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Geschäftsmodelle bedürfen kontinuierlicher Entwicklung

iStock / Thinkstock / Getty Images

Die Entwicklung eines Geschäftsmodells ist die wesentliche Voraussetzung für unternehmerisches Handeln. Insofern ist es die zentrale Aufgabe eines Unternehmers ein Geschäftsmodell zu erstellen, es kontinuierlich weiterzuentwickeln und zu verbessern. Die Entwicklung von Geschäftsmodellen selbst ist ein kreativer und analytischer Prozess. Dabei ist es sinnvoll, die kreative Komponente mit der analytisch-mathematischen Komponente zu verknüpfen. Das menschliche Gehirn ist eben nicht in der Lage, die Auswirkungen von komplexen Strukturen sofort in Ergebnisse zu fassen. Wir müssen erst einmal Rechnen und das kostet Ressourcen und Zeit.

Um Geschäftsmodelle Banken, Investoren oder anderen Geschäftspartnern zu veranschaulichen, wird meist ein Business Plan geschrieben, der das Geschäftsmodell verbal skizziert und mit Zahlen unterlegt. Häufig spiegeln sich die komplexen Zusammenhänge des Geschäftsmodells und deren Ursache-Wirkungsbeziehungen allerdings nicht im Text und schon gar nicht in den Berechnungen wieder. Außerdem werden Planannahmen unterstellt, die höchst unsicher sind. Wer kann heute schon sagen, wie sich Märkte entwickeln werden und wo der USD in einem Jahr stehen wird. Unsicherheit und Komplexität werden daher oftmals einfach ausgeblendet, was zu falschen Erwartungen und negativen Überraschungen führen kann.

Gängige Controlingwerkzeuge meist ungeeignet

Was man braucht ist ein Modellierungs- und Simulationswerkzeug, um ein Geschäftsmodell als solches zu behandeln was es eben ist: ein Modell. In der Betriebswirtschaft tut man sich allerdings schwer, mit Modellen zu arbeiten. Das mag zum einen an der geistes- und nicht naturwissenschaftlichen Ausbildung der verantwortlichen Personen liegen. Zum anderen fehlten bisher auch Werkzeuge, die sowohl eine grafische Darstellung des Geschäftsmodells ermöglichen, als auch nachvollziehbare Berechnungs- und Simulationsmöglichkeiten bieten. Die gängigen Planungswerkzeuge des Controllers sind dafür nicht geeignet und somit weicht man häufig auf ein weitverbreitetes Tabellenkalkulationsprogramm aus, das bei komplexen Geschäftsmodellen knarrend in sich zusammenbricht, weil es dafür nicht gemacht wurde.

Dabei gibt es mittlerweile Möglichkeiten, um Geschäftsmodelle transparent zu machen und Ursache-Wirkungsbeziehungen abzubilden. Damit lassen sich Ideen, Maßnahmen, Strategien und Annahmen durchspielen und deren Einfluss auf das Endergebnis, wie beispielsweise den Gewinn oder den Cashflow, sehen. Diese Modelle zeigen eben auch, was die wirklich wichtigen Stellschrauben sind und helfen dabei, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Modelle machen Alternativen transparent

Dass die Entwicklung eines Geschäftsmodells durch Modellierung und Simulation sinnvoll unterstützt werden kann, zeigt das reale Beispiel einer Holzplantage in Brasilien, die über die Ausgabe von Genussrechten in Deutschland finanziert werden sollte. Das Geschäftsmodell kann in einem Satz beschrieben werden: Geld einsammeln, Grundstück beschaffen, Setzlinge pflanzen und pflegen, Bäume abholzen und verkaufen und zu guter Letzt die Investoren auszahlen. Ganz einfach. Für den Gründer ging es darum, ein fundiertes Bild der Risiko- und Ertragslage zu erhalten. Damit waren zwei zentrale Fragestellungen verbunden: Wie viel Kapital ist für dieses Vorhaben notwendig, um nicht während der Laufzeit Liquiditätsprobleme zu bekommen? Und Zweitens: Welche Rendite kann den Investoren guten Gewissens versprochen werden? Was auf den ersten Blick wie eine einfach lösbare Aufgabe aussieht ist es dann aber doch nicht. Soll das Grundstück gekauft oder doch lieber gepachtet werden? Und was wäre eine optimale Größe unter Berücksichtigung des angestrebten Fondsvolumens? Mit welcher Methode sollen die Erträge in Brasilien besteuert werden? Die Gestaltungsmöglichkeiten des Geschäftsmodells sind vielfältig und der Teufel steckt wie immer im Detail.

Es ging also darum, diese Alternativen zu testen und deren Auswirkungen auf die zentralen Fragen darzustellen. Außerdem bringt der lange Zeitraum von 12 Jahren erhebliche Unsicherheiten mit sich, die insbesondere den Verkaufserlös der Bäume betreffen. Wie wird sich der Holzpreis entwickeln? Wo steht der Wechselkurs am Ende der Laufzeit? Mit Hilfe des Modells können diese Unsicherheiten simuliert werden. Auch wenn man damit nicht erkennen kann, was genau passieren wird, sieht man, was passieren kann. Damit wird eine ehrlichere Bewertung des Geschäftsmodells mit seinen vielfältigen Gestaltungsalternativen möglich. Letztendlich hat der Gründer den Liquiditätsbedarf nach oben korrigiert, da ihm das Risiko einer Illiquidität innerhalb der Laufzeit zu hoch war. Außerdem wurde die Rendite auf ein Maß gesetzt, dass mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit eintreten wird.

sr[at]syconomic.de

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