Weniger ist manchmal mehr: Ein großer Sprung auf dem Weg zum Bürokratieabbau ist der Entwurf der Bundesregierung trotzdem nicht.

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06.08.12
Finanzabteilung

Bilanzierung soll einfacher werden

Ein neuer Gesetzentwurf soll bestimmten Unternehmen die Rechnungslegung erleichtern. Was die Bundesregierung als Entgegenkommen für kleine und mittelständische Unternehmen verkauft, könnte durchaus auch für die Finanzabteilungen großer Holdinggesellschaften interessant sein.

Pünktlich zur Hochsaison der Q2-Berichte hat das Bundesjustizministerium (BMJ)  einen Gesetzesentwurf vorgelegt, um den Bürokratieabbau voranzutreiben. Die Hürden bei der Erstellung der Jahresabschlüsse für sogenannte „Kleinstkapitalgesellschaften“ sollen sinken. Bislang kennen die Bilanzierungs- und Buchhaltungsvorschriften lediglich „kleine Kapitalgesellschaften“, die „Kleinstkapitalgesellschaften“ sind eine neue Erfindung der Regierung. Anders als der Begriff nahelegt, dürfen hier aber auch CFOs größerer Unternehmen hellhörig werden. Entscheidend ist nur, dass das Unternehmen in zwei Geschäftsjahren zwei der drei geplanten Schwellenwerte nicht überschreitet: Der Umsatz darf 700.000 Euro nicht übertreffen, die Bilanzsumme nicht höher als 350.000 Euro sein und das Unternehmen nicht mehr als zehn Angestellte beschäftigen.

Der Kern des Entwurfs: Die Abschlüsse dieser Unternehmen werden nicht mehr automatisch über den elektronischen Bundesanzeiger veröffentlicht, sondern müssen dort nur noch hinterlegt werden. Zwar könnte dann auch weiterhin jeder Interessierte einen Blick in die Zahlen werfen – allerdings nur, wenn er sich zuvor dafür registriert hat. Außerdem müssten Kleinstkapitalgesellschaften nach der Vorstellung der Regierung bald keinen Anhang mehr zu ihrem Bericht erstellen, in der Bilanz und der GuV könnten sie außerdem einige Posten weniger detailliert bilden.

Konzern-Holdings als „Kleinstgesellschaften“

Die gute Nachricht für die Finanzabteilung: In großen Konzernen sollen die Regeln für jedes Unternehmen einzeln gelten. „Wir haben Holdings mit großen Bilanzsummen im Mandantenkreis, die üblicherweise kaum oder keine eigenen Angestellten haben und alle Umsätze über ihre Töchter generieren. Diese Holdinggesellschaften gelten dann nach der Definition als ,Kleinstkapitalgesellschaften‘ “, erklärt der Gesellschaftsrechtler Dr. Axel Wenzel von Oppenhoff & Partner. „Nur börsennotierte Unternehmen, Unternehmensbeteiligungsgesellschaften, Investmentgesellschaften und Genossenschaften sind von den Regeln von Vornherein ausgenommen.“

Dabei ist es nicht unwahrscheinlich, dass die neuen Vorschriften, die auf der Umsetzung der „Micro-Richtlinie“ der EU beruhen, schon bei den Abschlüssen für das Geschäftsjahr 2012 greifen. 500.000 Unternehmen, so vermutet das BMJ, könnten dann von den Erleichterungen profitieren. „Die Parteien dürften bei den entscheidenden Fragen weitgehend übereinstimmen. Deshalb dürfte sich an den zentralen Punkten auch nichts mehr ändern“, erwartet Steuerberater Marc Krischer von Oppenhoff. Für die meisten Gesellschaften, die dann als „Kleinstkapitalgesellschaften“ gelten, dürfte sich das Vorhaben dennoch nicht als großer Wurf entpuppen, da sind sich die Experten einig: „Die Bilanzierungserleichterungen fallen für die betroffenen Unternehmen kaum ins Gewicht. Ein richtiger Bürokratieabbau ist das deshalb nicht“, meint Krischer.

sarah.nitsche[at]finance-magazin.de