Steinhoff

30.01.18
Finanzabteilung

Steinhoff kann die Bilanz nicht vorlegen

Steinhoff verschiebt die Vorlage des Jahresabschlusses 2016/17 erneut nach hinten. Wann der Bericht kommt, weiß der Konzern selbst nicht. Alles hängt an den Bilanz-Forensikern von PwC.

Nächste Hiobsbotschaft für die Investoren des schwer angeschlagenen Möbelhändlers Steinhoff: Sie bleiben über die tatsächliche Finanzlage des MDax-Konzerns weiter im Dunkeln. Steinhoff gab heute Mittag bekannt, dass sich die Vorlage des Jahresabschlusses für das Geschäftsjahr 2016/17 weiter verzögert. Die Bilanz hätte bis zum 31. Januar abgeliefert werden müssen.

Nun drohen Steinhoff Sanktionen seitens der Börsen in Frankfurt und Johannesburg, an denen der Konzern gelistet ist. Diese reichen von Ermahnungen über Strafzahlungen bis hin zum Rauswurf aus den Indizes. Das Steinhoff-Management hat derzeit aber andere Sorgen: Es klaffen riesige Finanzlöcher – womöglich in Milliardenhöhe –, und der Abstieg der eingebrochenen Aktie aus dem MDax ist ebenfalls nicht mehr abzuwenden.     

Steinhoff verspricht Update „as soon as possible“

Wie Steinhoff erklärt, haben die vom Unternehmen beauftragten Sonderprüfer von PwC ihre Untersuchungen zur Finanzlage noch nicht beendet. PwC prüft nicht nur die Bilanzen für 2017, sondern auch für die Geschäftsjahre 2016 und 2015. „Die Untersuchung läuft noch“, schreibt Steinhoff.

PwC ist damit betraut, Hinweisen auf mögliche Bilanzfälschungen und Fehlbuchungen in dem weit verzweigten Möbelkonzern auf den Grund zu gehen. Auch die Finanzaufsicht am Holding-Sitz in den Niederlanden wurde über die neuerlichen Verzögerungen informiert. „Wir werden ein Update zu den Untersuchungen liefern, sobald wir dazu in der Lage sind“, verspricht Steinhoff.

Außerdem gab Steinhoff bekannt, dass zu den bestehenden Schwierigkeiten nun auch noch eine Anforderung der südafrikanischen Behörden eingegangen sei, ihnen binnen sechs Monaten einen Bericht über die aufgetretenen Unregelmäßigkeiten zuzustellen.  

Aktienkurs von Steinhoff kippt schon wieder

In Folge der neuen Nachrichten büßte die Steinhoff-Aktie rund 6 Prozent ein. Damit kippt der Aktienkurschart schon wieder. Seit Jahresbeginn hatten noch diverse Meldungen, dass Steinhoff Fortschritte bei der Sicherstellung der Liquidität macht, das Papier um über 60 Prozent nach oben getrieben. Unter anderem hatte Steinhoff erfolgreich über einen Notkredit mit einem Volumen von bis zu 200 Millionen Euro verhandelt und für rund eine halbe Milliarde Euro Aktien der südafrikanischen Unternehmensgruppe PSG verkauft.

Für etwas Beruhigung sorgten auch der Austausch des CFOs und des Chef-Treasurers. Auf Sicht von drei Monaten beläuft sich der Kursrückgang aber immer noch auf beträchtliche 86 Prozent.  

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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