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Am Kapitalmarkt wird Nachhaltigkeit wichtiger

Nicht nur der Kapitalmarkt fordert von den Unternehmen die Publikation nichtfinanzieller Aspekte.
Deutsche Börse

Das Thema Nachhaltigkeit wird für CFOs in der Kapitalmarktkommunikation immer wichtiger: Geht es nach dem Willen der EU, müssen kapitalmarktorientierte Unternehmen künftig Informationen zu den Themen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung – so genannte ESG-Kriterien – verpflichtend im Lagebericht veröffentlichen. Einen entsprechenden Richtlinienvorschlag zur „Offenlegung nichtfinanzieller Informationen“ hat die Europäische Kommission Mitte April dieses Jahres vorgelegt. Die Krux dabei: Informationen im Lagebericht müssen erheblich höheren Prüfungsanforderungen genügen als Informationen in anderen Berichtselementen des Geschäftsberichts. Für die meisten Unternehmen wäre das mit erheblichen zusätzlichen Kosten verbunden, vor allem im Zusammenhang mit der Wirtschaftsprüfung. Darüber hinaus könnten die Unternehmen auf die von ihnen gemachten Angaben festgenagelt werden. Aussagen zur Achtung der Menschenrechte bergen in einer Welt mit globalen, kaum bis ins letzte Detail zu durchschauenden Lieferketten nicht unerhebliche Risiken – insbesondere für kleinere und mittlere Unternehmen mit begrenzten Ressourcen. Schon einige Unternehmen sind mit vollmundigen Versprechen in die Falle getreten.

Orientierungshilfe für CFOs bei der Kapitalmarktkommunikation

Auch vor diesem Hintergrund ist der gestern von der Deutschen Börse federführend vorgestellte Leitfaden für Nachhaltigkeit in der Kapitalmarktkommunikation zu verstehen. Denn: Der EU-Richtlinienvorschlag sieht vor, dass Unternehmen, die bereits auf freiwilliger Basis einen umfassenden ESG-Bericht erstellen, von der Verpflichtung ausgenommen werden, die entsprechenden Erklärungen in ihren Lagebericht aufzunehmen. Damit sollen Redundanzen in der Berichterstattung vermieden und freiwillige Maßnahmen gewürdigt werden. Die sieben Empfehlungen in dem Leitfaden sollen Emittenten unabhängig von ihrer Größe oder Branchenzugehörigkeit dabei unterstützen, ESG-Kriterien in eine effektive Kapitalmarktkommunikation zu integrieren. Der Leitfaden sei ausdrücklich nicht dazu gedacht, Emittenten an der Deutschen Börse zusätzliche Reportingpflichten aufzuerlegen. Er sei vielmehr als Orientierungshilfe zu verstehen, wie Unternehmen auch mit einfachen Mitteln über Nachhaltigkeitsthemen berichten können, erklärte Martin Reck, Managing Director Cash Market bei der Deutschen Börse, anlässlich der Vorstellung. Eine „sehr gute Idee zum richtigen Zeitpunkt“, nennt Peter Staab, Head of Corporate Affairs & Investor Relations beim Elektronikhändler Medion den Vorstoß. Gerade für kleinere Unternehmen mit begrenzter Manpower seien die Empfehlungen hilfreich, da man das Rad nicht neu erfinden müsse.

Investoren verlangen zusehends ESG-Informationen

Neben dem regulatorischen Aspekt hat das Thema für CFOs eine weitere, nicht minder wichtige Dimension: Nachhaltigkeit und Transparenz spielen heute eine große Rolle für die Bewertung eines Unternehmens am Kapitalmarkt und sind mit ausschlaggebend für die Anlageentscheidungen institutioneller Investoren – sowohl bei Aktien als auch bei Bonds. „ESG-Kriterien sind heute Bestandteil des regulären Investmentprozesses“, bestätigen Ingo Mainert, CIO Balanced Europe bei Allianz Global Investors, und Henning Gebhardt, Mitglied des CIO Executive Committee bei der Deutsche Asset & Wealth Management (früher DWS). Bereits heute werden weltweit rund 20 Prozent aller Gelder nach ESG-Kriterien verwaltet – Tendenz steigend. Unternehmen, die den Informationsbedarf der Investoren nicht erfüllen wollen oder können müssen damit rechnen, aus den Portfolios geworfen zu werden. Deutschen Emittenten gegenüber, so Gebhardt, hätte man jedoch noch etwas Mühe, das Thema zu vermitteln. In anderen Ländern wie etwa Frankreich oder den Niederlanden seien die Unternehmen in dieser Sache schon deutlich weiter. Langfristig kämen die Unternehmen um eine Kapitalmarktberichterstattung von ESG-Informationen aber auch hierzulande nicht herum.

andreas.knoch[at]finance-magazin.de