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Abschlüsse britischer Unternehmen sind wenig aussagekräftig

Dick, aber nicht aussagekräftig: die Jahresabschlussberichte britischer Unternehmen
Thinkstock / Getty Images

Obwohl britische Unternehmen immer längere Jahresabschlussberichte schreiben, schafft nur eine kleine Minderheit es, konsistente und für Interessierte relevante Berichte zu veröffentlichen. Dies ist ein zentrales Ergebnis der aktuellen Deloitte-Studie „Joined up writing“. Seit 2010 untersucht die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft die Abschlüsse von 130 börsennotierten Unternehmen in Großbritannien. Die Frage: Wie verständlich stellen Unternehmen ihre finanzielle Position dar?

Wenig überraschen dürfte deutsche CFOs dabei das Ergebnis, dass die Jahresabschlussberichte ihrer britischen Kollegen immer länger werden: In den letzten 16 Jahren hat sich die durchschnittliche Seitenanzahl auf heute 103 Seiten verdoppelt. Wesentlicher Grund hierfür sind die immer detaillierten Anforderungen der internationalen Rechnungslegungstandards (IFRS). Aber auch UK-spezifische Regulierung wie der UK Corporate Governance Codex blähen die Berichte zunehmend auf.

Dabei werden die Berichte zwar immer länger, aber nicht aussagekräftiger. Im Gegenteil: Welcher Stakeholder kann schon die gut 100 Seiten Zahlenmaterial samt Erklärungen im Detail nutzen? Zahlreiche Initiativen auf europäischer und auf britischer Seite beschäftigen sich daher derzeit auch mit der Frage, wie die Zahlenflut wieder gestoppt werden kann. Viel diskutiert wird dabei ein Vorschlag des schottischen Wirtschaftsprüferinstituts (ICAS), dass Unternehmen einen komprimierten Jahresabschluss mit maximal 30 Seiten veröffentlichen sollten.

Risiken werden weiter versteckt

Die Deloitte-Studie bestätigt dabei die Kritiker von voluminösen Abschlussberichten: Nur 14 Prozent der untersuchten Berichte sind in sich konsistent. Die übrigen Unternehmen schaffen es nicht, ihre Ziele, das Geschäftsmodell, Strategie und Risiken sowie KPIs zu einer in sich schlüssigen Botschaft zu verknüpfen. Und obwohl inzwischen alle Unternehmen eine Risikoberichterstattung aufnimmt, verstecken immerhin 11 Prozent der Unternehmen ihre Hauptsorgen hinter allgemeinen Risikofloskeln.

Gleichzeitig zeigt die Deloitte-Studie aber auch, dass sich CFOs zunehmend um aussagekräftigere Berichte bemühen. So veröffentlichen inzwischen 37 Prozent der Unternehmen (2011: 31 Prozent) eine aussagekräftige Beschreibung ihres Geschäftsmodells. Der Anteil der Unternehmen, die ihre Strategie und Ziele diskutieren stieg in diesem Jahr von 76 auf 82 Prozent. Insgesamt – so schlussfolgert Deloitte – verstecken sich immer weniger Unternehmen hinter standardisierten Formulierungen. Nach vielen Jahren der Compliance-Fokussierung könnte damit der Kommunikationsaspekt der Jahresberichterstattung wieder weiter in den Vordergrund treten.  

katharina.schlueter[at]finance-magazin.de

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