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Von der Wirtschaftsprüfung zur Risikoberatung

Mehr als nackte Zahlen: Wirtschaftsprüfer verbreitern ihr Angebot um Beratungsleistungen.
iStock / Thinkstock / Getty Images

Der Markt der Wirtschaftsprüfer ist gesättigt. Das Prüfunternehmen Deloitte rechnet mit einer Seitwärtsbewegung der Branche und beruft sich dabei auf Zahlen des Marktforschungsunternehmens Lünendonk. In Deutschland schätzen die Marktforscher demnach den Umsatz der Branche auf derzeit 11 Milliarden Euro jährlich. Für die kommenden fünf Jahre wird eine jährliche Steigerung von durchschnittlich 3,3 Prozent erwartet.

Angesichts der vergleichsweise bescheidenen Wachstumsaussichten verwundert es nicht, dass sich die Beratungshäuser breiter aufstellen wollen. Insbesondere die Big Four Ernst & Young, Deloitte, KPMG und PwC bauen ihr Geschäft jenseits der reinen Prüfung aus. „Das größte Wachstumspotential der Professional Services Firmen liegt in den Segmenten Steuern, Corporate Finance und Unternehmensberatung“, teilte Deloitte auf Anfrage von FINANCE mit.

Großen Beratungsbedarf sieht das Haus durch den komplexer werdenden globalen Wirtschaftsraum. Beispielsweise bei der Entsendung von Mitarbeitern ins Ausland und in internationalen Steuerfragen würden verstärkt Beratungsleistungen nachgefragt, um auch Risiken besser einschätzen zu können. M&A-Deals und Joint Ventures trieben zuletzt das Wachstum in der Corporate-Finance-Beratung. „Insgesamt strebt die Branche aufgrund der steigenden Kundennachfrage nach integrierten Leistungen einen Ausbau ihres Advisory-Angebots an“, heißt es in der Deloitte-Stellungnahme.

Auch Rivale PwC verfolgt die Strategie, die Angebotspalette zu erweitern. So haben sich die PwC-Ländergesellschaften aus Deutschland, den Niederlanden und Österreich erst vor kurzem zur PwC Europe zusammengeschlossen. Damit will das Wirtschaftsprüfungsunternehmen auch der „Internationalisierung der Wirtschaft folgen“, wie Norbert Winkeljohann, Chef von PwC Deutschland kürzlich im Interview mit der FAZ sagte. Zwar konnte PwC seinen Umsatz in Deutschland im Geschäftsjahr 2011/12 um 3 Prozent steigern, doch mit der „klassischen Wirtschaftsprüfung erzielen wir derzeit eher schwächere Wachstumsraten“, räumte er ein.

Wirtschaftsprüfer kaufen zu

Immer wieder kaufen sich Wirtschaftsprüfer daher Beratungs-Know-how ein. Dieses Frühjahr kamen etwa neue Spekulationen auf, dass die Unternehmensberatung Roland Berger erneut mit Deloitte über eine Fusion verhandele. Bereits vor rund drei Jahren war ein erster Anlauf zum Zusammenschluss gestartet worden, der nach FINANCE-Informationen am starken Widerstand im Partnerkreis von Roland Berger gescheitert war.

Die Konsolidierung  der Branche läuft jedoch auf Hochtouren. Zum Jahresbeginn 2013 hatte Deloitte die Strategieberatung Monitor übernommen. Danach kaufte Ernst & Young die Beratungsfirma J&M Management Consulting und der Berater Booz übernahm die Düsseldorfer Management Engineers. 2012 hatte KPMG die Beratung Brainnet übernommen und PwC hatte sich PRTM Management Consulting einverleibt. Ein ähnlicher Prozess hatte vor wenigen Jahren unter den Wirtschaftsprüfern für das Erstarken der Big Four gesorgt.

Nun stehen die WPs selbst vor großen Veränderungen und reagieren. Der Fokus liegt stärker auf Beratung. So rückte die Prüfgesellschaft BDO bereits im vergangenen Jahr davon ab, nur noch Prüfungsleistungen anzubieten. „In der Tat vollziehen wir mit dem Ausbau des Beratungsgeschäfts einen Strategieschwenk“, sagte BDO-Chef Holger Otte vor rund einem Jahr im Gespräch mit FINANCE. Dieser käme im Wesentlichen aus dem Markt heraus.

Mittelständler, aufstrebende Kapitalmarktunternehmen und Familienunternehmen wünschten sich verstärkt einen „integrierten Ansatz“, so Otte. Daher wurde auch die neue Marke BDO Legal geschaffen, die Rechtsberatung anbietet; bis dahin lediglich ein Randfeld von BDO. Insgesamt peilt das Unternehmen an in den kommenden Jahren den Umsatzanteil der Beratungsleistungen von 10 Prozent vor dem Strategiewechsel auf bis zu 25 Prozent auszubauen. Unter dem Ausbau der Beratungskompetenz in den WP-Häusern ächzen auch die traditionellen Berater. So klagen etwa M&A-Berater, dass die Big Four bei Pitches mittlerweile zu den günstigsten Bietern zählen.

Die Beispiele zeigen: Die großen Wirtschaftsprüfer haben längst auf die Veränderungen des Marktes reagiert. Wenn die gesetzlich vorgeschriebene Prüfung weiter an Bedeutung verliert, wie es Klaus-Peter Naumann, Vorstandssprecher des Instituts der Wirtschaftsprüfer (IDW), vorhersieht, werden wohl weiterhin die kleinen Unternehmen zu den Verlierern gehören. Im IDW sind über 1.300 Wirtschaftsprüfer und fast 2.800 Wirtschaftsprüfungsgesellschaften organisiert. Doch die Verbreiterung der Aufgaben von Wirtschaftsprüfern bietet auch eine Chance für kleinere Prüfgesellschaften. Denn nur als echter Generalist kann der Prüfer auch ein Sparringspartner des CFO sein und sich dennoch vom reinen Berater abheben.

anne-kathrin.meves[at]finance-magazin.de

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