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Pearson-CFO Robin Freestone will IFRS entrümpeln

Pearson-CFO Robin Freestone fordert eine Reform des Bilanzierungsstandards IFRS.
Pearson

Für CFOs und ihr Buchhaltungspersonal wird die Lage immer schlimmer, meint Robin Freestone, CFO des Verlagshauses Pearson, das unter anderem die „Financial Times“ herausgibt. Die Tendenz, fehlerhafter Regulierung die Schuld an der Finanzkrise zu geben, habe einen Regulierungswahn ausgelöst, der mehr Schaden als Nutzen bringe. „Mehr Regulierung löst die Probleme nur selten und kostet viel Geld“, kritisiert Freestone.

Manche neue Regel hält Freestone aber für sinnvoll,  zum Beispiel einige Vorschläge des Financial Reporting Councils (FRC), die er für „vernünftig“ hält, weil sie zu einer besseren Qualität der Finanzberichte führen würden. „Wir sehen die zunehmende Komplexität, die in IFRS eingebaut wird. Es ist wahr, dass die Welt immer komplexer wird. Aber entscheidend ist doch, zu erklären, was in der Firma passiert.“ Der Pearson-CFO hält es für besorgniserregend, wenn Investoren Diskrepanzen zwischen den Zahlen und der Leistung des Unternehmens zu sehen bekämen.

M&A-Bilanzierung: Wertbeitrag statt Goodwill

Große Mängel sieht Freestone bei der Bilanzierung von M&A-Deals. „Wenn wir eine Akquisition durchführen, stecken wir viel Zeit in die Bewertung und die spätere Überprüfung der Werthaltigkeit im Rahmen von Impairment-Tests. Aber ich glaube, dass kein Analyst diese Zahlen nutzt“, kritisiert Freestone und spielt damit auch auf die aktuelle Diskussion um die Bilanzierung des Goodwills an.

Er würde es lieber sehen, wenn den Investoren die Erwartungen des Managements in Bezug auf den  Wertbeitrag des M&A-Targets transparent gemacht würden – „und dann natürlich auch, was davon sich später tatsächlich materialisiert.“ Manche Unternehmen – darunter Pearson – machen diese Angaben bereits freiwillig. Freestone meint, dass dies anstelle der Goodwill-Berechnung obligatorisch werden sollte.

Freestone plädiert für eine generelle Umkehr: Anstatt immer komplexere Reporting-Auflagen hinzuzufügen, sollten die Geschäftsberichte „entrümpelt“ werden. Idealerweise sollten die Regulierer bei den stetig wachsenden Angaben kürzen, die Unternehmen im Anhang machen müssen.

Freestone weiß, dass dies ein ehrgeiziges Ziel ist. Er wäre aber auch schon zufrieden damit, wenn die Wirtschaftsprüfer es Unternehmen erlauben würden, ihre Jahresberichte selbst zu entrümpeln. „Wenn ein CFO zu seinem Wirtschaftsprüfer geht und sagt: ‚Wir haben über diese Meldepflicht nachgedacht und finden, dass sie unnötig ist‘, dann sollten die Wirtschaftsprüfer genügend Freiraum haben, um dies zuzulassen.“ Aber selbst dann wäre der Weg lang und steinig. Selbst Pearson steht erst am Anfang, gibt Freestone zu.

steven.arons[at]finance-magazin.de

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