CFO-Agenda: Bessere Prozesse, weniger Finanzierungsthemen

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20.02.15
Finanzabteilung

CFO-Agenda: Bessere Prozesse, weniger Finanzierungsthemen

Weg vom reinen Finanzbuchhalter, hin zum Organisator und Zahlenmanager: Die Prioritäten auf der CFO-Agenda haben sich in der letzten Zeit deutlich verschoben, zeigt eine Studie, deren Ergebnisse FINANCE exklusiv vorliegen. Gleichzeitig wachsen die Anforderungen an den CFO. Der muss selbst dafür sorgen, dass seine neue Rolle akzeptiert wird.

Finanzierungsengpässe bereiten CFOs derzeit dank guter Konjunktur kaum Kopfzerbrechen – umso mehr dagegen die Organisation der Finanzabteilung. Ganz oben auf der Agenda von Finanzchefs in Unternehmen aller Branchen und Größenordnungen steht aktuell die Aufgabe, die unternehmensinternen Systeme zu harmonisieren und fragmentierte Landschaften – vor allem in der IT – abzuschaffen. Das zeigt die „CFO Studie 2014“ der Beratungsgesellschaft Horváth & Partner, an der sich über 200 Finanzexperten beteiligt haben und deren Ergebnisse FINANCE exklusiv vorab vorliegen.

Damit dominieren in der regelmäßigen Umfrage erstmals Organisationsthemen die Agenda der CFOs: 86 Prozent messen ihnen aktuell eine große oder sehr große Bedeutung bei – in der vorangegangenen Befragung vor zwei Jahren lag dieser Wert noch bei 77 Prozent. „Bei der letzten Umfrage 2012 war Risikomanagement das Top-Thema. Dank der boomenden Wirtschaft hat sich der CFO-Fokus jetzt deutlich verschoben“, erklärt Jana Heimel, Managing Consultant bei Horváth & Partner. Ebenfalls an Bedeutung gewonnen hat das Thema Controlling, das mittlerweile von den Teilnehmern ebenso häufig mit hoher Priorität versehen wird wie der Bereich Finance.

In Sachen Automatisierung, Standardisierung und Integration gibt es eine Menge zu tun, das wissen die Finanzchefs selbst. Nachholbedarf bescheinigen sie der eigenen Abteilung in vielen Belangen – am stärksten betroffen ist die Automatisierung von Prozessen: 42 Prozent der Befragten wollen hier künftig für bessere Abläufe sorgen. 

Big Data: Noch nicht im CFO-Bereich angekommen

Dennoch scheint es, als ob zumindest in den Finanzabteilungen viele Unternehmen immer noch versuchen, die Herausforderungen der Digitalisierung mit „klassischen“ Maßnahmen in den Griff zu bekommen. Das aktuell viel beschworene Thema Big Data betrachten im Moment nur die Hälfte der Befragten als relevant für den CFO-Bereich, spezielle Tools zur Auswertung unstrukturierter Daten existieren in gerade einmal jedem vierten Unternehmen.

Dabei fordert die wachsende Datenmenge besonders vom CFO neue Qualitäten, sagt Heimel: „Er muss nicht nur die klassischen Aufgaben in den Bereichen Buchhaltung oder Controlling erfüllen und den CEO mit Informationen versorgen, sondern auch neue Führungsqualitäten entwickeln und sich IT-Fachverständnis aneignen, um dem Bereich ,Data Sciences‘ gerecht zu werden.“

CFO muss Reorganisation vorantreiben

Damit verschieben sich die Prioritäten nicht nur in der Finanzabteilung, sondern auch im Aufgabenportfolio des CFOs selbst. „Die klassische Rolle als Accountant wird in Zukunft weniger wichtig“, meint Horváth-Partner Kai Grönke, der die Studie gemeinsam mit seiner Kollegin Heimel leitet. „An Bedeutung gewinnen werden die CFO-Rollen als Business Partner des CEO, als Risikomanager und als Performance Officer, der die Reorganisation der Finanzabteilung vorantreibt.“

Aber auch wenn von außen die Anforderungen an den Finanzchef steigen – das heißt noch lange nicht, dass er im eigenen Unternehmen auch als Multitasker wahrgenommen wird, beobachtet Heimel. „Oft wird dem CFO noch die klassische Rolle als Accountant zugeschrieben. Da fallen Eigen- und Fremdwahrnehmung auseinander. CFOs müssen deshalb intern auch Marketing in eigener Sache betreiben, um Akzeptanz zu schaffen.“

sarah.nitsche[at]finance-magazin.de