Viele Unternehmen müssen sparen, doch Sparprogramme sind oft zu kurzfristig und zu kleinteilig. Bei der Kostensenkung bringen sie nicht den gewünschten Erfolg.

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03.09.19
Finanzabteilung

Fast alle Sparprogramme verfehlen ihr Ziel

Neun von zehn deutschen Unternehmen verfehlen ihre selbstgesteckten Ziele zur Kostensenkung. Die Programme sind zu kurzfristig ausgerichtet und adressieren nur Teilbereiche – in Zeiten des drohenden Abschwungs ist das eine schlechte Nachricht.

Die schwächelnde Konjunktur treibt vielen CFOs tiefe Sorgenfalten ins Gesicht, und eine Antwort auf den drohenden Abschwung ist schnell zur Hand: Ein Programm zur Kostensenkung muss her. Doch neun von zehn deutschen Unternehmen verfehlen bei Sparprogrammen ihre selbstgesteckten Ziele, ergab die neue Studie „Strategische Kostentransformation 2019“ von Deloitte. An der Studie haben weltweit Führungskräfte aus mehr als 1.200 Unternehmen aus 24 Ländern teilgenommen, darunter rund 70 deutsche Unternehmen. Die Daten wurden auch auf Ebene einzelner Länder ausgewertet. 

Sparprogramme sind oft zu kurzfristig

Dabei stehen vielen Unternehmen noch weitere Kostensenkungsprogramme bevor: 60 Prozent der Befragten in Deutschland halten ein solches Programm in den kommenden 24 Monaten in ihrem Unternehmen für wahrscheinlich. International sind es sogar 71 Prozent der Befragten.

Für die Programme setzen sich die Führungskräfte Vorgaben: 46 Prozent der deutschen Unternehmen wollen mit ihren Programmen eine Kostensenkung von 10 bis 20 Prozent erzielen, 31 Prozent der Befragten wollen die Kosten sogar um mehr als 30 Prozent drücken. Im internationalen Vergleich seien diese Vorgaben jedoch eher konservativ, schreiben die Studienautoren. 

„Wir sehen starke Defizite bei der Umsetzung der Kostenmaßnahmen.“

Hendrik Engelhardt, Director bei Deloitte

Deloitte zufolge scheitert trotz der konservativen Planung noch die deutliche Mehrheit der Unternehmen daran, diese selbstgesteckten Ziele zu erreichen. „Wir sehen vor allem starke Defizite bei der Umsetzung der Kostenmaßnahmen in deutschen Unternehmen“, sagt Hendrik Engelhardt, Director bei Deloitte. 

„Nur eines von zehn Unternehmen erreicht die angepeilten Kosteneinsparungen – die große Mehrheit der Firmen hingegen setzt lediglich auf inkrementelle Sparmaßnahmen, die nur begrenzte und kurzfristige Sparpotenziale bieten.“

Engelhardt zufolge würden digitale Lösungen, mit denen sich Kosten senken ließen, häufig nur unzureichend implementiert – er spricht von einem „Kompetenzproblem“ in diesem Punkt. Die Studienautoren raten dazu, bestehende Geschäftsmodelle konsequenter neu auszurichten und auch digitale Tools wie beispielsweise Automatisierungslösungen zur Effizienzsteigerung einzusetzen. 

Sparprogramme scheitern an internem Widerstand

Fast zwei Drittel der befragten Unternehmen selbst sehen dabei eine unklare Berechnungsgrundlage für Kostenverbesserungen als zentrale Hürde bei der Umsetzung von Sparprogrammen. Ebenso viele Führungskräfte sehen eine „nicht realisierbare Zielsetzung“ als Hindernis an. Sind die Ziele zu ambitioniert, würde die Umsetzung oft bereits gleich zu Beginn verworfen, interpretieren die Studienautoren diese Zahlen.

59 Prozent der deutschen Teilnehmer bemängeln zudem das Fehlen eines effektiven ERP-Systems, um die Fortschritte von Kostensenkungsprogrammen besser antizipieren und messen zu können. 53 Prozent sehen zudem eine schlecht gestaltete Berichterstellung und Nachverfolgung der Programme als Hürde. 47 Prozent glauben, dass interne Widerstände und mangelnde Akzeptanz der Lösungen ein großes Problem bei der Umsetzung sind. Diesen Punkt bewerten die deutschen Führungskräfte mit einem Plus von 10 Prozent gegenüber den weltweiten Ergebnissen deutlich gewichtiger als die internationalen Kollegen.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de