Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen drei ehemalige Steinhoff-Manager. Ihnen wird milliardenschwere Bilanzmanipulation vorgeworfen.

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05.03.21
Finanzabteilung

Ex-Steinhoff-Manager wegen Bilanzmanipulation angeklagt

Die Staatsanwaltschaft Oldenburg hat Anklage gegen Ex-Manager des Steinhoff-Konzerns erhoben. Damit setzt sich die Aufarbeitung des milliardenschweren Bilanzskandals möglicherweise vor einem deutschen Gericht fort.

Lange bevor der Fall Wirecard seinen Lauf nahm, dominierte der Bilanzskandal bei dem deutsch-südafrikanischen Möbelhändler Steinhoff die Schlagzeilen. Im Dezember 2017 hatte der Wirtschaftsprüfer Deloitte dem Möbelgiganten das Testat verweigert, in der Folge brach der Aktienkurs um 90 Prozent ein. Der Konzern musste 11 Milliarden Euro abschreiben. Es folgten weitere Untersuchungen, Umschuldungen und der Verkauf vieler Tochtergesellschaften, um eine Insolvenz abzuwenden.

Die juristische Aufarbeitung des Skandals setzt sich nun fort: Die Staatsanwaltschaft Oldenburg hat gegen drei ehemalige Verantwortliche des Konzerns Anklage erhoben. Ihnen werden „Taten der unrichtige Darstellung“ in den Bilanzen im Zeitraum von Juli 2011 bis Januar 2015 vorgeworfen.

Um wen es sich bei den nun angeklagten Personen handelt, teilt die Staatsanwalt nicht mit. Einem vierten Beschuldigten wird vorgeworfen, in mehreren Fällen Beihilfe zu den Taten geleistet zu haben. Ob es zu einem Hauptverfahren kommt, ist noch offen. Darüber muss das Landgericht Oldenburg entscheiden.

Bilanzmanipulation durch Scheingeschäfte?

Die Angeschuldigten sollen dafür verantwortlich sein, dass Buchgewinne aus mutmaßlichen Scheingeschäften in die Bilanzen geflossen sind, heißt es in der Mitteilung der Staatsanwaltschaft. Immaterielle Güter und Gesellschaftsanteile sollen für jeweils dreistellige Millionenbeträge an Unternehmen verkauft worden sein, die laut Anklage nur dem Anschein nach fremd waren, dem Konzern aber nahestanden.

Auf Grundlage dieser mutmaßlichen Scheingeschäfte soll es zu Bilanzmanipulationen von mehr als 1,5 Milliarden Euro gekommen sein, hinzu kämen 820 Millionen Euro für überhöhte Immobilienwerte in der Bilanz, heißt es weiter. Für Bilanzmanipulation drohen bis zu drei Jahren Haft.

Bereits im Jahr 2019 hatte ein Untersuchungsbericht des Wirtschaftsprüfers PwC „fiktive und unregelmäßige Transaktionen“ bei dem Möbelkonzern festgestellt, die den Konzerngewinn massiv aufgebläht hätten. Im damaligen Bericht ging es um einen längeren Zeitraum und noch deutlich höhere Summen.

Steinhoff im Aufarbeitungsmodus

Im Zuge des Skandals mussten auch viele Manager den Hut nehmen, darunter Ex-CEO Markus Johannes Jooste und Ex-CFO Ben La Grange. Der Skandal beschäftigt auch die neue Führung des Konzerns weiterhin. Nachdem viele Tochtergesellschaften des Konzerns, wie etwa Poco, verkauft wurden, steht dem Unternehmen noch die weitere rechtliche Aufarbeitung des Skandals bevor. Nach wie vor hat Steinhoff mit vielen Klägern zu kämpfen und bemüht sich derzeit, weltweit eine Einigung zu finden.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

Alle Hintergründe zu dem Bilanzskandal bei dem Möbelriesen finden Sie zum Nachlesen auf unserer Themenseite zu Steinhoff.