Geas Businessplan für die italienische Tochter Pavan ist gefloppt und kostet den Maschinenbauer viel Geld.

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28.01.20
Finanzabteilung

Private-Equity-Deal bringt Gea ins Stolpern

Weil ein 2017 abgeschlossener Deal mit dem Finanzinvestor Alpha schief gelaufen ist, muss Gea fast 250 Millionen Euro abschreiben. Der tatsächliche finanzielle Schaden dürfte sogar noch größer sein.

So hatte sich der Maschinenbauer Gea seinen Deal mit dem Finanzinvestor Alpha Private Equity sicherlich nicht vorgestellt. Zwei Jahre nach dem Kauf muss der MDax-Konzern den kompletten Goodwill der italienischen Pavan-Gruppe abschreiben: 248 Millionen Euro. Der Grund: Die aktuelle Geschäftsplanung für Pavan liege laut Gea weiterhin deutlich unter dem zum Kaufzeitpunkt angenommenen Businessplan. 

Alpha gelang mit Pavan ein „Quick Flip“

Gea hatte den italienischen Hersteller von Mahlmaschinen für Müsli- und Teigprodukte im September 2017 von Alpha übernommen und in den Geschäftsbereich „Equipment“ integriert. Der Kaufpreis wurde damals nicht kommuniziert. Er dürfte aber deutlich über den nun abgeschriebenen 248 Millionen gelegen haben, da der Goodwill lediglich die Differenz zwischen dem bezahlten Kaufpreis und dem bilanziellen Wert des gekauften Unternehmens abbildet. Aus diesem Grund liegt der tatsächliche finanzielle Schaden für Gea aus diesem Fehlgriff am M&A-Markt vermutlich noch höher.

Zum Zeitpunkt der Übernahme schien die Pavan-Gruppe noch gut in Schuss zu sein. Im Geschäftsjahr 2016 setzte sie laut Gea mit 700 Mitarbeitern rund 155 Millionen Euro um und verdiente vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) rund 29 Millionen Euro. Alpha Private Equity selbst hatte die 1946 gegründete Pavan-Gruppe erst im April 2015 übernommen. Für den PE-Investor war es also ein „Quick Flip“, wie solche Kurzzeit-Investments in der PE-Branche heißen. Alpha bezeichnet sich als Midmarket-Investor und investiert nach eigener Aussage in Unternehmen, die zwischen 100 Millionen und 500 Millionen Euro Unternehmenswert auf die Waage bringen.

Neu-CFO Ketter muss Gea restrukturieren

Mit dem Zukauf wollte Gea seine Kerngeschäftsfelder stärken. Der damalige CEO Jürg Oleas bezeichnete die Transaktion als „wichtigen Meilenstein unserer Wachstumsstrategie“. Heute weiß man, dass Oleas‘ M&A-getriebenes Vorgehen zu einem Wildwuchs führte, der Gea heute schwer steuerbar macht. Das nach einer Serie von Gewinnwarnungen 2019 neu angetretene Management um CEO Stefan Klebert und CFO Marcus Ketter, der im Mai 2019 vom deutschen Stahlhändler Klöckner & Co. kam, versucht, mit tiefen Einschnitten in die Organisation und die IT-Landschaft, Gea nun wieder zu straffen.

Das Restrukturierungsprogramm sieht unter anderem den Abbau von 800 Stellen bis Ende dieses Jahres vor. Eine zusammen mit der Pavan-Abschreibung bekanntgegebene Zahl zeigt, dass Klebert und Ketter Druck machen: Statt 55 Millionen Euro seien 2019 auf Ebitda-Ebene 105 Millionen Euro an Restrukturierungsaufand verbucht worden.

Der Restrukturierungsplan sieht außerdem den Verkauf von Randbereichen vor, die zusammen rund 200 Millionen Euro Umsatz machen. Das betrifft Teile der Landwirtschafts- und Kältetechnik. 

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Ziel ist es, die Ebitda-Marge vor Restrukturierungsaufwand von 9,8 Prozent im Jahr 2019 mittelfristig auf 11,5 bis 13,5 Prozent zu steigern. Bis 2022 soll der Umsatz jährlich im Schnitt um 2 bis 3 Prozent zulegen. Doch zuvor reißt die Pavan-Abschreibung Gea für 2019 in die Verlustzone – nicht nur unter dem Strich, sondern auch auf Ebene des Ebits.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de