Konzernkonsolidierung: Die Umsätze von Töchtern oder Kooperationen werden künftig in den Bilanzen vieler Unternehmen fehlen – der CFO muss erklären, warum.

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03.06.14
Finanzabteilung

IFRS: Neue Vorschriften belasten Unternehmen

Trotz bester konjunktureller Lage weisen einige Unternehmen plötzlich Umsatzeinbußen aus. Schuld sind die neuen internationalen Rechnungslegungsstandards, die die Bilanzzahlen verschlechtern können. Die CFOs sind in der Kommunikation mit der Financial Community gefordert.

Seit diesem Jahr müssen Unternehmen ihre Konsolidierung neu gestalten: Mit IFRS 10, 11 und 12 sind neue Standards in Kraft getreten. Die ersten Unternehmen haben die neuen Bilanzierungsvorschriften bereits in ihren Geschäftsberichten berücksichtigen müssen – und infolgedessen niedrige Gewinne ausgewiesen.

Eines davon ist das Weinheimer Familienunternehmen Freudenberg, allgemein durch die Vileda-Tücher bekannt. Das Unternehmen durfte nach der Anwendung der neuen Regeln die nicht beherrschten 50:50 Joint Ventures – Gemeinschaftsunternehmen also, bei denen Freudenberg keine industrielle Führung nachweisen kann – nicht mehr durch Quotenkonsolidierung ausweisen, sondern nach der Equity-Methode (Siehe Infobox).

IFRS-Standards verursachen Umsatzverluste

Für CFO Ralf Krieger bedeutet das konkret Folgendes: Umsatz- und Mitarbeiterzahlen sowie die Vermögens- und Schuldenpositionen der Gemeinschaftsunternehmen NOK-Freudenberg Group China, TrelleborgVibracoustic und der Freudenberg NOK Mechatronics darf er nicht mehr in dem Abschluss aus dem Jahr 2013 berücksichtigen. Optisch hat das Familienunternehmen damit im Jahresvergleich eine Milliarde Euro an Umsatz verloren, de facto aber keine Einbußen erlitten.

Freudenberg steht nicht allein da: „Solche Änderungen betreffen derzeit viele Unternehmen“, erklärt Jörg Bösser, Leiter des IFRS Solutions Centers bei EY für die DACH-Region: „Sie müssen sich jetzt erneut mir der Frage beschäftigen, ab wann ein Tochterunternehmen als beherrscht durch das Mutterunternehmen gilt, oder ob ein Gemeinschaftsunternehmen ein Joint Venture oder Joint Operation ist“. Die Kriterien dafür sind zum Teil Auslegungssache und hängen unter anderem von der Ausgestaltung von Stimmrechten oder Rückflüssen sowie Rechten und Pflichten aus den Kooperationen ab (Siehe Infobox). Abhängig davon müssen viele Unternehmen von der Quotenkonsolisierung zur Equitymethode wechseln oder faktisch umgekehrt – und das geht oft zum Nachteil des Unternehmens.

CFOs müssen Financial Community informieren

Dies kann für betroffene Finanzchefs mitunter unangenehme Folgen zeitigen: Sinkt die Eigenkapitalquote durch die veränderte Konsolidierungsmethode etwa unter die mit den Finanzierungspartnern verabredeten Schwellenwerte, könnten betroffene Unternehmen Kreditklauseln (Covenants) reißen – und Schwierigkeiten haben, Investoren zu finden, oder sich zu finanzieren.

Doch nicht alle CFOs stehen auf der Verliererseite: „Vereinzelt können Unternehmen von der neuen Konsolidierungsmethode aber auch profitieren“, bemerkt Bösser. Steckt ein Gemeinschaftsunternehmen in Schwierigkeiten, kann es bilanzpolitisch sogar von Vorteil sein, wenn dieses im Konzernabschluss künftig nicht mehr anteilig konsolidiert wird.

Dennoch gilt: Die Ursache der veränderten Kennzahlen muss kommuniziert werden. „CFOs müssen ihrer Financial Community unbedingt erklären, wie sich die Zahlen verändern“, warnt Bösser. „Gerade in der Zeit der Umstellungen kann auch bei Analysten Aufklärungsbedarf bestehen – da könnte es kurzfristig zu Problemen kommen.“

julia.becker[at]finance-magazin.de

Quotenkonsolidierung: Bei der quotalen Einbeziehung werden die Vermögenswerte und Schulden sowie Aufwendungen und Erträge des Gemeinschaftsunternehmens mit dem Beteiligungsprozentsatz in den IFRS-Konzernabschluss einbezogen.
 
Equity-Methode:
Bei der Equity-Methode hingegen werden zunächst nur die Anschaffungskosten des Gemeinschaftsunternehmens in der IFRS-Konzernbilanz erfasst. Dieser Wert wird jedoch ergebniswirksam in jeder Periode  entsprechend dem anteiligen Gewinn oder Verlust des Gemeinschaftsunternehmens verändert.

Infolge der Finanzkrise wurden neue internationale Rechnungslegungsstandards (IFRS) erarbeitet, die die Art der Beziehung zwischen Unternehmen präziser abbilden sollten. Sie müssen ab dem Geschäftsjahr 2014 verpflichtend angewendet werden.

IFRS 10 ersetzt IAS 27 und bestimmt, ab wann ein Unternehmen ein anderes beherrscht. Berücksichtigt hierbei wird, ob ein Unternehmen variable Rückflüsse erhält oder die Mehrheit der Stimmrechte besitzt. Hier gilt es aber unter anderem zu beachten, ob es sich um substanzielle Rechte oder nur um Schutzrechte handelt, die ihnen nicht die Möglichkeiten einräumen, die Aktivitäten des anderen Unternehmens zu steuern.

IFRS 11 ersetzt IAS 31 und definiert, welche Art von Gemeinschaftlicher Vereinbarung zwischen zwei Unternehmen herrscht. Je nach Rechten und Pflichten aus der Vereinbarung werden Kooperationen als Joint Venture bezeichnet und müssen die Equitymethode anwenden oder als Joint Operation und müssen dann die Quotenmethode anwenden. Relevant ist hierbei zum Beispiel, ob die beteiligten Parteien Rechte auf die Vermögenswerte oder Verpflichtungen für die Verbindlichkeiten des jeweils anderen haben, zum Beispiel ob sie für Ansprüche Dritter haften.

IFRS 12 definiert, wie genau die Beziehung zwischen zwei Unternehmen im Geschäftsbericht offengelegt werden muss.

Es herrscht viel Bewegung bei den internationalen Bilanzierungsregeln IFRS. Welche Neuerungen gibt es, welche Unternehmen sind besonders betroffen und wie gehen CFOs die Umstellungen am besten an? Bleiben Sie auf dem Laufenden mit der FINANCE-Themenseite zu IFRS.