Wachstum von fast 30 Prozent: Deloitte rückt immer näher an die anderen Big-Four-Gesellschaften heran.

Deloitte

18.09.17
Finanzabteilung

Deloitte legt in Beratung erneut massiv zu

Dieser Sprung dürfte KPMG, PwC und EY erschrecken: Konkurrent Deloitte ist im lukrativen Beratungsgeschäft erneut stark gewachsen. Das Ziel von CEO Martin Plendl: Nicht mehr die Nummer vier im Markt sein.

Erst im vergangenen Jahr überraschte die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte mit einem starken Wachstum von 22 Prozent und kratzte an der Milliarden-Umsazmarke (Geschäftsjahr 2015). Im Geschäftsjahr 2016 toppen die Münchener dieses Wachstum sogar noch: Der Umsatz ist um 28 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro merklich gestiegen.

Gemessen an der Gesamtleistung, die die bis zum Bilanzstichtag erbrachte Leistung aus noch nicht beendeten Projekten mit einrechnet, ist Deloitte sogar um 34 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro gewachsen. Künftig will Deloitte die Gesamtleistung statt des Umsatzes angeben.

Deloitte hat den Abstand zu KPMG, PwC und EY verringert

Mit diesem Sprung ist Deloitte viel näher an die anderen Big Four gerückt, als man es in den vergangenen Jahren erwartet hatte. Dennoch bleibt der Abstand groß: KPMG und EY setzten im Geschäftsjahr 2015 rund 1,6 Milliarden Euro um, PwC erreichte eine Gesamtleistung von 1,9 Milliarden Euro. Die Zahlen für das Geschäftsjahr 2016 werden die Deloitte-Kontrahenten in den kommenden Monaten veröffentlichen, dann dürfte deutlich werden, wie nah Deloitte an die Konkurrenz tatsächlich herangerückt ist.

Da Deloitte das ursprünglich für 2020 anvisierte Ziel von 1,2 Milliarden Euro damit bereits jetzt erreicht hat, hat die Gesellschaft den Zielwert nun auf 1,5 Milliarden Euro angehoben, wie CEO Martin Plendl bei der Vorstellung der Geschäftszahlen erklärte: „Bis 2020 werden wir den Abstand zur Konkurrenten stark verringern“, sagt Plendl selbstbewusst und geht sogar noch einen Schritt weiter: „Wir werden nicht mehr die Nummer vier sein.“

Martin Plendl: „Wollen Marktführer unter den Big Four sein“

Überraschend ist, dass Deloitte in allen vier Geschäftsbereichen zweistellig gewachsen ist. Der Grund dafür sei unter anderem, dass inzwischen fast alle Dax30-Unternehmen in irgendeiner Form Dienstleistungen von Deloitte in Anspruch nehmen, so Plendl. Da Deloitte bisher mit Bayer nur ein einziges Prüfmandat im Dax hat, handelt es sich dabei vor allem um Beratungsleistungen, die wesentlich lukrativer als Wirtschaftsprüfungstätigkeiten bezahlt werden.

Das spiegelt sich auch in den Geschäftszahlen für die Beratung wieder. Der Bereich Financial Advisory erzielte mit einem Anstieg von 53 Prozent (Vorjahr: 51 Prozent) eine Gesamtleistung von 253 Millionen Euro (Anmerkung: Alle Angaben zum Vorjahreswachstum beziehen sich noch auf die Umsatzzahlen, nicht auf die Gesamtleistungszahlen).

Wachstumsimpulse kamen aus den Bereichen Actuarial & Insurance Services, M&A sowie Due Diligence  und Forensik. „Im Bereich Financial Advisory wollen wir im Geschäftsjahr 2018 Marktführer unter den Big Four sein“, greift Plendl die Konkurrenz an.

Deloitte wächst um 36 Prozent im Consulting

Auch der Geschäftsbereich Consulting ist mit 36 Prozent (Vorjahr: 37 Prozent) auf 439,8 Millionen Euro stark gewachsen. In dieses Segment fließen die Umsätze aus Beratungsprojekten für die digitale Transformation bei Unternehmen. Da fast alle Unternehmen inzwischen in irgendeiner Form von der Digitalisierung betroffen sind, ist die Nachfrage hier sehr groß. Deloitte will insbesondere bei der Implementierung neuer Technologien punkten und das über Allianzen mit SAP, Google oder Microsoft erreichen.

Zusammengenommen flossen Deloitte im Geschäftsjahr 2016 aus der Corporate- und Strategieberatung knapp 700 Millionen Euro zu. Damit dürfte Deloitte die Konkurrenz eingeholt, vielleicht sogar überholt haben. Im Geschäftsjahr 2015 erzielten PwC 622, KPMG 568 und EY 571 Millionen Euro in der Beratung. Allerdings sind die Zahlen nicht eins zu eins vergleichbar, da jede der Big Four unterschiedliche Leistungen im Geschäftsbereich Beratung zusammenfasst. 

Deloitte setzt McKinsey, Accenture & Co. unter Druck

Bereits im Geschäftsjahr 2015 war Deloitte mit über 40 Prozent stark in der Beratung gewachsen. Ein ähnliches Wachstum gab es nur noch bei PwC, dort waren aber auch die neuen Umsätze durch die Akquisition von Strategy& (ehemals Booz) enthalten. Das eigene Wachstum beschreibt Deloitte hingegen als rein organisch.

Diese starke Wachstum dürfte die etablierten Strategieberater wie McKinsey und die kleineren Corporate-Finance-Berater, inzwischen aber sogar auch Technologieberater wie Accenture beunruhigen, da Deloitte ihnen damit einen Teil der angestammten Kundschaft abwerben dürfte. Für das kommende Geschäftsjahr peilt Plendl einen weiteren Zuwachs von etwa 20 Prozent an.

Der Geschäftsbereich Tax & Legal trug mit einem Wachstum von 25 Prozent (Vorjahr: 9 Prozent) 246 Millionen Euro zur Gesamtleistung bei. Hier waren die Themen Tax Analytics, Tax Compliance sowie die Umsetzung der OECD-Initiative BEPS Wachstumstreiber.

Wirtschaftsprüfung wächst um 27 Prozent bei Deloitte

Das traditionelle Geschäftsfeld Wirtschaftsprüfung ist ebenfalls stark gewachsen. Es erzielte einen Anstieg von 27 Prozent (Vorjahr: 7 Prozent) auf 397 Millionen Euro. Grund dafür waren unter anderem neue Prüfungskunden, sagte Plendl. Dazu gehörten größere mittelständische Unternehmen, die aber nicht namentlich genannt werden könnten. Große Mandate wie Bayer oder Tui, die Deloitte gewonnen hatte, zahlen erst ab dem neuen Geschäftsjahr in das Wachstum ein.

Daneben trieb auch das Risk Advisory, das Deloitte zur Wirtschaftsprüfung zählt, das Wachstum. Dabei handelt es sich um prüfungsnahe Beratungsleistungen in den Bereichen Stategic Risk, Operational Risk, Regulatory Risk, Financial Risk und Cyber Risk. Im Risk Advisory erwartet Deloitte in den kommenden fünf Jahren eine Vervielfachung des Umsatzes. Dazu soll auch der Kauf des Analytics-Spezialisten SCDM Germany beitragen

Deloitte verlor den Kampf um das Commerzbank-Mandat

Plendl bekräftigte außerdem das Ziel, in den kommenden Jahren den Anteil bei den Dax-Prüfmandaten auf 10 bis 15 Prozent auszuweiten. Gelingen soll dies im Rahmen der Prüferrotation, durch die die Unternehmen gezwungen sind, in den kommenden Jahren ihre Prüfungsmandate auszuschreiben. Indes: Seit dem überraschenden Erringen des Bayer-Mandats konnte Deloitte kein weiteres Dax-Unternehmen mehr gewinnen. Immerhin hat Deloitte aber bei den SDax-Unternehmen Sixt und dem MDax-Unternehmen Hochtief eine Mandatsverlängerung erreicht und darf dort weiterhin prüfen.

Als kleinste der Big Four muss Deloitte sich gut überlegen, für welche Mandate man sich bewerben will, denn derartige Prozesse sind zeitaufwendig und kostenintensiv. Umso ärgerlich dürfte es für Plendl gewesen sein, dass Deloitte im Kampf um das Commerzbank-Mandat gegen EY verloren hat. „Wir hätten das Mandat sehr gerne gewonnen“, sagte der Deloitte-Chef nicht ohne Wehmut.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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