Kika/Leiner

26.06.18
Finanzabteilung

Kika/Leiner findet neuen Kreditversicherer

Die Ex-Steinhoff-Tochter Kika/Leiner hat einen neuen Warenkreditversicherer gefunden. Nun muss der neue Eigner René Benko die angeschlagene Möbelkette mit frischem Kapital endgültig stabilisieren.

Aufatmen in Österreich: Die Ex-Steinhoff-Töchter Kika und Leiner haben einen neuen Warenkreditversicherer gefunden. Die beiden österreichischen Möbelketten haben Euro Delkredere engagiert, um etwaige Forderungsausfälle abzusichern. „Dadurch ist es möglich, die geordneten Geschäftsbeziehungen zwischen unseren Lieferanten und uns wieder in Gang zu setzen,“ gab Gunnar George, Geschäftsführer von Kika/Leiner, bekannt – und damit zwischen den Zeilen auch Einblick in die Brisanz der Situation, in der der Möbelhändler steckte.

Anfang Juni hatte der bisherige Kreditversicherer Euler Hermes entschieden, keine Risiken mehr für die Möbelhändler zu übernehmen, die seinerzeit noch zum angeschlagenen Steinhoff-Konzern gehörten. Kika/Leiner brachte dies an den Rand der Pleite. 

René Benko kauft Kika/Leiner von Steinhoff

Grund dafür war die Gemengelage aus der hohen Bedeutung der Warenkreditversicherer für den Möbelhandel und der prekären Lage des Kika/Leiner-Hauptaktionärs Steinhoff. Die Gefahr: Wenn die Lieferanten nicht mehr mit Kika/Leiner zusammengearbeitet hätten, wäre das operative Geschäft zusammengebrochen – was wiederum auf Steinhoff durchgeschlagen hätte.

In letzter Sekunde sprang Mitte Juni der Immobilien-Investor und Karstadt-Eigner René Benko mit seiner Signa-Gruppe als Retter ein. Er will Kika/Leiner für kolportiert rund 500 Millionen Euro kaufen, die Verträge wurden in der vergangenen Woche unterschrieben. Der Kaufpreis entsteht hauptsächlich durch den Wert der Immobilien der Möbelketten: Für das operative Geschäft soll Benko nur einen symbolischen Euro zahlen.

Der Grund dafür: Kika/Leiner leidet schon seit Monaten unter der Krise bei Steinhoff. Standortschließungen sowie Kosteneinsparungen brachten nicht genug Entlastung. Der neue Eigner Benko wird nun frisches Kapital einbringen müssen, um Kika/Leiner bei der weiteren Sanierung zu unterstützen. Steinhoff hingegen hätte keine Kapitalspritzen zur Verfügung stellen können. 

Steinhoff steht vor entscheidenden Monaten

Der deutsch-südafrikanische Möbelkonzern ist seit Ende 2017 in einen Bilanzskandal verwickelt. Steinhoff hat sich in den vergangenen Monaten mit zahlreichen Notverkäufen über Wasser gehalten. Dafür hat der Möbelhändler etwa Anteile an der südafrikanischen PSG-Gruppe sowie die Beteiligung am deutschen Discounter Poco verkauft.

Das Geld aus dem Kika/Leiner-Verkauf verbessert die Liquiditätslage von Steinhoff. Zudem konnte Steinhoff sich zuletzt die Unterstützung seiner Gläubiger für die Erarbeitung eines Restrukturierungsplans sichern. In den kommenden Monaten könnte es dennoch eng werden: FINANCE-Informationen zufolge muss der Konzern bis Jahresende Verbindlichkeiten über 2 Milliarden Euro tilgen.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

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