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Berichtssaison besser als befürchtet

Die Berichtssaison in den USA produzierte mehr schwarze als rote Zahlen.
iStock / Thinkstock / Getty Images

Die Q2-Berichtssaison in den USA ist bislang voll von positiven Überraschungen. Und die großen Namen stehen dabei ganz oben: Intel, Honeywell, Johnson & Johnson, Yahoo! oder auch Goldman Sachs haben die Konsenserwartungen der Analysten bei Umsatz und Gewinn zum Teil deutlich überboten. Am besten schlugen sich Unternehmen aus dem Technologie- und Industriesektor. Zwar konnten auch Konsumgüterhersteller wie der Spielzeugfabrikant Mattel die Analysten positiv überraschen. Doch für die meiste Erleichterung sorgten amerikanische Schwergewichte wie Intel oder Google.

Dabei ist das Bild durchaus gemischt. Intel beispielsweise konnte den Quartalsumsatz im Vergleich zu Q1 von 12,9 auf 13,5 Milliarden Dollar steigern, doch während der Bruttogewinn von 8,2 auf 8,5 Milliarden Dollar anstieg, blieb der operative Gewinn aufgrund analog steigender Ausgaben konstant. Der Konzern hat zudem gleich noch verkündet, der Jahresumsatz werde vermutlich schlechter ausfallen als bislang geplant. Finanzchef Stacy Smith meinte, vor allem in Asien würden die Umsätze sich künftig schwächer entwickeln. In  Europa habe das Unternehmen auf Erholungstendenzen gesetzt, müsse diese aber doch wieder nach hinten verschieben.

Währungseffekte belasten CFOs

IBM dagegen konnte sowohl Umsatz als auch operativen Gewinn gegenüber dem Vorquartal um jeweils etwa 1 Milliarde Dollar steigern, auf 25,7 und 4,8 Milliarden. Allerdings leidet der Konzern unter Währungseffekten. So meinte CFO Mark Loughridge, dass im zweiten Halbjahr mehr Personalanpassungen anstünden als noch im ersten Halbjahr – vermutlich um die globale Kostenbasis von IBM regional besser zu verteilen. Beim Softwareunternehmen EMC wiederum ging der Umsatz von 5,5 auf 5 Milliarden zurück, der operative Gewinn von 1,1 Milliarden auf 875 Millionen. Trotzdem stieg der Börsenkurs um 9% nach Ankündigungen von Rotationen in der Führungsebene. Bei Mattel blieb der Absatz zwar gleich, der Spielzeughersteller schaffte es aber, seine Marge gegenüber dem Vorquartal um 340 Basispunkte zu verbessern.

Google steigerte seinen Umsatz von 10,6 auf 12,2 Milliarden Dollar, aber ein Gutteil des Zuwachses stammt aus der Übernahme von Motorola Mobility im Mai. Der Nettogewinn ging sogar leicht zurück auf 2,8 Milliarden Dollar von 2,9 Milliarden in Q1. Auch Google hatte unter Wechselkursentwicklungen zu leiden. Die Gewinnmarge fiel damit von 27 Prozent auf 22,8 Prozent. Dennoch reagierten die Märkte zunächst positiv auf die Zahlen.

Auch beim Verschuldungsgrad lässt sich kein eindeutiger Trend ausmachen. Cisco, Hewlett Packard und EMC reduzierten ihre Debt-to-Asset-Ratio zum Teil deutlich. Andere wie IBM oder Honeywell erhöhten ihre dagegen. Dasselbe gilt für die Entwicklung der Bargeldbestände. Intel hat seinen von 4,4 auf 5,2 Milliarden Dollar erhöht, Honeywell seinen von 4 auf 4,2 Milliarden. Cisco dagegen hat sein Cash um 2 Milliarden verringert, IBM hat 1 Milliarde weniger Cash auf den Büchern.

Unterschiedliche Strategien der Finanzchefs

Die unterschiedlichen Strategien der CFOs zeigen, dass die Unsicherheit über die weitere Entwicklung der Weltkonjunktur noch immer immens ist, auch wenn die aktuelle Berichtsaison der Finanzvorständen etwas mehr Luft zum Atmen gegeben hat. Für das kommende Quartal erwartet Intel beispielsweise einen Umsatz von 14,3 Milliarden Dollar – plus/minus 500 Millionen Dollar. Das ist ein Unschärfebereich von stattlichen 7 Prozent allein für die nächsten drei Monate.

Dass die Nachrichten aber insgesamt besser waren als befürchtet, hatte auch Auswirkungen auf die Börsen rund um den Globus: der S&P 500-Index hat seit Anfang der Woche um 3 Prozent zugelegt, der Eurostoxx um 2,5 Prozent und der Nikkei immerhin um 1 Prozent, womit er seinen Abwärtstrend im Juli umkehrte. Die guten Zahlen könnten auch bei der amerikanischen Notenbank dafür sorgen, dass Überlegungen für weitere Konjunkturstützen vorerst vertagt werden. Allerdings ist ein Großteil der jetzigen Erleichterung darauf zurückzuführen, dass viele Erwartungen im Vorfeld besonders pessimistisch waren. Wie lange die positive Stimmung anhält, wird sich daher erst zeigen, wenn Analysten und Investoren Zeit hatten, etwas tiefer in die Bücher zu schauen.

armin.haeberle(*)finance-magazin(.)de