Viele Unternehmen leasen ganze Autoflotten. Wenn sie nach US-GAAP bilanzieren müssen, müssen sie sich mit zusätzlichen Änderungen herumschlagen.

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21.03.16
Finanzabteilung

Neuer Ärger für Leasingbilanzierer

Eigentlich sollten sich IFRS und US-GAAP annähern. Doch die beiden neuen Leasingstandards trennt einiges. CFOs, die beide beachten müssen, haben erhebliche Mehrarbeit.

Das Thema Leasingbilanzierung lässt Unternehmen keine Ruhe: Bereits vor einigen Wochen, als der neue internationale Standard IFRS 16 veröffentlicht wurde, stöhnten CFOs auf. Denn IFRS 16 erlaubt es nicht, Leasingschulden außerhalb der Bilanz zu führen. Stattdessen müssen diese Schulden künftig in der Bilanz auftauchen – bei manchen Unternehmen, wie beispielsweise bei der Deutschen Telekom, sind das Milliarden

Jetzt steigert sich das Ärgernis, denn der US-Standardsetzer FASB hat seinerseits auch nochmal die Leasingbilanzierung verändert – und entgegen der ursprünglichen Pläne ist diese noch einmal anders als nach IFRS 16.  Für Unternehmen in Deutschland, die nach US-GAAP bilanzieren müssen, heißt das: Sie müssen sich mit einer zusätzlichen Regel auseinandersetzen und im schlimmsten Fall vier verschiedene Abschlüsse machen: Nach den internationalen Regeln IFRS, den US-Regeln US-GAAP, den nationalen deutschen Standards HGB und für das Finanzamt noch eine Steuerbilanz.

Betroffen sind beispielsweise Töchter von US-Konzernen in Deutschland, die verpflichtet sind, zusätzlich nach US-GAAP Rechnung zu legen, oder Unternehmen, die freiwillig nach den US-Standards bilanzieren, weil sie beispielsweise in den USA vertreten sind und mit der  dortigen Konkurrenz besser vergleichbar sein wollen. Deutsche Unternehmen, die in den USA an der Börse gelistet sind, sind hingegen nicht betroffen: Eine Bilanzierung nach IFRS ist ausreichend.

IFRS und US-GAAP sollten angeglichen werden

Eigentlich hatten der internationale Standardsetzer IASB und der US-Standardsetzer FASB sich schon seit Jahren vorgenommen, die beiden Bilanzierungswelten anzugleichen. Das große Projekt hatte seinen Anfang zu Beginn der 2000er, als viele deutsche Unternehmen an die US-Börse strömten und noch zur Bilanzierung nach US-GAAP verpflichtet waren, erklärt Jörg Bösser, Wirtschaftsprüfer und Partner bei Ernst & Young. „Die beiden Welten sind sich gar nicht so unähnlich. US-GAAP und IFRS basieren auf dem gleichen Leitgedanken, nämlich dem Fair Value-Prinzip“, sagt Bösser.

Einen großen Unterschied gibt es aber: Während IFRS auf festen Prinzipien basiert, zu denen es in der Praxis vereinzelt Ausnahmeregelungen gibt, ist US-GAAP sehr einzelfallorientiert und weist eine große Vielfalt von einzelnen Vorschriften auf. Das hat während des Konvergenzprojekts immer wieder zu Streitigkeiten geführt.

Im Dezember vergangenen Jahres wurde das Projekt schließlich für beendet erklärt – wie viel von der Konvergenzidee übriggeblieben ist, sieht man nicht zuletzt an dem neuen Standard zur Leasingbilanzierung. Auch dieser sollte ursprünglich gleich sein – die Diskussionen zwischen dem IASB und dem FASB waren ein Grund dafür, dass sich die Veröffentlichung des Standards so in die Länge gezogen hat.

US-Leasingbilanzierung regelt GuV-Ausweis anders

Die Grundidee, dass Leasingverbindlichkeiten in der Bilanz aufgezeigt werden müssen, ist zwar bei beiden Standards gleich. Unterschiedlich ist aber der Ausweis in der Gewinn-und-Verlustrechnung: Laut IFRS 16 müssen künftig Abschreibungen und Zinsaufwendungen progressiv in der GuV berücksichtigt werden, in den Anfangsjahren ist die Belastung damit also besonders hoch. Laut US-GAAP wird es aber die Möglichkeit geben, eine lineare Abschreibung vorzunehmen, erklärt Jochen Kirch, Leasingspezialist bei Ernst & Young.

Der Unterschied mag auf den ersten Blick nicht gravierend sein, doch für die Buchungssysteme der Unternehmen kann das zur Herausforderung werden: „Leasing ist eine der kompliziertesten Vorschriften für die Buchungslogik. Das System muss für ein und den selben Sachverhalt drei bis vier Mal unterschiedlich Buchungen vornehmen, je nachdem ob das Unternehmen zusätzlich noch nach HGB oder IFRS bilanzieren muss“, sagt Kirch.

Dass das Konvergenzprojekt für IFRS und US-GAAP irgendwann noch einmal in die zweite Runde geht, glauben die Bilanzierungsexperten nicht. „Es wurde einiges erreicht, aber bestimmte Unterschiede werden immer bleiben“, so Jörg Bösser. Stattdessen werde es wohl eher darauf hinauslaufen, dass die Akzeptanz von IFRS auch in den USA steige und US-GAAP mit den Jahren überflüssiger mache. Da die US-Standards in den vergangenen Jahren immer mehr an Bedeutung verloren haben, ist das kein unrealistisches Szenario – aber bei dem Tempo, das der IASB und FASB gewöhnlich an den Tag legen, dürfte das noch lange dauern.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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