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17.07.12
Finanzabteilung

EFRAG fordert Reform der IFRS-Anhangsangaben

Die IFRS-Anhangsangaben stehen in Finanzabteilungen in der Kritik: Aufwendig zu erstellen und nicht relevant für Bilanzleser. EFRAG, Endorsement-Berater der EU-Kommission, stellt nun konkrete Vorschläge zur Reform des IFRS-Anhangs vor. CFOs sollten sich am Entscheidungsprozess beteiligen.

 

Für Finanzvorstände ist die Erstellung der IFRS-Anhangsangaben (notes) ein großes Ärgernis. Unter Hochdruck müssen Tausende von Informationen zusammengesammelt und aufbereitet werden. Dabei ist das Kriterium der Entscheidungsrelevanz für Investoren längst in den Hintergrund gerückt. Um sich nicht angreifbar zu machen, werden gigantische Checklisten abgearbeitet. Das ist aus CFO-Perspektive schlüssig – denn genauso arbeiten Prüfer und Prüfersprüfer: Unzureichende Angaben im Anhang und Lagebericht die häufigste Ursache für DPR-Fehlerfeststellungen. Dem eigentlichen Adressaten aber bringt dieses Wust an Informationen allerdings wenig.

Wenig erstaunlich ist es daher, dass eine IASB-Umfrage zu den Top-Prioritäten in der Standardentwicklung die Anhangsangaben an die erste Stelle gerückt hat. Nun hat die European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG), Endorsement-Berater der EU-Komission, ein umfangreiches Diskussionspapier zu diesem Thema vorgelegt. Eins vorweg: Die Lektüre der rund 80 Seiten lohnt sich. Übersichtlich und verständlich wird der Status Quo dargestellt und Lösungsansätze präsentiert. Im Zentrum des Papiers steht die Forderung nach einem „Disclosure Framework“. EFRAG argumentiert, dass die Anhangsangaben bisher für jeden Standard isoliert entwickelt wurden. Viele Informationen seien daher redundant. Außerdem hätte der Standardsetzer versucht, die mangelhafte Qualität der Standards durch zusätzliche Anhangsangaben zu kompensieren. Aus Sicht der EFRAG ist dies nicht gelungen – im Gegenteil.

Die EFRAG schlägt vor, dass die Anhangsangaben nur unternehmensspezifische, vergangenheitsorientierte Informationen enthalten sollten. Zukunftsorientierte Informationen gehörten nur dann hinein, wenn sie notwendig zur Bewertung einzelner Bilanz- oder GuV-Positionen sind. Eine neue Bedeutung will EFRAG dem Konzept der Materialität (materiality) geben. Bisher wird dieses Konzept in erster Linie von den Wirtschaftsprüfern genutzt, um zu entscheiden, ab welcher Größenordnung Bilanz- und GuV-Positionen geprüft und Fehler korrigiert werden müssen. Dabei geht es um die Frage, ob ein Fehler groß genug ist, um die Entscheidung eines Stakeholders zu verändern. EFRAG fordert, dieses Prinzip auch auf die Frage anzuwenden, ob eine Information in den Anhang aufzunehmen sei. Als ein Beispiel für nicht-materielle Anhangsangaben nennt EFRAG die aktienbasierte Vergütung, die nach IFRS 2 unabhängig vom Betrag aufgeführt werden muss.

Das EFRAG-Diskussionspapier kann bis zum 31. Dezember kommentiert werden. CFOs sollten diese Diskussion nicht den Wirtschaftsprüfern und Standardsetzern überlassen, sondern sich aktiv für weniger und entscheidungsrelevantere Anhangsangaben einsetzen.

katharina.schlueter(*)finance-magazin(.)de