Das Controlling-Team von Bosch Powertrain Solutions ist mit dem Preis des Internationalen Controller Vereins ausgezeichnet worden.

Bosch

26.04.18
Finanzabteilung

Bosch Powertrain Solutions gewinnt Controller-Preis

Die Bosch-Tochter Powertrain Solutions hat nach Wegen gesucht, ihr Working Capital zu optimieren. Die Lösung war eine neuartige Big-Data-Software. Dafür wurde das Controlling des Konzerns jetzt mit dem Controller-Preis ausgezeichnet.

Es ist ein typisches Problem, das jedes Unternehmen kennen dürfte: Ein Kunde hat eine schlechte Zahlungsmoral, jedes Mal zahlt er zu spät. Wie damit umgehen? Meist sieht die Lösung so aus, dass ein Mitarbeiter den Kunden kontaktiert und versucht herauszufinden, was der Grund für die Säumnis ist. Gerade, wenn der Kunde ein großer, komplexer Konzern ist, kann die Suche nach der Ursache aber ein langwieriger Prozess werden. Nicht selten gibt es diverse Schleifen, die Erfolgsaussichten sind nicht immer hoch.

Mit ähnlichen Schwierigkeiten kämpfte Bosch Powertrain Solutions früher auch. Jetzt versucht die Bosch-Tochter, die auf Elektromobilität fokussiert ist, das Problem mit Hilfe von Big Data zurück zu drängen: „Ein spezielles Tool scannt die Daten unserer Transaktionssysteme und gibt uns Hinweise zur Verbesserung unseres Net Working Capital“, sagt Oliver Seitz, Kaufmännischer Leiter der Powertrain Solutions Division Finance & Controlling. In einem konkreten Fall zeigte sich beispielsweise, dass die Zahlungsverspätungen eines Kunden nicht konzernweit auftraten, sondern nur in der Niederlassung in Schweden. Damit war der Ansprechpartner klar – und das Problem anschließend schnell behoben.

Bosch will Erfahrungen mit Big-Data-Analytics sammeln

Möglich hat das ein Projekt gemacht, das das Controlling von Bosch Powertrain Solutions 2017 gestartet hat. Dafür wurde das Team jetzt mit dem „ICV Controlling Award 2018“ des Internationalen Controller Vereins ausgezeichnet.

„Durch den datengetriebenen Ansatz konnte das Controlling ausgetretene Pfade verlassen.“

Oliver Seitz, Bosch Powertrain Solutions

Die Frage, die sich die Controller gestellt haben: Wie können wir mithilfe von Big Data und neuer Technologien unser Working-Capital-Management verbessern? „Daneben war es uns auch sehr wichtig, generell mehr Erfahrungen mit Big-Data-Analytics zu sammeln“, so Seitz. Das Controlling-Team machte sich auf die Suche nach einem neuen Tool. Wichtig war dabei unter anderem, dass es in die IT-Landschaft passt und nutzerfreundlich ist. Die Software-Lösung eines Start-ups, dessen Namen Powertrain Solutions allerdings nicht nennen möchte, erfüllte die Anforderungen schließlich.

Das Tool funktioniert so, dass es in großen Datenmengen nach statistischen Korrelationen sucht und diese auf Knopfdruck ausgibt. „Durch diesen datengetriebenen Ansatz konnte das Controlling ausgetretene Pfade verlassen und bisher unbekannte Potenziale aufdecken“, erklärt Oliver Seitz. Doch so gut die Software auch Korrelationen findet – Seitz argumentiert, dass es immer noch den Controller brauche, der entscheidet, ob ein vorgeschlagener Pfad tatsächlich weiter verfolgt werden soll. „Manche Korrelationen des Tools haben auch in eine Sackgasse geführt“, berichtet der Bosch-Controller.

Neues Rollenverständnis für die Controller

Die Einführung der Analytics-Lösung hat auch das Rollenverständnis der Controller bei Bosch verändert: Das Tool ersetzt die langwierige Erstellung von Berichten und Tabellen, der Controller konzentriert sich auf die wertschöpfende Tätigkeit der Bewertung. Hinzu kommt, dass die Controller sich inzwischen auch als Leiter cross-funktionaler Teams verstehen müssen. Die Hinweise, die die Software gibt, können sich auf diverse Abteilungen wie Logistik oder Sales beziehen. Die Controller müssen dann auf die jeweiligen Abteilungen zugehen und gemeinsam Lösungen erarbeiten.

Das Controlling-Team ist sich sicher, dass das Tool zu Effizienzsteigerungen führen wird. Beziffern kann es diese allerdings noch nicht, denn anders als bei früheren Projekten ging diesem keine langwierige Analyse von Kosten und Nutzen voran. „Das haben wir bewusst so gemacht, da wir einerseits fest von dem Nutzen der Software überzeugt sind, andererseits aber auch nur niedrige Anfangsinvestitionen haben. Das Risiko war von Anfang an gering“, erklärt Oliver Seitz. Geschwindigkeit sei wichtiger gewesen, als die Höhe der Einsparungen im Vorhinein genau zu bewerten.

Selbst wenn sich herausstellen würde, dass die Kosten den Nutzen langfristig doch übersteigen und die Nutzung des Tools eingestellt würde, „dann hätten wir zumindest wertvolle erste Erfahrungen mit Big-Data-Analytics sammeln können, wovon wir in Zukunft profitieren werden“, so Seitz.

„Geschwindigkeit war uns wichtiger als die Höhe der Einsparungen im Vorhinein genau zu bewerten.“

Oliver Seitz, Bosch Powertrain Solutions

Powertrain Solutions als Vorreiter für den Bosch-Konzern

Nach einer Testphase geht das Big-Data-Tool nun in Kürze live. Es ist gut denkbar, dass es nicht nur für das Working-Capital-Management von Bosch Powertrain Solutions genutzt wird: „Nach den weiteren Erfahrungen, die wir machen werden, könnten wir die Software auch für andere Themenstellungen und sogar in anderen Sparten des Bosch-Konzerns einsetzen“, sagt Seitz.

Powertrain Solutions ist zwar der Vorreiter für Data Mining im Controlling bei Bosch, Konzern-CFO Stefan Asenkerschbaumer verfolgt das Projekt nach Aussage seiner Mitarbeiter jedoch mit großem Interesse.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

Der ICV Controlling Award (ehemals ControllerPreis) wird jedes Jahr vom Internationalen Controller Verein vergeben und ist mit 5.000 Euro dotiert. In diesem Jahr wurde der Preis bereits zum 15. Mal vergeben. Zu den Siegern der vergangenen Jahre gehören beispielsweise Edeka, Covestro, RWE, Lufthansa oder Elitepartner.