SAS

18.10.12
Finanzabteilung

IAS 19 erhöht Volatilität der Bilanzen

Änderungen bei der IFRS-Bilanzierung von Pensionsverpflichtungen können ab 2013 in vielen Unternehmen zu einer höheren Bilanzvolatilität führen. Die Strategien der CFOs, dieses Problem anzugehen, sind dabei höchst unterschiedlich.

Pensionsverpflichten werden für CFOs dies- und jenseits des Atlantiks zu einem Dauerbrenner auf der Agenda. Neue IFRS-Bilanzierungsvorschriften, die ab dem 1. Januar 2013 gelten, und der Druck von Investoren und Ratingagenturen sorgen dafür, dass sich immer mehr Unternehmen diesem Thema stellen müssen. So sind Pensionsrückstellungen ab 2013 in der IFRS-Bilanz als Differenz aus Pensionsverpflichtung und Pensionsvermögen auszuweisen. Das bislang mögliche Korridorverfahren zur Erfassung versicherungsmathematischer Gewinne und Verluste ist dann nicht mehr zulässig. Für die Unternehmen kann das eine höhere Volatilität der Bilanz und des Eigenkapitals mit sich bringen.

Philips-CFO Ron Wirahadiraksa muss für Pensionen sparen

Die beim niederländischen Elektronikkonzern Philips jüngst verschärften Sparbemühungen gehen unter anderem darauf zurück, die geänderten Bilanzierungsvorschriften für Pensionsverpflichtungen besser verkraften zu können. Noch dramatischer stellt sich die Situation bei der skandinavischen Airline SAS dar: Die neuen Bilanzierungsregeln führen nach Unternehmensschätzungen zu einem Anstieg der Pensionslasten um 10,7 Milliarden Schwedischen Kronen oder umgerechnet 1,24 Milliarden Euro. Damit wäre SAS auf einen Schlag deutlich unterkapitalisiert. Die Konzernführung reagierte auf die drohende Schieflage pragmatisch: Sie verschob das Ende des Geschäftsjahres auf den 31. Oktober um sich Zeit zu kaufen.

Auch in den USA stehen CFOs in Sachen Pensionsverpflichtungen unter Druck. So hat der US-Telekommunikationsriese Verizon nun angekündigt, etwa ein Viertel seiner Pensionsverpflichtungen an den Versicherer Prudential auszulagern mit dem Ziel, damit sein langfristiges Finanzprofil zu verbessern. Der Wert der übertragenen Verpflichtungen belaufe sich auf 7,5 Milliarden US-Dollar. Insgesamt stünden Pensionsverpflichtungen für gut 30 Milliarden Dollar in den Büchern, teilte Verizon mit. Mit diesem Schritt ist das Unternehmen nicht allein. Anfang Juni hatte General Motors mitgeteilt, seine Pensionsverpflichtungen um 26 Milliarden US-Dollar zu reduzieren und diese über einen Rentenvertrag ebenfalls an den Versicherer Prudential Financial abzutreten.

Deutsche CFOs: Pensionsrisiken von 300 Milliarden Euro

Deutsche Unternehmen sind von dieser Problematik nicht ausgenommen. Einer Studie von Allianz Global Investors zufolge haben Ende 2011 rund ein Drittel der DAX-Unternehmen das Korridorverfahren angewendet. Bei mittelständischen Unternehmen, so AGI, dürfte dieser Anteil noch sehr viel höher sein. Angesichts dessen und angesichts des Volumens der Pensionsrückstellungen in deutschen Unternehmensbilanzen – die Rede ist von rund 300 Milliarden Euro – verwundert es nicht, dass die deutsche Bilanzpolizei DPR Pensionsrückstellungen zu einem ihrer Prüfungsschwerpunkte 2013 neben Goodwill erhoben hat. Das ließ Edgar Ernst, Chef der DPR, im Gespräch mit Finance-TV jüngst durchblicken.

andreas.knoch[at]finance-magazin.de

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