Joachim Müller

Bilfinger SE

Name:
Joachim Müller
Unternehmen:
Bilfinger SE
Ressort:
Bilanzen, Finanzen, Controlling, Revision, Steuern, Corporate IT, Corporate Projects (darunter auch M&A), Einkauf, Investor Relations
Position:
CFO von Mai 2009 bis März 2015
Ausbildung:
Studium der Volkswirtschaftslehre an der Universität Heidelberg
Geburtstag:
22.10.1959
Familie:
Geschieden, ein erwachsener Sohn und eine Tochter
Ehrenamt:
Beirat der Allianz und der Deutschen Bank Mannheim, Komitee zur Verleihung des deutschen Nachwuchsschauspielerpreises Eysoldt-Ring
Hobbies:
Laufen und Radfahren, Lesen (am liebsten Biografien)

Karriere

Nach seinem Studium arbeitet Müller 1986 bis 1990 als Wirtschaftsprüfer bei Arthur Andersen. Nach einer Station bei Unisys wechselt Müller 1997 zur Software AG, wo er bis 2002 Leiter Finanzen ist.

Von 2002 bis 2008 ist Müller CFO beim damaligen Tec-Dax-Unternehmen SAP SI und verantwortet außerdem die Administration. Darüber hinaus besetzt er ab 2007 als COO internationale, auch kaufmännische Führungspositionen bei dem Mutterkonzern SAP, zuletzt als Vizepräsident Corporate Finance. Es reizt ihn aber, wieder ein CFO-Mandat zu übernehmen. Für Bilfinger spricht die „große Gestaltungsfreiheit“ im Veränderungsprozess. 2008 wird Müller in den Vorstand bei Bilfinger berufen und dort nach sechs Monaten im Mai 2009 Finanzchef. 

Karriere-Highlights:

1)    Erfolgreicher IPO der Software AG im Jahr 1999

2)    Verkauf des australischen Baugeschäfts Valemus von Bilfinger 2010/11

3)    Neuimplementierung eines konzernweiten Rechnungswesens sowie Reporting- und Controllingsystems bei Bilfinger, das konzernweit Ende Q1/2013 startet.

Deals

M&A-Akquisition
Datum:
10/2009
Dealvolumen der M&A-Akquisition:
250 - 499 Millionen Euro
Kaufendes
Unternehmen :
Bilfinger SE
Zielunternehmen:
MCE
Land:
Deutschland
Land:
Österreich
Umsatz des Unternehmens:
Über 5 Mrd EUR
Umsatz des Unternehmens:
250 – 999 Millionen EUR
M&A-Divestment
Datum:
10/2010
Dealvolumen des M&A-Divestments:
keine Angaben
Veräußertes Unternehmen:
Valemus Australia
Käufer:
Lend Lease
Land:
Australien
Land:
Australien
Umsatz des Unternehmens:
1 - 5 Mrd EUR
Umsatz des Unternehmens:
250 – 999 Millionen EUR

MEHR zur Person

Joachim Müller, Bilfinger SE: Der Projektmanager

Bilfinger-CFO Joachim Müller hat Deutschlands ambitionierteste M&A-Agenda abgearbeitet und am Ende keinen Erfolg gehabt. Er hat das frühere Bauunternehmen verwandelt, aber den Konzern ertragreich zusammenschweißen müssen seine Nachfolger.

Als er zu Bilfinger kommt, fragt ihn der damalige CEO Herbert Bodner: „Wo sehen Sie sich? Auf dem Beifahrersitz oder dem Rücksitz?“, erinnert sich Müller. Keine Sekunde dürfte Müller gezögert haben, denn: „Wer hinten sitzt, kann nichts entscheiden.“ Co-Pilot gefällt Joachim Müller als Jobprofil viel besser. Der Finanzvorstand, so wie Müller die Rolle versteht, ist auch operativ tätig. Man trifft ihn ebenso oft in der Zentrale an wie unterwegs. Müller ist bei Bilfinger auch für Einkauf, IT und Corporate Projects zuständig, dazu für Investor Relations. Das ist weit mehr als Innendienst.

Dass er CFO wurde, ist weder Zufall noch das Ergebnis eines ausgefeilten Kalküls. „Ich hatte keinen Karriereplan“, gibt  Joachim Müller zu. Er will einen Beruf, der ihn fordert, etwas mit einem breiten Aufgabenspektrum. Pilot – auch das hätte sich der 53-Jährige vorstellen können, wäre die Sache mit den Augen für den Brillenträger nicht schwierig gewesen. Mediziner wurde sein Bruder, der Vater war in der Autoindustrie. Dann also Volkswirtschaft. Nach dem Studium beginnt er in der Wirtschaftsprüfung bei Arthur Andersen, „um sich breit aufzustellen.“ Doch bald schon werden ihm die Testate und Due-Diligence-Bewertungen zu speziell. Er beginnt eine Karriere in der Software-Industrie.

Viel Arbeit ist für Müller die Basis von Erfolg. Doch versucht er,  gewisse Grenzen einzuhalten: „70-Stunden-Wochen hält man auf Dauer nicht durch“, ist Müller überzeugt - selbst wenn diese phasenweise dazugehören. So wie 1999, als sein damaliger Chef Volker Dawedeit, CFO der Software AG, ihn mit den Vorbereitungen des IPOs beauftragte: „Das ist jetzt Ihr Thema. Bauen Sie mal ein konzernweites Reporting auf““ Der erfolgreiche Börsengang war Müllers  erster großer Erfolg.

Damals sagt sich der Leiter Finanzen: Den Sprung zum CFO schaffe ich auch. Dieser Schritt gelingt ihm dann bei SAP SI. Als der Mutterkonzern SAP  die Tochter integriert, fehlt ihm die Gestaltungsfreiheit: „Ich wollte gern wieder CFO werden.“ Bei Bilfinger, einem Konzern, der sich verwandeln will – vom biederen, margenschwachen Baukonzern in ein  modernes, deutlich ertragsstärkeres Dienstleistungsunternehmen ergreift er 2008 die Chance. Und bereitet sich selbst das Feld für seine nächste Herausforderung: Durch den Verkauf des australischen Baugeschäfts Valemus im Jahr 2011 ist Bilfingers Kriegskasse gut genug gefüllt, um den Konzernumbau durch eine Reihe von Zukäufen deutlich zu forcieren.

Innerhalb von weniger als zwei Jahren wickelt Bilfinger anschließend mer als 30 Zukäufe ab – ohne im M&A-Bereich ein „stehendes Heer“ mit Inhouse-Professionals aufzubauen. „Die M&A-Agenda ist eine Hauptbelastungsachse des Managements“, sagte der im Herbst 2014 ausgeschiedene CEO Roland Koch. Müller ergänzte: „Das Management geht tief rein in die Transaktionen.“

Praktisch heißt das, dass ständig zwei bis drei Themen in der Due Diligence parallel liefen, denn mittlere und größere Transaktionen mussten über die Zentrale laufen. Wer seine Detailliebe kennt, ahnt, was das bedeutet. „Das ist ein Stretch“, kommentierte Müller. Um 1,7 Milliarden Euro an Goodwill verlängerte er die Konzernbilanz, annähernd so viel wie Eigenkapital vorhanden war – und das noch vor der Halbzeit der M&A-Agenda. Doch die Energiewende mit den Einbrüchen im Kraftwerksgeschäft ließen auch Müllers und Kochs hochfliegende Pläne platzen. Viele Zukäufe lieferten nicht die erwarteten Gewinne ab, nach dei Gewinnwarnungen in kurzer Zeit musste Koch gehen, und Müller kündigte seinen Abgang zum Frühjahr 2015 an.

Seinem anstregenden Job versuchte der Finanzchef in seiner Freizeit zu entfliehen. „Man muss Schwerpunkte setzen können“, sagt Müller. Meetings nach 18 Uhr müssten nicht sein, denn „man muss sich auch Freiheitsräume nehmen.“ Die sucht der geschiedene Vater von zwei erwachsenen Kindern bei Ausflügen und gemeinsamen Urlauben. Müller liebt die Rheinebene und den Odenwald für Radtouren und zum Laufen. Dort dürfte er fast jedes Astloch kennen, immerhin hat er sein ganzes Leben in der Rhein-Main-Neckar-Region zugebracht, was sein leicht kurpfälzisch gefärbtes Idiom verrät. Frankfurt war sein weitester Ausflug in den Norden.

Diese Beständigkeit passt zu einem CFO, der sich selbst als „zuverlässig, durchsetzungsstark“ beschreibt und auf persönliche Treffen statt Emails setzt. Nach seinem Ausscheiden bei Bilfinger wird er eine neue Aufgabe finden müssen. Mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit wird sie nicht so revolutionär ausfallen wie der ins Straucheln geratene Konzernumbau Bilfingers vom Baukonzern zum Industriedienstleister.

marc-christian.ollrog[at]finance-magazin.de