Immer neue Buß- und Zwangsgelder für die Deutsche Cannabis: Für das Investmenthaus wird das zur gefährlichen Bedrohung.

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12.03.19
Finanzabteilung

Strafenregen für die Deutsche Cannabis AG

Die Deutsche Cannabis AG hat ein volles Strafkonto: BaFin und Justiz haben ganze vier Verfahren gegen das Investmenthaus am Laufen. Und das ist noch nicht alles.

Die Deutsche Cannabis AG hat offenbar gravierende Probleme mit ihrer Finanzberichterstattung. Ende vergangener Woche gab die Finanzaufsicht BaFin bekannt, schon wieder ein Bußgeld gegen das Investmenthaus verhängt zu haben, dessen primärer Geschäftszweck die Beteiligung an US-Cannabisproduzenten ist.

Die Deutsche Cannabis soll 120.000 Euro zahlen, weil sie ihre Jahresfinanzberichte für 2015 und 2016 nicht rechtzeitig veröffentlicht hat. Laut BaFin hat die Deutsche Cannabis AG gegen den Bußgeldbescheid Einspruch eingelegt.

Deutsche Cannabis AG ist Wiederholungstäter

Und die Behörden haben noch mehr Forderungen gegen den Finanzinvestor. Im Dezember 2017 wurde die Deutsche Cannabis zu 375.000 Euro verdonnert, weil sie nicht ordnungsgemäß veröffentlicht hatte, wie sich die Gesamtzahl der Stimmrechte veränderte. Auch dagegen legte das Unternehmen Beschwerde ein. Insgesamt summieren sich die BaFin-Forderungen also auf fast eine halbe Million Euro.

Diese Forderungen reihen sich in weitere potentielle Verfehlungen aus der Vergangenheit ein: Im September 2016 kassierte die Deutsche Cannabis AG eine Strafe in Höhe von 140.000 Euro. Damals wurden die Jahresbilanzen von 2011 bis 2014 nicht rechtzeitig veröffentlicht. „Als die F.A.M.E AG 2014 zur Deutschen Cannabis geworden ist, hat keine geordnete Übergabe durch den damaligen Vorstand stattgefunden“, rechtfertigte sich Geschäftsführer André Müller damals.

Deutsche Cannabis AG hat langes Strafenregister

Neben den Bußgeldern sind aktuell auch noch zwei Zwangsgelder offen. Bei beiden Verwaltungsverfahren geht es darum, dass der BaFin und dem Unternehmensregister nicht mitgeteilt wurde, dass die Geschäftsberichte 2015 und 2016 sowie der Halbjahresbericht 2017 verfügbar sind. Die Zwangsgelder für diese beiden Fälle summieren sich auf 705.000 Euro.

Im Gegensatz zu Bußgeldern, die bei Verstößen fällig werden, dienen Zwangsgelder dazu, Unternehmen an ihre Pflichten zu erinnern. Sie haben keinen Strafcharakter und werden fallen gelassen, wenn das Unternehmen innerhalb einer Mahnfrist den Forderungen nachkommt. Falls nicht, müssen Unternehmen die Zwangsgelder bezahlen.

„Neben uns hat auch das Bundesamt für Justiz die Deutsche Cannabis auf dem Radar", sagt die Finanzaufsicht. Dieses hat insgesamt sogar 17 Ordnungsgelder verhängt, ebenfalls wegen versäumter Fristen bei der Veröffentlichung von Finanzberichten. Die Ordnungsgelder summieren sich auf 562.500 Euro, wodurch sich das Strafkonto der Cannabis AG all-in auf fast 1,8 Millionen Euro erhöht.

„Neben uns hat auch das Bundesamt für Justiz die Deutsche Cannabis auf dem Radar." 

BaFin

Deutsche Cannabis AG legt Widerspruch ein

Gegen so gut wie alle Buß- und Ordnungsgeldbescheide setzt sich die Deutsche Cannabis zur Wehr, es sind zahlreiche Widersprüche des Unternehmens dokumentiert. Dies verhindert zumindest, dass für Strafzahlungen kurzfristig Cash aus der Unternehmenskasse abfließt. Doch darüber, ob das Unternehmen auch die Ursache der Schwierigkeiten angeht, kann nur spekuliert werden. Die FINANCE-Frage, wieso das Unternehmen nicht pünktlich und ordnungsgemäß die Zahlen vorlegt, wollte die Deutsche Cannabis AG nicht beantworten. Zur Begründung verwies die Firma darauf, dass die Verfahren noch liefen.

Dabei ist diese Frage von erheblicher Bedeutung für das weitere Schicksal des Unternehmens. Laut des veröffentlichten, aber ungeprüften Geschäftsberichts 2017, verfügte die Deutsche Cannabis AG zu diesem Zeitpunkt über einen Kassenbestand von 317.000 Euro und eine Bilanzsumme von 4,2 Millionen Euro. Dies vergleicht sich mit offenen Forderungen der Behörden in Höhe von rund 1,8 Millionen Euro. Die aktuelle Marktkapitalisierung beträgt rund 8,6 Millionen Euro. Es erscheint denkbar, dass es in der Unternehmenszentrale der Deutschen Cannabis AG schon einmal entspannter zuging.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de