und hat deshalb seine Leute im ganzen, inzwischen weltumspannenden Norma-Reich verteilt. Allein 2012 und 2013 kauft die Norma Group Unternehmen in so unterschiedlichen Ländern wie Malaysia, Australien, Polen und der Schweiz Firmen hinzu. 

Mit dem Börsengang im April 2011 leitet 3i den Exit ein – für Belker das Signal, Norma finanziell in ruhigere Bahnen zu lenken. Schon wenige Wochen nach dem Börsengang, der mit einem Volumen von 336 Millionen Euro einer der größten des Jahres werden sollte, ersetzt er die LBO-Finanzierung durch eine normale Corporate-Finanzierung mit einem Gesamtvolumen von 375 Millionen Euro. Im Sommer 2013 legt er einen Schuldschein über 125 Millionen Euro auf – „nach der Finanzierung ist vor der Finanzierung“, pflegt der Vater von drei Töchtern zu sagen.

Die Norma-Aktie ist inzwischen in den MDax aufgestiegen, die Marktkapitalisierung hat im Juli 2013 die Milliardengrenze geknackt. Umsatz und Ertrag steigen kontinuierlich an, obwohl es immer härter wird, die Ebit-Margen von fast 20 Prozent zu halten – viele Norma-Kunden kommen aus der Kraftfahrzeugbranche, wo der Kostendruck erheblich ist.

Doch der Aufbauer Belker hat schon das nächste Ziel vor Augen: Kaum im MDax angekommen, will er in Sachen Prozessqualität in das obere Drittel der Indexmitglieder vorstoßen. Standardisierung der internen Prozesse und der Aufbau globaler Plattformen sind die neuen großen Ziele des Finanzchefs.
Das Team dafür hat er inzwischen beisammen. Auf Veranstaltungen wie der Structured FINANCE, die er regelmäßig besucht, merkt er, wie weit er seit seinem Start bei dem „Start-up“ Norma 2006 vorangekommen ist: „Auf der Veranstaltung laufen mir immer wieder frühere Mitarbeiter über den Weg. Bemerkenswert, was sie in der Zwischenzeit schon alles erreicht haben.“ Belkers Finanzteam bei der Norma Group scheint ein guter Ort zum Wachsen zu sein.  

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de