Hans-Jürgen Wiecha

Xella GmbH

Name:
Hans-Jürgen Wiecha
Unternehmen:
Xella GmbH
Ressort:
Finanzen
Position:
CFO seit März 2015
Ausbildung:
Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Universität Siegen, Abschluss als Diplom-Kaufmann
Geburtstag:
04.04.1962
Familie:
Verheiratet, vier Kinder
Ehrenamt:
Keine Angaben
Hobbies:
Kulturreisen, Sport, klassische Musik

Karriere

Seine berufliche Karriere startet Wiecha 1989 als Prüfungsleiter und Steuerassistent bei PricewaterhouseCoopers. 1993 wechselt er zu Veba Öl, wo er sieben Jahre lang in verantwortlichen Positionen im Finanzbereich arbeitet, unter anderem als Bereichsleiter Bilanzen & Rechnungswesen und später als Bereichsleiter Controlling & Accounting. 

2000 wechselt Wiecha als Director Corporate Finance zu Gerresheimer, wo er für Treasury, Rechnungswesen und Steuern zuständig ist. 2004 ernennt ihn das Unternehmen zum Generalbevollmächtigten, er übernimmt zusätzlich die Zuständigkeit für den M&A-Bereich. Von Januar 2005 an ist Wiecha CFO bei Gerresheimer.

Im Februar 2013 wechselt er zum deutsch-schweizerischen Stahlkonzern Schmolz+Bickenbach. Nach dem Abgang von CEO Johannes Nonn ist er von Ende Dezember 2013 bis April 2014 "CEO ad interim".

Seit März 2015 ist Wiecha CFO beim Baustoffkonzern Xella.

Karriere-Highlights:

1)    Beim Verpackungshersteller Gerresheimer arbeitet Wiecha lange unter PE-Investoren. Im Jahr 2000 steigen Investcorp und J.P.Morgan bei dem Unternehmen ein, 2004 geht Gerresheimer an Blackstone. Unter Wiechas Mitwirkung wird Gerresheimer konsequent auf Kunden aus der Pharmaindustrie ausgerichtet und ergänzt das Angebotsportfolio um Kunststoffprodukte. Wiecha verantwortet Akquisitionen unter anderem in China, Brasilien und Indien. Ein Höhepunkt in Wiechas CFO-Karriere ist der Börsengang 2007. Die Finanzierung mit anfänglich hohem Leverage kann der CFO nach dem IPO auf ein günstigeres Niveau zurückfahren.

2)    Im Frühjahr 2013 verhandelt Wiecha direkt nach seinem Wechsel zu Schmolz+Bickenbach mit den Banken erfolgreich über Anpassungen der Kreditverträge und Covenants. Gute Kontakte zu verschiedenen Banken noch aus Gerresheimer-Zeiten helfen bei den Verhandlungen. Im Oktober 2013 sammelt Schmolz+Bickenbach 438 Millionen Schweizer Franken über eine Kapitalerhöhung ein. Damit erhöht sich der Spielraum für eine Senkung der Kapitalkosten und die operative Neuausrichtung.

Welchen Beitrag Hans-Jürgen Wiecha zur Restrukturierung von Schmolz+Bickenbach geleistet hat sowie weitere Hintergründe zum Unternehmen finden Sie auf unserer Themenseite Schmolz+Bickenbach.

MEHR zur Person

Hans-Jürgen Wiecha, Schmolz+Bickenbach: Der Mutige

Als Finanzvorstand hätte Hans-Jürgen Wiecha bei Gerresheimer alt werden können. Stattdessen lässt er sich als CFO des kriselnden Stahlkonzerns Schmolz+Bickenbach verpflichten, wo er mit einer Gemengelage aus Covenantbrüchen, internen Machtquerelen und neuen Investoren klarkommen muss.

Hohe Schulden, Covenantbrüche, angespannte Stimmung im Gesellschafterkreis: Schmolz+Bickenbach ist Anfang 2013 nicht gerade der Arbeitgeber, nach dem Führungskräfte sich sehnen. Außer, sie suchen nach Herausforderungen. Denn die hat Hans-Jürgen Wiecha nach seinem Amtsantritt als CFO im Februar 2013 zur Genüge vorgefunden. Der Stahlkonzern hat zu diesem Zeitpunkt seine Covenants gebrochen. Binnen weniger Tage sieht Wiecha sich dem Bankenkonsortium aus 17 Instituten gegenüber, um Anpassungen der Finanzierungslinien über 930 Millionen Euro zu verhandeln. Wiecha packt das Projekt beherzt an, 35 Tage nach seinem Start als CFO ist es beendet. Bestehende Bankkontakte aus Gerresheimer-Zeiten haben ihm die Verhandlungen erleichtert.

Spätestens ab da weiß Wiecha: Er und der mit ihm angetretene CEO Johannes Nonn müssen sich bei Schmolz+Bickenbach in einem aufgewühlten Umfeld zurechtfinden. Die finanzielle Lage ist prekär, eine Schuldenlast von nahezu 1 Milliarde Euro und ein Gearing von 152 Prozent nach dem 1. Halbjahr 2013 sprechen eine deutliche Sprache. Der Verwaltungsrat unter dem damaligen Präsidenten Hans-Peter Zehnder streitet sich offen mit den Großaktionären aus dem Erbenkreis der S+B-Gründerfamilien sowie dem russischen Milliardär Viktor Vekselberg, der ein Investment anstrebt und mit den Erben zusammenarbeitet. Wiecha und Nonn kommt die undankbare Mittlerrolle zu. Über Monate beharken sich die Lager im Sommer 2013 und gefährden damit auch den Konzern. Eine dringend benötigte Kapitalerhöhung, über deren Höhe sich die beiden Lager uneins sind, wird kurzerhand blockiert.

Eine komplexe Situation für Neu-CFO Wiecha, der zuvor zwölf Jahre lang bei Gerresheimer in einem deutlich ruhigeren Umfeld gearbeitet hatte. Bei dem Verpackungshersteller aus Düsseldorf, der lange in der Hand von PE-Investoren war, fiel es Wiecha zu, die Finanzierung mit anfänglich hohem Leverage nach dem Börsengang 2007 auf ein vorsichtigeres Niveau herunterzufahren. Anders als der volatile Stahlkonzern Schmolz+Bickenbach erwirtschaftet Gerresheimer über Jahre hinweg konstante Cashflows. Bei Schmolz+Bickenbach dagegen ist die richtige Mischung aus Einsatzwille und Besonnenheit gefragt.

Im September 2013 schließlich setzt sich Investor Vekselberg durch: Er nominiert einen neuen Aufsichtsrat, und die lang ersehnte Kapitalerhöhung wird endlich mit einem Bruttoemissionserlös von 438 Millionen Franken (rund 356 Millionen Euro) abgeschlossen. Mit dem Wechsel der Aufsichtsratsmehrheit könnten CFO Wiecha und CEO Nonn ihren Hut nehmen.  Exit-Klauseln erlauben ihnen für diesen Fall den Ausstieg. Doch beide bleiben an Bord – und können mit der gestärkten Eigenkapitalbasis endlich die operativen Baustellen angehen.

Für Wiecha, der meist aus der deutschen Zentrale in Düsseldorf heraus und tageweise im Schweizer Konzernsitz Emmenbrücke arbeitet, bietet die gestärkte Eigenkapitalbasis die Möglichkeit, die Finanzierungskosten zu drücken und Teile eines High-Yield-Bonds mit Zinsen von fast 10 Prozent abzulösen. Die Konzernstrukturen müssen vereinfacht werden, der Konzern soll sich vom Stahlhändler zum Produzenten wandeln. Bis 2016 wollen CFO und CEO auf Ebitda-Ebene Ergebnisverbesserungen von 230 Millionen Euro erzielen, davon rund 100 Millionen Euro über Kostensenkungen.

Für Wiecha war der Wechsel ein mutiger Schritt mit ungewissem Ausgang, doch er hat sich gelohnt. Die Neuverhandlungen gleich zu Beginn seines CFO-Einsatzes waren unter den gegebenen Umständen bereits ein Erfolg. Und noch viel mehr Lob dürfte er ernten, wenn ihm tatsächlich der Turnaround gelingen sollte.  Nachdem er viel gewagt hat, hat Wiecha bei Schmolz+Bickenbach nun auch viel zu gewinnen. 


sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de