20.02.12
Finanzabteilung

Nur für die Großen

Viele Großkonzerne veröffentlichen inzwischen eine CO2-Bilanz. Im Mittelstand ist Carbon Accounting dagegen kaum verbreitet. Dies könnte sich ändern.

Klimawandel – ja oder nein? Mit seinem Buch „Die kalte Sonne“ heizt RWE-Manager Fritz Vahrenholt derzeit die Debatte wieder neu an. Auf Unternehmensebene heruntergebrochen heißt das Thema „Carbon Accounting“ oder CO2-Bilanzierung, also die systematische Erfassung und gegebenenfalls Offenlegung von CO2-Emissionen. Carbon Accounting wird derzeit vor allem von Großkonzernen vorangetrieben. Adressat sind häufig Investoren: So unterstützen 655 institutionelle Investoren die britische NGO „Carbon Disclosure Project (CDP)“, denn erstens treiben ineffiziente Produktionsabläufe die Kosten und zweitens haben Klimasünder ein erhöhtes Reputationsrisiko. Einmal jährlich erhebt das CDP daher anhand von standardisierten Fragebögen auf freiwilliger Basis Daten und Informationen zu CO2-Emissionen, Klimarisiken und Reduktionszielen und -strategien von Unternehmen. Zahlreiche deutsche Konzerne wie die Deutsche Post, Volkswagen und Dürr beteiligen sich an dem Projekt.

Anders sieht es im Mittelstand aus. Dies ergab eine aktuelle Umfrage unter 1.000 vorwiegend mittelständischen Unternehmen weltweit des IT-Dienstleisters Epicor Software Cororporation. So gaben 58 Prozent der Umfrageteilnehmer an, noch nie etwas von dem Begriff Carbon Accounting gehört zu haben, 80 Prozent erfassen ihre CO2-Emmissionen nicht.

Dies hat zwei wesentliche Gründe: Erstens ist die CO2-Bilanzierung bisher in den meisten Ländern nicht verpflichtend. So müssen nichtfinanzielle Leistungsindikatoren nach dem deutschen Handelsrecht nur dann aufgenommen werden, wenn sie von Bedeutung für den Geschäftsverlauf sind. CO2 dürfte hier in aller Regel nicht drunter fallen. Zweitens ist Carbon Accounting alles andere als trivial. Denn wer sich an die Vorgaben des „Greenhouse Gas Protocol“ hält, misst seine Emissionen „End to end“. Nicht nur eigene Fabriken (Scope 1) und bezogene Energie (Scope 2), sondern auch Emissionen, die im Rahmen der Lieferkette bis hin zum Endverbraucher entstehen (Scope 3), müssen mit eingerechnet werden. Genau dies könnte aber auch dazu führen, dass sich mittelständische Zulieferbetriebe verstärkt mit dem Thema auseinandersetzen werden. Michael Werner, Nachhaltigkeitsexperte bei PwC, erwartet, dass das Thema trotz Klimaskeptiker und Staatenschuldenkrise weiter an Bedeutung gewinnen wird: „Die chinesische Regierung investiert massiv in die CO2-Reduzierung. Geschäfte werden dort zukünftig nur mit Green Economy gemacht.“ Für das Controlling und damit letztendlich auch für die CFOs von börsennotierten Unternehmen gehört das Thema jetzt auf die Agenda, nichtbörsennotierte Konzerne und Mittelständler sollten sich mittelfristig damit auseinandersetzen.

katharina.schlueter(*)finance-magazin(.)de