Carola Rinker, Expertin für forensische Bilanzuntersuchungen, sieht noch viele Fragezeichen im Fall Grenke.

Rinker

FINANCE+ 25.09.20
Finanzabteilung

„Grenke muss jetzt liefern“

Ist Grenke das neue Wirecard? Carola Rinker, Expertin für Bilanzskandale, über die Schwächen in der Bilanzierung des Leasingspezialisten und einen gefährlichen Nährboden für Bilanztricksereien.

Frau Rinker, als Expertin für das Aufspüren von Bilanzunregelmäßigkeiten haben Sie eine Checkliste mit möglichen Hinweisen für Bilanztricksereien entwickelt. Wie viele dieser Alarmglocken von Ihnen schlagen im Fall Grenke denn gerade an?
Es sind nicht alle, aber schon einige. Da sind zum Beispiel die auffallend hohen Gewinnmargen und Wachstumsraten, die Grenke für die Vergangenheit ausweist. Dabei agiert das Unternehmen in einer Branche, die sonst nicht durch eine besonders starke Performance auffällt. Solch spektakulär gute Entwicklungen im Vergleich zum Wettbewerb hat man auch bei Wirecard gesehen. Was ich ebenfalls beunruhigend finde, ist, wie kompliziert sich Grenke darstellt.

Was konkret meinen Sie damit?
Grenke hat eine sehr verschachtelte und nicht gerade transparente Firmenstruktur. Der Vorstand hat sich nie darum bemüht, diese Struktur in den Geschäftsberichten überzeugend zu erklären. Auch die Buchhaltung halte ich für komplex. Das Unternehmen kommuniziert die Ertragsstärke anhand verschiedener Deckungsbeiträge. Das sieht man sonst nie, und das macht die Vergleichbarkeit mit anderen Unternehmen nicht leichter. Komplexe Strukturen und Kennzahlen sind grundsätzlich ein guter Nährboden für etwaige Manipulationen. Das heißt aber nicht, dass bei Grenke auch tatsächlich manipuliert worden ist.

Was Grenke besser macht als Wirecard

Wo sehen Sie Parallelen und Unterschiede zum Fall Wirecard?
Neben dem komplizierten Geschäftsmodell und den intransparenten Strukturen agiert auch Grenke mit Firmenkäufen, die ungewöhnlich erscheinen. Der Angreifer Viceroy betrachtet diese Deals als überteuert und zum Nachteil des Unternehmens. Allerdings ist das Volumen dieser M&A-Deals bei Grenke mit rund 100 Millionen Euro deutlich kleiner, als es bei Wirecard war. Selbst wenn Grenke den gesamten Goodwill aus M&A-Deals abschreiben müsste, beträfe dies nur einen kleinen Teil der Bilanzsumme und des Eigenkapitals.

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