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Danone: CO2-Bilanzierung im „industriellen Maßstab“

CO2 sparen wo es geht: Laura Palmeiro, CFO von Danone Nature, setzt auf CO2-Bilanzierung
Thinkstock / Getty Images

CO2-Bilanzierung ist schon weit verbreitet. In Großbritannien wird sie sogar zur Pflicht: Ab Oktober müssen alle börsennotierten Unternehmen ihre Treibhausgasemissionen messen und in ihren Bilanzen veröffentlichen.

Viele der börsennotierten Unternehmen befolgen dieses Gesetz schon heute. Spitzenreiter in Sachen CO2-Bilanzierung ist jedoch der französische Lebensmittelhersteller Danone. Das Unternehmen hat eigens dafür einen eigenen Geschäftsbereich unter dem Namen „Nature“ aufgemacht. Dieser sorgt dafür, dass der Umwelteinfluss des gesamten Konzerns überwacht wird und alle Bereiche an Danones Zielsetzung mitarbeiten . Die neue Sparte erfüllt daher primär eine Querschnittsfunktion innerhalb des Konzerns.

Aufgrund der Ressourcen, die Danone aufgewendet hat, ist der Erfolg beeindruckend: Die CO2-Bilanzierung integriert den gesamten Kohlendioxidausstoß über den  Lebenszyklus hinweg (Life Cycle Analysis, LCA) und liefert damit eine beeindruckende Genauigkeit. Auf dieser Basis kalkuliert ein IT-Programm die CO2-Emission für jedes einzelne der rund 35 000 Produkte. Nature-CFO Laura Palmeiro erklärt, dabei werden verschiedenste Aspekte berücksichtigt wie beispielsweise „das Futter der Kühe, die Art des Betriebsstroms, den Sprittyp der LKW-Flotte oder das Ausmaß des Recyclingprozesses in den einzelnen Ländern“.

Ein gänzlich neuer Ansatz für CO2-Bilanzen

Danones Interesse daran, seinen eigenen Umwelteinfluss (ökologischen Fußabdruck) zu  bilanzieren ist groß – und hat Palmeiro ihren einzigartigen Job eingebracht. Wie bei allen CFOs sind Leistungskennzahlen (Key Performance Indicators, KPIs) Gegenstand ihrer Arbeit, doch anders als viele Kollegen werden diese bei Palmeiro in metrischen Einheiten gemessen. Noch ist die CO2-Controllerin eine Exotin, doch schon bald könnte ihr Beruf zur Regel werden. Denn nicht nur Konsumenten, auch Investoren achten immer mehr auf die Nachhaltigkeit von Unternehmen.

Ihr ehemaliger Chef Myriam Cohen-Welgryn, von Mitarbeitern als „Naturgewalt“ bezeichnet, brachte den Stein ins Rollen. Danones CO2-System greift mit speziellen CO2-Multiplikatoren für jedes Produkt und jeden Produktionsschritt auf das SAP-System zu. Damit das funktioniert, hat Palmeiro alle Hände voll zu tun. „Wir sind das erste Unternehmen, das sich der verrückten Herausforderung stellt, den LCA in so großem Rahmen zu industrialisieren“, erläutert Palmeiro. „Seit vier Jahren arbeite ich nun daran und noch immer ist viel zu tun: Umweltindikatoren müssen entwickelt und wie finanzielle Kennzahlen behandelt werden, das heißt ich muss sie konsolidieren, vergleichbar und nachvollziehbar gestalten und vor allem ihre Entwicklung verstehen.“

Wie die meisten Projekte dieser Größenordnung wären die Anstrengungen der CO2-Controllerin umsonst, hätte sie nicht Rückenwind aus der Konzernführung. Anreizsysteme gewährleisten, dass jeder Geschäftsbereich täglich versucht die Ziele zu erreichen. Danone selbst behauptet, dass die Umweltvorhaben dieselbe Priorität genießen wie konventionelle Umsatz- und Renditeziele. So sollen die Boni der 1400 Manager  an die alternativen KPIs geknüpft sein.

Danone senkt CO2-Emissionen stark – und die Energiekosten

Im Endeffekt ist es Danone gelungen, bei einem rapiden Umsatzwachstum, seinen CO2-Ausstoß zwischen 2008 und 2012 konstant zu halten. Bezogen auf das steigende Umsatzvolumen ist der Schadstoffausstoß daher um 35 Prozent gesunken.

Dieses Ergebnis erfüllt verschiedenste Geschäftsziele. Danone erfüllt die Wünsche vieler Regulatoren und Shareholdern, die vermehrt gewisse Umweltstandards erwarten und steigert die eigene Glaubwürdigkeit bei kritischer werdenden Kunden. Zusätzlich senken die Energiesparmaßnahmen deutlich die Kosten. Zu guter Letzt stärkt das Umweltbewusstsein eines ansonsten rein kommerziellen Unternehmens die Loyalität seiner Belegschaft, die stolz ist für den Konzern zu arbeiten.

Doch natürlich treten auch Situationen auf, in denen die ehrgeizigen grünen Ziele mit den Gewinnzielen konkurrieren. Palmeiro räumt ein, dass es „nach ein paar Jahren schwieriger wird, da Umweltschutz oft höhere Kosten bedeutet“.

In diesem Fall kann das Nature-Team auf ein finanzielles Polster zurückgreifen, das eigens dafür angelegt wurde, „einige Projekte mit geringerer Rückzahlung als üblich durchzuführen“. Ein Beispiel: In der Betriebsstätte für Babynahrung im irischen Wexford wird nun statt mit Gas mit Biomasse geheizt. Die jährlichen Einsparungen von 750000 Euro rechtfertigen die 3,8 Millionen teure Investition nicht. Erst die gesparten 9500 Tonnen CO2 lassen die Rechnung aufgehen.

Als wäre die CO2-Bilanzierung nicht schon kompliziert genug, will Danone künftig auch seinen Wasserverbrauch und sogar Schutz der Artenvielfalt in das Rechungswesen integrieren. Auch wenn sich das Projekt nach Palmeiro noch in der „experimentellen Phase“ befindet, vermerkte der Nachhaltigkeitsreport von Danone 2012 „Entwicklungen einer Methode, um den Wasser-Fußabdruck zu messen“.

Palmeiro glaubt nicht, dass irgendein Konkurrent ähnlich detaillierte Konzepte verfolgt. Doch neue Regularien werden dies ändern. Neben dem neuen Gesetz Großbritanniens prüft die EU Möglichkeiten einen Fußabdruck für alle Produkte einzuführen. Verbraucher könnten dann den Lebenszyklus direkt auf der Verpackung verfolgen. Da Palmeiro eng mit der EU zusammenarbeitet, könnte Danones Verfahren bald europaweit eingesetzt werden.

steven.arons[at]finance-magazin.de