Kinghero-Store in Guangzhou: Der Hedgefonds Exchange Investors nimmt jetzt auch die Modefirma ins Visier.

Kinghero

13.12.13
Finanzabteilung

Hedgefonds Exchange nimmt nächsten China-IPO ins Visier

Die in Frankfurt gelistete chinesische Modefirma Kinghero hat die gleichen erheblichen Cash- und Bilanzprobleme wie der Handtaschenhersteller Powerland. Der Hedgefonds Exchange Investors geht nach Powerland FINANCE-Informationen zufolge nun auch bei Kinghero in Stellung – und droht mit einer noch härteren Gangart als bei Powerland.

Der aktivistische Hedgefonds Exchange Investors hat FINANCE-Informationen zufolge mit befreundeten Adressen einen Anteil von mehr als 5 Prozent an der in Frankfurt gelisteten chinesischen Modefirma Kinghero erworben. Da die Anteile bislang aber nur lose gepoolt sind, blieb eine offizielle Anmeldung des Überschreitens der 5-Prozent-Schwelle bislang aus. Frank Scheunert, ein in Dubai residierender Manager von Exchange Investors, hat dies auf Anfrage von FINANCE bestätigt.

Exchange ist in Finanzkreisen kein Unbekannter. Der Hedgefonds war im Sommer bereits bei dem ebenfalls in Deutschland gelisteten chinesischen Handtaschenhersteller Powerland aktiv geworden. Powerland war unter Druck geraten, nachdem die WP-Gesellschaft BDO dem Unternehmen wegen erheblicher Unstimmigkeiten bei der Zuordnung der Umsätze und aufgrund ungenügender Nachweise der Bankguthaben im Frühjahr das Testat für den Jahresabschluss verweigert hatte. 

Kinghero-CEO Zhang gefeuert, Powerland tauscht CFO aus

Bei Kinghero ist die Lage ähnlich: Ende Juli hatten die Chinesen eingeräumt, dass die Prüfgesellschaft Warth & Klein Grant Thornton den Jahresabschluss 2012 noch immer nicht abschließend prüfen könne. Als Grund wurden „Engpässe in der Finanzbuchhaltung“ genannt. Ende Oktober gab das Unternehmen schließlich bekannt, dass Kinghero – ebenso wie Powerland – einen Versagensvermerk erhalten werde: „Grant Thornton stellt fest, dass die (…) ausgewiesenen Umsatzerlöse und Wareneinsätze bislang nicht nachgewiesen wurden und nicht plausibel erscheinen. Dies gilt auch für die ausgewiesenen liquiden Mittel.“ Kinghero-CEO Zhang Yu wurde vom Aufsichtsrat abberufen.

Hedgefondsmanager Scheunert glaubt, dass die Missstände bei Kinghero noch eklatanter seien als bei Powerland, wo mittlerweile der CFO ausgetauscht wurde und inzwischen Ernst & Young die Prüfhemmnisse unter die Lupe nimmt: „Bei Kinghero ist Liquidität verschwunden und die Bilanzierung undurchsichtig“, sagte der Hedgefondsmanager gegenüber FINANCE.

Auf FINANCE-Nachfrage wendete ein Kinghero-Sprecher ein, dass die Finanzlage bei Kinghero zurzeit vom Vorstand geprüft werde und noch kein abschließendes Ergebnis vorliege: „Daher entbehren Aussagen zur Liquiditätslage jeder sachlichen Grundlage“, sagte der Unternehmenssprecher.  
Exchange erwägt nun, bei Kinghero eine außerordentliche Hauptversammlung einzuberufen und eine bilanzielle Sonderprüfung zu beantragen. Unter gewissen Umständen kann dabei das Stimmrecht der chinesischen Hauptaktionäre aktienrechtlich blockiert werden, sofern diese persönlich von einer Sonderprüfung betroffen wären, was bei Kinghero der Fall sein dürfte. Vor diesem Hintergrund ist nicht ausgeschlossen, dass Exchange mit seiner Initiative durchkommen könnte.

Inkompetenz oder kriminelle Energie?

Hinter den zahlreichen schweren Bilanzproblemen diverser chinesischer Unternehmen – auch solcher, die in den USA gelistet sind – vermutet Scheunert nicht nur Inkompetenz und Personalmangel in den Finanzabteilungen, sondern auch kriminelle Energie. „Das Geld, das die Aktionäre bei den IPOs in die deutschen AGs einbezahlt haben, ist als Darlehen an die chinesischen Tochtergesellschaften geflossen und jetzt offenbar zum größten Teil weg“, glaubt Scheunert. „Ich würde es nicht einmal ausschließen, dass das Geld der Anleger bei einem Chinesen in Hongkong gelandet ist, der es in die Spielcasinos trägt.“

Powerland hat dem Druck der Hedgefonds-Gruppe inzwischen nachgegeben und ein umfangreiches Aktienrückkaufprogramm aufgelegt. Dieses konnte den Kurs jedoch nur kurzzeitig beleben, was auch daran liegt, dass Exchange den Kursanstieg zum Ausstieg genutzt hat. „Wir sind bei Powerland raus, unser Job ist gemacht“, erklärt Scheunert. „Über den Aktienrückkauf ist wenigstens ein Teil der Gelder wieder zurück an die Anleger geflossen.“

Exchange selbst dürfte dabei allerdings auch einen guten Schnitt gemacht haben: Aus dem Kursverlauf der Powerland-Aktie lässt sich eine Rendite von über 70 Prozent innerhalb von nur wenigen Monaten ableiten.    

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Welche zum Teil grotesken Skandale die anderen Unternehmen aus dem Reich der Mitte beuteln, lesen Sie auf unserer FINANCE-Themenseite zu China-Aktien.