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Wirtschaftsprüferkammer geht in die Offensive

In der letzten Zeit stand die Wirtschaftsprüferkammer in der Kritik – der neue Präsident wehrt sich nun.
Wirtschaftsprüferkammer

Es ist eine Forderung, die schon seit Jahren von der Wirtschaftsprüferkammer WPK zu hören ist: Der Berufsstand der Wirtschaftsprüfer soll seine Streitereien beilegen, um sich den Herausforderungen der Zukunft stellen zu können. Bisher blieb sie aber ohne Erfolg – mit Gerhard Ziegler will nun ein neuer Präsident sein Glück versuchen. Der Wirtschaftsprüfer und Steuerberater, der kürzlich zum Präsidenten der Kammer gewählt wurde, geht in die Offensive: In der kommenden Wahlperiode 2014 bis 2018 soll sich einiges verändern. Dazu gehört vor allem die Verstärkung der Öffentlichkeitsarbeit, womit der Vorstand „dem in jüngerer Zeit von wenigen WPK-Mitgliedern aufgebauten Kommunikationsdruck entgegenwirken will“, wie es heißt.

Gemeint sind damit vor allem die kritischen Einwürfe von Michael Gschrei, dem Geschäftsführer des Verbands für mittelständische Wirtschaftsprüfung Wp.net. Er hatte das Vorgehen bei der Vorstandswahl kürzlich als „massiven Verstoß gegen das Demokratieprinzip“ bezeichnet. Der Grund: Obwohl die Wp.net-Liste bei der Beiratswahl die meisten Stimmen erhalten hat, wurde kein einziger Kandidat in den Vorstand gewählt.

Das sei laut Gschrei ein Beweis dafür, dass im Vorstand die Big 4 (Deloitte, KPMG, Ernst&Young, PwC) regieren, während kleinere Wirtschaftsprüfungsgesellschaften kein Mitspracherecht hätten. Ziegler fand nun offene Worte für die Vorwürfe: Nur vier Kandidaten im Vorstand seien von den Big 4, neun weitere seien hingegen Mittelständler. Allerdings haben alle Kandidaten ähnliche inhaltliche Vorstellungen, gibt er zu.

WPK: Vorwürfe belasten zunehmend

Und Ziegler holt zur Gegenrede aus, wirft Gschrei vor, dass eine konstruktive Zusammenarbeit mit ihm kaum möglich sei. Statt immer wieder auf Probleme in der Vergangenheit zurückkommen, sei hingegen ein Blick nach vorne erforderlich. Gschrei war im Jahr 2011 zum Kammerpräsidenten gewählt worden, musste aber wegen des fehlenden internen Rückhalts zurücktreten. „Wir haben wichtigere Dinge zu tun als Vergangenheitsbewältigung“, sagt Ziegler – gemeint sind damit vor allem die neuen Regelungen der EU, in denen es beispielsweise um die Rotationspflicht der Prüfer geht, die bald die volle Energie der Wirtschaftsprüfer beanspruchen würden.

Die Beiratswahl wurde nun von einigen Mitgliedern der Wirtschaftsprüferkammer angefochten. Am 3. November soll von der Unabhängigen Wahlkommission über die Anfechtung der Wahl entschieden werden. Bis dahin ist die Wirtschaftsprüferkammer zwar voll handlungsfähig. „Aber solange der Vorwurf nicht endgültig ad acta gelegt werden kann, wird es Unruhe geben“, beklagt Ziegler.

Zusammenarbeit mit APAK leidet

Für weitere Unruhe sorgt, dass im Juli der Wirtschaftsprüferkammer vorgeworfen wurde, ausgerechnet in ihrer eigenen Bilanz Beträge falsch ausgewiesen zu haben. So soll ein Fehlbetrag von knapp 600.000 Euro im Jahr 2013 ausgeglichen worden sein, indem ihm Beiträge gegenübergestellt wurden, die erst 2015 entstehen sollten, wie das „Handelsblatt“ berichtete. Auch das bestreitet Ziegler und will  mit einem Gutachten seine Haltung untermauern, das er in Auftrag gegeben hat. Nicht zuletzt will Ziegler stärker in einen konstruktiven Dialog mit der Prüferaufsicht APAK treten. „Wir brauchen das Vertrauen der APAK“, sagt er. Dieses hatte in der Vergangenheit gelitten, da die APAK in letzter Zeit ernster Kritik einiger Mitglieder ausgesetzt war, dabei ging es unter anderem um die Aufwandsentschädigungen der APAK-Mitglieder.

Vor dem Hintergrund des Plans der EU, der APAK mehr Kompetenz zuzusprechen, ist ein gutes Verhältnis zur APAK für die WPK allerdings von zentraler Bedeutung. Ein Berufsstand, der einheitlich auftritt und seine internen Konflikte beilegt, ist dafür die Voraussetzung.

julia.becker[at]finance-magazin.de

Info

Anmerkung der Redaktion:
In einer vorherigen Version des Artikels hieß es, Michael Gschrei habe die Wahl von Gerhard Ziegler angefochten. Dies ist unzutreffend. Richtig ist, dass die Beiratswahl von mehreren Mitgliedern der Wirtschaftsprüferkammer angefochten wurde.

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