Der kriselnde Steinhoff-Konzern wird auch im April seine Bilanz für das Geschäftsjahr 2016/2017 vorlegen können. Der detaillierte Überblick über die Finanzen scheint weiter zu fehlen.

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15.02.18
Finanzabteilung

Steinhoff läuft bei Bilanzvorlage die Zeit davon

Der Möbelkonzern Steinhoff kann seine Bilanz auch nicht zur Hauptversammlung im April vorlegen. Sanktionen werden für das Krisenunternehmen immer wahrscheinlicher.

Die Aktionäre des schwer angeschlagenen Möbelkonzerns Steinhoff müssen noch länger als befürchtet auf die lange überfälligen Zahlen für das Geschäftsjahr 2016/2017 (Stichtag: 30. September) warten. Wie der deutsch-südafrikanische Konzern bekanntgab, werde man die Bilanz – anders als von vielen Marktbeobachtern erhofft – nicht zur Hauptversammlung am 20. April vorlegen können. Steinhoff will dort nun lediglich über die Besetzung einiger Positionen im Vorstand und Aufsichtsrat abstimmen lassen.

Grund für die Verzögerung sei die andauernde Prüfung durch die externen Berater von PwC, die derzeit die Bilanzunregelmäßigkeiten bei dem Möbelkonzern untersuchen. Aufgrund der sehr undurchsichtigen Zahlenlage musste Steinhoff die Vorlage der Geschäftszahlen bereits zweimal verschieben. Zuerst im Dezember zum Aufkommen des Skandals, dann noch einmal Ende Januar.

Steinhoff-Management und PwC im Dickicht

Das Steinhoff-Management und PwC scheinen große Probleme zu haben, die Zahlungsströme im verzweigten Firmengeflecht des Möbelkonglomerats nachvollziehen zu können. Und die wahrscheinlichen Fehlbuchungen treffen sogar noch weitere Jahrgänge: So muss der Konzern zusätzlich auch noch die Bilanzzahlen für 2016 und in Teilen sogar für 2015 überprüfen.

Steinhoff läuft nun die Zeit davon: Dem Möbelriesen drohen seitens der Frankfurter und der Johannesburger Börse wegen der Verzögerung Ermahnungen, Strafzahlungen und der Rauswurf aus wichtigen Indizes. Südafrikanische Behörden forderten bereits im Januar die Zusendung eines Berichts über die Bilanzprobleme binnen sechs Monaten. Dieser Termin liegt somit im Juni.

Hinzu kommt, dass Steinhoff um die Erhaltung seiner Liquidität kämpft. Über einen Notkredit hatte sich das Unternehmen im Januar 200 Millionen Euro gesichert. Zuletzt hatte das Management mit den Banken und Bondholdern über ein Stillhalteabkommen verhandelt. Über Notverkäufe wie das Abschmelzen der Beteiligung an dem Mischkonzern PSG will Steinhoff bis zu 1 Milliarde Euro erlösen.

Steinhoff verpflichtet Chef-Restrukturierer von KPMG

Bislang hat der Steinhoff-Skandal am Kapitalmarkt schon rund 20 Milliarden Euro Börsenwert vernichtet. Auch die Anleihe notieren weit unter par, Bankkredite sollen zu Kursen von 40 bis 50 Prozent den Besitzer wechseln. Beide Gläubigergruppen – die Banken sowie die Anleihe- und Schuldscheingläubiger – bangen um ihre milliardenschweren Kreditforderungen.

Eine Steinhoff-Aktie kostet inzwischen nur noch rund 40 Cent. Vor wenigen Tagen zwangen Gläubigerbanken Ex-Aufsichtsratschef Christo Wiese dazu, seine Beteiligung zu dritteln. Seinen Ex-Chef Markus Jooste hat Steinhoff angezeigt – unter anderem wegen des Verdachts auf Korruption.

Dafür hat Steinhoff heute sein Management um einen weiteren erfahrenen Sanierer ergänzt. Neuer Chief Restructuring Officer (CRO) wird Richard Heis. Der Brite kommt von KPMG, wo er aus London heraus das globale Restrukturierungsteam geleitet hat.

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