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11.05.18
Finanzabteilung

Steinhoff bereitet Investoren auf weitere Abschreibungen vor

Die Bilanzforensiker von PwC haben keine guten Nachrichten: Auf den Möbelkonzern Steinhoff könnten weitere Wertberichtigungen zukommen. Für die Aktie bedeutet das ein neues Allzeittief.

Der schwer angeschlagene Möbelhändler Steinhoff bereitet seine Investoren auf mögliche unangenehme Überraschungen vor. Es könnte zu weiteren Wertberichtigungen kommen, gab das Unternehmen in einem Update zum aktuellen Prüfungsprozess von PwC bekannt. Die Wirtschaftsprüfer sind von dem Unternehmen beauftragt, den Bilanzskandal in einer forensischen Untersuchung aufzuarbeiten.

Das vorläufige Ergebnis der ersten viereinhalb Monate: PwC bestätigt die Unregelmäßigkeiten, die bereits vom aktuellen Abschlussprüfer Deloitte identifiziert worden waren. Seit Dezember ist bekannt, dass das Unternehmen bei bestimmten nicht-südafrikanischen Assets mit einem Wert von rund 6 Milliarden Euro mit Wertberichtigungen rechnen muss. Die schlechte Nachricht für Investoren ist nun, dass das nicht alles sein könnte.

PwC geht davon aus, dass es zu weiteren Wertminderungen kommen könnte. Um welche Summe es sich dabei handelt, werde derzeit berechnet. Weitere Details will das Unternehmen im Juni bekanntgeben. Dann soll es eine Präsentation mit dem ungeprüften Zwischenergebnis der Gruppe geben. Der Konzern musste wegen der Bilanzunregelmäßigkeiten die Vorlage der Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr mehrfach verschieben. Bis zum Jahresende sollen die geprüften Zahlen für 2017 vorliegen.

Die schlechten Nachrichten von Seiten der Forensiker brachten die ohnehin schwer gebeutelte Aktie des deutsch-südafrikanischen Konzerns erneut massiv unter Druck: Mit 0,11 Euro erreichte das Papier einen neusten Tiefststand. Der drastische Verlust an Börsenwert sorgte bereits im März für den Abstieg des Möbelkonzerns vom M- in den SDax.

Der Fall der Steinhoff-Aktie seit November 2017

Steinhoff kommt beim Schuldenabbau voran

Auf der Schuldenseite kann der Konzern dagegen Fortschritte vermelden: Steinhoff rechnet damit, dass es seine Schulden aus dem südafrikanischen Geschäft in Kürze vollständig abbauen kann. Von den 10,4 Milliarden Euro an Schulden, die zum 31. März auf dem Konzern lasteten, entfallen rund 1,4 Milliarden Euro auf diese Region. Seit diesem Stichtag hat der Konzern bereits weitere 200 Millionen Euro zurückgezahlt.
 
Bleibt noch der Löwenanteil der Schulden von rund 8,7 Milliarden Euro, der auf das europäische Geschäft fällt, sowie der deutlich kleinere Anteil von 250 Millionen Euro Schulden in den USA. Für diese Summen laufen die Verhandlungen mit den Investoren weiter. Darunter sind auch Schuldscheingläubiger.

Nächster wichtiger Schritt: Am 18. Mai will das Unternehmen den Geldgebern einen aktualisierten Restrukturierungsplan vorlegen. Zuletzt hatte sich der Möbelkonzern vor allem über einen Brückenkredit und Notverkäufe über Wasser gehalten. Liquidität nur über Verkaufsmaßnahmen zu generieren, sei aber nicht nachhaltig, wie das Unternehmen selbst zugibt.

Steinhoff-Skandal bringt Rechtsstreitigkeiten mit sich

Hinzu kommen diverse Rechtsstreitigkeiten, die der Konzern nach und nach abarbeiten will, wie Steinhoff darlegt. Mit dem Verkauf seiner Beteiligung an der deutschen Billigmöbelkette Poco an den Mitgesellschafter XXXLutz konnte Steinhoff bereits einen Rechtsstreit beilegen. Beide Parteien hatten um die Macht bei Poco gestritten. Eine Klage von XXXLutz-Eigentümer Andreas Seifert hatte den Bilanzskandal von Steinhoff ins Rollen gebracht.

Nicht nur Steinhoff selbst sieht sich mit möglichen rechtlichen Konsequenzen konfrontiert: Im April war bekannt geworden, dass der Commerzbank eine Klage seitens des niederländischen Investorenverbands VEB droht. Dieser hatte zuvor bereits den Wirtschaftsprüfer Deloitte ins Visier genommen.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

Der südafrikanisch-deutsche Möbelkonzern kämpft nach dem Bilanzskandal an verschiedenen Fronten um sein Überleben. Bleiben Sie auf dem Laufenden mit der FINANCE-Themenseite zu Steinhoff.