Der Kalikonzern K+S wird von der Bafin überprüft. Deloitte hat jetzt uneingeschränkt testiert. Reicht das?

K+S

10.03.21
Finanzabteilung

Deloitte geht bei K+S ins Risiko

Deloitte hat die Bilanz des Kalikonzerns K+S uneingeschränkt testiert. Die Prüfer gehen damit ein Risiko ein: Die DPR untersucht noch einen vermeintlichen Bilanzierungsfehler des MDax-Konzerns.

Der Kalikonzern K+S sieht sich in seiner von der Bafin beanstandeten Bilanzierungsmethodik bestätigt: Wie die Kasseler mitteilen, haben die Wirtschaftsprüfer von Deloitte den Konzernabschluss zum 31. Dezember 2020 „uneingeschränkt“ testiert.

Das K+S-Management um CEO Burkhard Lohr und CFO Thorsten Boeckers betrachtet diesen Schritt offenbar als wichtigen Gegenbeweis zu einer laufenden Untersuchung. Die Bafin hatte vor wenigen Wochen die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) mit einer Prüfung der K+S-Bilanz beauftragt. Konkret geht es um den Konzernabschluss des Geschäftsjahres 2019, den dazugehörigen Konzernlagebericht sowie den verkürzten Abschluss vom 30. Juni 2020.

K+S reduziert Milliarden-Abschreibung

Der Grund für die Sonderermittlungen: K+S musste Anfang November vergangenen Jahres eine Abschreibung in Höhe von rund 2 Milliarden Euro vornehmen. Der Konzern begründete den Schritt seinerzeit mit gestiegenen Kapitalkosten und zugleich langfristig geringeren Kalipreisen. Die Wertminderung bezog sich auf den Quartalsabschluss zum 30. September 2020 und betraf die Operative Einheit Europe+, in der K+S das weltweite Kaligeschäft sowie das europäische Salz- und Düngemittelgeschäft bündelt.

Die Bafin hat die Bilanzpolizei DPR mit Untersuchungen beauftragt, weil es aus Sicht der Behörde konkrete Anhaltspunkte gebe, dass K+S die Wertminderung gegebenenfalls nicht zutreffend ermittelt hat oder zum Teil schon früher hätte erfassen müssen. Auch bei weiteren Aktivposten könnte es Korrekturbedarf geben, vermutet die Bafin. 

K+S sieht sich durch das uneingeschränkte Testat nun entlastet: „Der testierte Konzernabschluss bestätigt unsere Ansicht, dass die Wertminderung nicht früher hätte erfasst werden müssen und dass wir die Wertberichtigung ordnungsgemäß und unter Beachtung aller relevanten Vorschriften vorgenommen haben“, erklärte das Unternehmen auf Anfrage von FINANCE.

FINANCE-Köpfe

Thorsten Boeckers, K+S AG

Thorsten Boeckers beruflicher Werdegang beginnt nach seiner Ausbildung zum Bankkaufmann (1993 bis 1996) im Jahr 1996 bei der Deutschen Bank in Aachen. Drei Jahre später wechselt er in den Bereich Aktienanalyse nach Frankfurt. Zwischen 2002 und Ende 2011 leitet Boeckers die Abteilung für institutionelle Investorenkommunikation der Deutsche Post DHL. Dabei arbeitet er auch knapp zwei Jahre als Leiter der Investor Relations North America in der New Yorker Niederlassung.

Im Jahr 2012 wechselt Boeckers zu K+S nach Kassel, wo er ebenfalls für die Investor Relations verantwortlich ist. Im Sommer 2016 wird er schließlich zum CFO berufen und tritt die Stelle im Mai 2017 an.

zum Profil

Die Abschreibung fällt mit 1,86 Milliarden Euro sogar rund 140 Millionen Euro niedriger aus als erwartet. Das liegt laut K+S im Wesentlichen an konkreteren Annahmen der einzelnen Berechnungskomponenten im Rahmen der Abschlusserstellung.

Für K+S ist das uneingeschränkte Testat ein Etappensieg, aber keine Entlastung. Sollte K+S die Abschreibungen tatsächlich zu spät erfasst haben, wie es die Bafin mutmaßt, könnte womöglich auch der Geschäftsbericht für 2019 betroffen sein. Als langjähriger Prüfer dürfte Deloitte zudem in die Abschreibungspraxis von K+S eingeweiht gewesen sein. Insofern ist die Entscheidung, der Gesellschaft, ein uneingeschränktes Testat zu erteilen, kein Sinneswandel.

DPR ermittelt noch bei K+S

Gleichwohl birgt das uneingeschränkte Testat der K+S-Bilanz durchaus ein Risiko für Deloitte: Denn die Ermittlungen der DPR sind noch nicht abgeschlossen. Man rechne damit, dass die Prüfung noch „einige Monate dauern“ werde, erklärte das MDax-Unternehmen auf Anfrage. Die DPR selbst ließ eine Anfrage von FINANCE zum Status der Prüfung zunächst unbeantwortet.

Sollte die Bilanzpolizei zu einem anderen Urteil als Deloitte kommen, dürfte das für einige Turbulenzen bei der K+S-Aktie sorgen und auch den Ruf der Prüfer schädigen. Schon als im Februar die Ermittlungen der DPR bekannt wurden, rauschten die Wertpapiere des MDax-Konzerns um 15 Prozent in die Tiefe.

Für den Prüfer ist es eine schwierige Lage. Hätte Deloitte auf das DPR-Ergebnis gewartet, wäre wohl eine Verschiebung der Bilanzvorlage seitens K+S fällig geworden oder der Konzern hätte ein untestiertes Zahlenwerk vorlegen müssen – ein gravierendes Signal in den Markt. Hätte Deloitte das Testat zunächst hingegen eingeschränkt – etwa die Aspekte ausgeklammert, die noch durch die DPR geprüft werden müssen – hätte das ebenfalls negative Auswirkungen gehabt, weil das vermuten lässt, die Prüfer stünden doch nicht mehr hinter ihrer Einschätzung.

Bafin steht unter Beobachtung

Die Bafin und ihre Prüftochter DPR haben momentan einen hohen Anreiz, genau hinzusehen. Viele Investoren sind seit dem Bilanzskandal bei Wirecard verunsichert, hatte der mittlerweile insolvente Zahlungsabwickler doch lange auf seiner Unschuld beharrt. Letztlich steckte dahinter einer der größten Betrüge der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Auf den Wirtschaftsprüfer EY rollen wohl Schadenersatzforderungen zu, die Reputation hat schwer gelitten.

Der Bafin wurde in der Causa Wirecard zunächst Untätigkeit und später Behäbigkeit vorgeworfen. Auch beim hochgekochten Skandal um die Bremer Greensill Bank gab die Behörde zuletzt kein gutes Bild ab.

K+S-Aktie der vergangenen drei Monate

K+S-Ausblick enttäuscht

Die K+S-Aktie steht derweil am heutigen Mittwochvormittag unter Druck: Sie verlor über 8 Prozent und notiert bei 9,20 Euro. Ein Grund hierfür könnte aber auch sein, dass die Aktionäre vom Ausblick auf das Geschäftsjahr 2021 enttäuscht sind. Hier erwartet K+S einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen aus der fortgeführten Geschäftstätigkeit zwischen 440 und 540 Millionen Euro.

Die Zahlen bewegen sich zwar im Rahmen der Analysten-Erwartungen, enthalten aber mit der Einbringung der Vermögenswerte eines Joint Venture in Höhe von rund 200 Millionen Euro einen substantiellen Einmaleffekt, der mit Closing der Transaktion im Sommer 2021 erwartet wird. „Ohne diesen Ertrag läge die Zahl deutlich unter den Erwartungen“, schreibt etwa Warburg Research.

jakob.eich[at]finance-magazin.de