Immer mehr Controller nutzen Green Controlling.

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02.11.20
Finanzabteilung

Die 4 wichtigsten Fakten zu Green Controlling

Green Controlling wird immer wichtiger. Wie führen Controller das Nachhaltigkeitscontrolling in der Praxis ein, welche Kennzahlen sowie Instrumente gehören dazu und wie können Unternehmen damit Geld sparen?

Trotz der Coronavirus-Pandemie ist das Thema Nachhaltigkeit nicht zu bremsen – und immer mehr Unternehmen integrieren es in ihr Businessmodell. Nachhaltigkeit spielt mittlerweile in immer mehr Unternehmen eine zunehmend wichtige Rolle. Auch das Controlling kann dabei einen Beitrag leisten, indem Nachhaltigkeitskomponenten in die Zielfindung, Planung und Steuerung eingebaut werden – die Rede ist dabei vom Green Controlling.

Was ist Green Controlling?

Konkret bedeutet Green Controlling, dass Controller ökonomische, ökologische und soziale Ziele in ihren Instrumenten und Prozessen verankern – es geht also nicht nur um Umweltaspekte, wie es das Wort „green“ vielleicht suggerieren mag. Wie im klassischen Controlling auch, werden Kennzahlen (Key Performance Indicators, KPI’s) definiert, nach denen gesteuert wird: Neben den üblichen Finanzkennzahlen wie Gewinn oder Umsatz werden also zum Beispiel der Wasserverbrauch oder CO2-Ausstoß gemessen.

KPIs im sozialen Bereich hingegen sind schwerer zu quantifizieren, wie etwa die Mitarbeiterzufriedenheit. Über einen Umweg kann man sich aber annähern: Für die Messung der Mitarbeiterzufriedenheit kann zum Beispiel eine Befragung durchgeführt und daraus ein Indexwert erstellt und schließlich ein Ziel festgelegt werden.

Wie führt man ein Green Controlling in der Praxis ein?

Häufig wählen die Controller dazu ein Drei-Säulen-Modell, auch Triple Bottom Line genannt. Beim klassischen Modell etwa werden alle drei Komponenten – ökonomisch, ökologisch und sozial – gleichermaßen in der Zielplanung berücksichtigt. Ein etwas modifiziertes Modell, das aber in der Praxis häufiger zum Einsatz kommt, sieht so aus, dass der ökonomische Faktor höchste Priorität hat, während die ökologischen und sozialen Ziele nachgelagert sind. Schließlich steht für Unternehmen dann doch häufig der wirtschaftliche Faktor an erster Stelle.  

In der Praxis ist ein Green Controlling allerdings nicht von heute auf morgen umzusetzen. Der Green Controlling Arbeitskreis des Internationen Controlling Vereins (ICV) empfiehlt deshalb, dass Abteilungen zunächst in kleinen Schritten vorgehen sollten. Beispiel: Der Controller legt in seiner Planung zunächst einmal einen klaren Fokus auf die Reduzierung des CO2-Ausstoßes und widmet sich anderen Kennzahlen, sobald dieses Ziel erreicht ist.

Voraussetzung dafür ist, dass der Nachhaltigkeitsgedanke in der Unternehmens- und Führungskultur verankert ist. Das ist auch wichtig, damit der CFO seine Controlling-Abteilung davon überzeugen kann, mit Green-Controlling-Instrumenten zu arbeiten: Zum Beispiel bilden sie dann in der Kosten-, Leistungs- und Ergebnisrechnung Umweltkosten im Rahmen einer Umweltkostenrechnung ab. 

Wo setzt man Green Controlling ein?

Einige Unternehmen beschäftigen sich schon intensiver und länger mit dem Thema. Das sind oft Unternehmen, die wegen ihres Geschäftsmodells als „Umweltsünder“ gelten und bei denen deshalb der öffentliche Druck hoch ist, etwa Airlines aufgrund ihres erhöhten CO2-Ausstoßes.

So hat zum Beispiel der Stuttgarter Flughafen 2013 mit dem Projekt „Fairport Controlling“ den Umweltschutz unterstützt und dafür den ICV-Green-Controlling-Preis gewonnen. 2018 hat Aida Cruises den Preis abgeräumt – die Kreuzfahrtschiffe, die oft als „schwimmende Städte“ bezeichnet werden, haben einen sehr hohen Spritverbrauch und Schadstoffausstoß. Aber auch die Textilbranche ist ein klassischer Kandidat – hier herrscht oft Kritik an den Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter. Bisher ist Green Controlling eher in Großkonzernen vertreten.

Einsatzgebiete für Green Controlling sind neben dem strategischen Controlling, das in der Planung und Steuerung die Nachhaltigkeitsziele einsetzt, auch das Risiko-Controlling. Durch die Beachtung der ökologischen und sozialen Aspekte können diese auch als Risiken identifiziert und so in die Planungen mit einbezogen werden. Ein solches Risiko kann zum Beispiel ein großer Imageschaden sein, wenn das Unternehmen als Umweltsünder gilt.

Ein weiteres Gebiet ist das externe Reporting, das den Stand über die Green-Controlling-Planung in Zahlen festhält und weitergibt. Damit zeigt das Unternehmen gerade gegenüber den Stakeholdern, dass es Wert auf Nachhaltigkeit legt.

Welche Vorteile kann Green Controlling bringen?

Falls sich der CFO und seine Controlling-Abteilung für das nachhaltige Controlling entscheiden, stellt sich ihnen natürlich die Frage, ob sie mit Green Controlling Geld sparen können. Allerding gibt es per se durch Green Controlling keinen kurzfristigen Kostenvorteil. Der Vorteil ist eher langfristig, zum Beispiel dann, wenn ein Unternehmen seinen Energieverbrauch senkt, wodurch auch die Energiekosten heruntergehen.

Dafür muss aber erst in andere Energiequelle investiert werden – hier fallen also zunächst Kosten an. Das Controlling muss prüfen, ob sich eine solche Investition auf Dauer lohnt. Unternehmen, denen das in der Vergangenheit schon gelungen ist, sind beispielsweise der Autozulieferer Takata und der Technologiekonzern Voith sowie der Chemiekonzern Wacker.

Indirekte Vorteile, die freilich kaum messbar sind, ergeben sich durch ein besseres Unternehmens-Image. Wichtig ist aber, dass kein Green Washing stattfindet – so etwas kann dem Unternehmensruf wiederum stark schaden, und dies kann auch finanzielle Folgen nach sich ziehen. 

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

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