Poco

06.12.17
Finanzabteilung

Nach Verdacht auf Bilanzskandal: Verwirrung um Steinhoff-CFO

Nachdem Unregelmäßigkeiten in den Bilanzen des Möbelkonzerns Steinhoff aufgetaucht sind, ist Verwirrung um den CFO Ben la Grange aufgekommen. Zunächst hatten einige Medien von seinem Rücktritt berichtet, was Steinhoff nun dementiert.

Der Verdacht auf einen Bilanzierungsskandal stürzt den deutsch-südafrikanischen Möbelkonzern Steinhoff in eine handfeste Krise. Wie das im MDax gelistete Unternehmen am gestrigen Dienstag in einer Pflichtmitteilung verkündete, sind Unregelmäßigkeiten in den Jahreszahlen des Konzerns aufgetaucht. Diese Meldung schickte die Steinhoff-Aktie auf Talfahrt. Zeitweise brach der Kurs um über 60 Prozent ein.
 
Der Skandal hat auch bereits seine ersten personellen Opfer gefordert. Steinhoff gab in der Mitteilung vom gestrigen Dienstag Abend bekannt, dass der langjährige CEO Markus Jooste zurückgetreten sei. Aufsichtsratschef Christo Wiese übernehme interimsweise die Konzernführung der Poco-Muttergesellschaft. Pieter Erasmus, der Ex-CEO der Pepkor Group, werde zudem Wiese zusätzlich unterstützen.

Verwirrung kam zunächst um CFO Ben la Grange auf: Mehrere Medien (darunter auch FINANCE) berichteten, dass auch der Finanzchef von seinem Posten zurückgetreten sei. Steinhoff war für eine Kommentierung dieser Personalie nicht erreichbar. Am Abend dann meldete sich das Unternehmen selbst in einer weiteren Pressemitteilung zu Wort und stellte klar, dass La Grange sich lediglich bei der südafrikanischen Tochter Star zurückgezogen habe, um sich in der jetzigen Situation auf seine Rolle als CFO des Konzerns zu fokussieren. La Grange kam 2003 zu Steinhoff, zunächst als Leiter der Steuerabteilung, später als CFO der Konzern-Gesellschaften der südlichen Hemisphäre, bevor er 2013 zum Gruppen-CFO bestellt wurde.

Hat Steinhoff zu hohe Umsätze bilanziert?

Die Staatsanwaltschaft Oldenburg ermittelt bereits gegen vier ehemalige und amtierende Verantwortliche eines Konzerns, zu dem unter anderem ein Möbelhandel-Unternehmen in Westerstede gehört, wie sie gegenüber FINANCE bestätigte. Den Namen Steinhoff nannte sie nicht explizit, das Unternehmen wurde aber 1964 in Westerstede gegründet, wo sich auch heute noch die Europazentrale des Konzerns befindet. Die niedersächsische Kleinstadt liegt rund 30 Kilometer von Oldenburg entfernt.

Laut Staatsanwaltschaft besteht der Verdacht, dass überhöhte Umsatzerlöse in die Bilanzen konzernzugehöriger Gesellschaften eingeflossen sind. Dadurch könnte gegebenenfalls auch der Bilanzwert des Konzerns zu hoch dargestellt worden sein. Hintergrund der womöglich überhöhten Erlöse sind Verträge, mit denen konzernzugehörige Gesellschaften immaterielle Wirtschaftsgüter beziehungsweise Gesellschaftsanteile an vermeintlich fremde, nach den Ermittlungen aber dem Konzern nahestehende Unternehmen jeweils für dreistellige Millionenbeträge veräußert haben sollen, heißt es weiter.

Verdacht auf Bilanzenfälschung: Steinhoff-Aktie im freien Fall

Steinhoff International Holdings N.V. Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

Steinhoff verschiebt Jahresabschluss 2017

Steinhoff gab weiterhin bekannt, dass der Jahresabschluss für das Jahr 2017 verschoben wird. Man werde die Zahlen veröffentlichen, sobald man sich dazu in der Lage sehe. Außerdem habe Steinhoff die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC mit einer eingehenden Prüfung der Bilanzen beauftragt.

Auch die Bilanzen vergangener Jahre würden einer Überprüfung unterzogen, teilten die Verantwortlichen von Steinhoff mit. Um welchen Zeitraum es sich dabei handelt, ist jedoch unklar.

Erste Bilanzfälschungsvorwürfe im August

Bereits im August dieses Jahres wurden erste Vorwürfe laut, wonach es Ungereimtheiten in den Bilanzen von Steinhoff gäbe. Medienberichte sprachen von Razzien in den Firmen-Räumlichkeiten. Damals stand jetzt Ex-CEO Jooste bereits im Zentrum der Vorwürfe.

Steinhoff hatte die Vorwürfe energisch zurückgewiesen. Ein ehemaliger Joint-Venture-Partner haben die Presse „missbraucht, um einen laufenden Rechtsstreit mit Skandalmeldungen über das Unternehmen zu beeinflussen, erklärt der MDax-Konzern seine Sicht auf das Geschehen damals.

andreas.mehring[at]finance-magazin.de