pne wind

23.08.16
Finanzabteilung

PNE Wind leistet sich zwei Bilanzierungsfehler

PNE Wind hat in seinem Jahresabschluss gepatzt. Wegen gleich zwei Fehlern rügen die Aufseher den Windparkprojektierer.

Der Windparkprojektierer PNE Wind hat sich im Jahresabschluss 2013 gleich zwei Fehler erlaubt. Das hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) jetzt festgestellt.

Der erste Fehler dreht sich um den Zukauf des Wettbewerbers WKN. Dabei hat PNE Wind den Geschäfts- und Firmenwert (Goodwill) um 8,7 Millionen Euro zu gering angesetzt. Der Grund laut Bafin: PNE habe bei der Transaktion sowohl Vermögenswerte als auch Schulden von WKN zu hoch eingeschätzt – dadurch sinkt die Differenz zum Kaufpreis, die als Goodwill bilanziert werden muss. Mit dieser Fehlkalkulation – offenbar ein Versehen – hat PNE Wind gegen den Rechnungsstandard IFRS verstoßen.

Zweitens bemängelt die Bafin die zu grob angegebene Jahresprognose von PNE Wind. Das Unternehmen hat die Entwicklung des Gewinns vor Zinsen und Steuern (Ebit) für drei Jahre zusammengenommen prognostiziert. Damit reflektiert PNE Wind das Geschäftsmodell, bei dem schwer absehbar ist, wann große Windparks an die Endabnehmer übergeben werden und damit zu Umsatz und Gewinn führen. Solche Deals macht PNE Wind nur wenige pro Jahr. Das Handelsgesetzbuch sieht allerdings vor, dass Unternehmen zusätzlich für jedes Geschäftsjahr eine einzelne Prognose abgeben müssen.

Den Geschäftsbericht 2013 hatte Deloitte geprüft.

PNE Wind war wegen Schlammschlacht in den Schlagzeilen

Die Aktie reagierte nur kurzzeitig mit größeren Verlusten auf den aufgedeckten Bilanzierungsfehler, dann erholte sich der Kurs. Die Investoren sind gerade erst dabei, wieder Vertrauen in die Führung von PNE Wind zu fassen. Das Cuxhavener Unternehmen war voriges Jahr in die Schlagzeilen geraten, weil sich Vorstandschef Martin Billhardt und Großaktionär Volker Friedrichsen eine veritable Schlammschlacht geliefert hatten.  

Auch damals ging es um Bewertungsfragen im Zusammenhang mit der Akquisition des Windparkprojektierers WKN, dessen Hauptaktionär Friedrichsen gewesen ist. Am Ende des Konflikts kehrte Billhardt PNE Wind den Rücken, Friedrichsen legte den Aufsichtsratsvorsitz nieder. Finanzchef blieb Jörg Klowat. Dessen Vertrag wurde erst vor wenigen Tagen bis März 2020 verlängert.

Der neue PNE-Chef Markus Lesser arbeitet gerade an einer richtungsweisenden Transaktion. Bis zum Jahresende soll ein großes Portfolio von selbst entwickelten Windparks an die Börse gebracht oder an Finanzinvestoren verkauft werden. Daraus erhofft sich PNE Wind Gewinne und Cash-Zuflüsse im dreistelligen Millionenbereich – Geld, das die Firma benötigt, um die angespannte Bilanz wieder zu entschärfen und eine ausstehende Anleihe zurückzuzahlen.

bita.mohammadi[at]finance-magazin.de