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Jekel: „Auch Reporting kann unterhaltsam sein“

Mit Gamification lassen sich auch trockene Inhalte aus Controlling und Finanzabteilung unterhaltsam und verständlich darstellen, sagt Prof. Nicole Jekel von der Beuth Hochschule Berlin.
Nicole Jekel

Frau Jekel, Controlling gilt gemeinhin als eines der trockensten Felder in Unternehmen. Sie suchen nun nach Möglichkeiten, anderen Abteilungen oder Außenstehenden die Arbeit der Controller und der Finanzabteilung auf spielerische Art nahezubringen und die Unternehmen davon profitieren zu lassen – „Gamification“ lautet das Stichwort. Was steckt dahinter?
Gamification ist keine Erfindung aus dem Controlling. Im Gegenteil: Es ist etwas, das jeder kennt. Das Ziel dahinter ist, das Verhalten eines Menschen auf eine spielerische Art und Weise zu beeinflussen. Da gibt es viele bekannte Beispiele, besonders aus dem Marketing: Menschen sammeln Klebeherzen oder Bonusmeilen, sie werden mit jedem Kauf belohnt – aber der Kauf bleibt eine vollkommen freiwillige Angelegenheit.

Wie schafft man an dieser Stelle den Schwenk zu Finanzabteilung und Controlling?
Natürlich sind diese Beispiele besonders lebensnah und greifbar und haben mit Controlling erst einmal nichts zu tun. Aber Unternehmen nutzen Gamification heute schon in vielen Bereichen – nicht nur um Kundenbindungen aufzubauen und zu pflegen, sondern auch, um Wissen an Mitarbeiter zu vermitteln. Das muss ja nicht immer zwangsläufig im Rahmen von monotonem Frontalunterricht geschehen. In einem Workshop, den wir mit jungen Controllern organisieren, ist dann bei uns zum ersten Mal die Idee aufgekommen, Gamification für das Controlling zu entwickeln.

In welchen Beziehungen könnten Unternehmen Gamification im Controlling denn einsetzen?
Controlling- und Management-Inhalte werden meistens als langweilig empfunden. Sie zu transportieren ist für die meisten Unternehmen deshalb natürlich eine unliebsame Aufgabe. Dabei kann man komplexe Themen aber schon mit einfachen Mitteln für die Mitarbeiter unterhaltsam aufbereiten. Nehmen Sie zum Beispiel Bilanzierungshandbücher. Die meisten Angestellten sind von den umfangreichen Werken abgeschreckt, niemand liest das Sammelsurium an Richtlinien wirklich. Hier lassen sich leicht kleine Wettbewerbe entwickeln: Ein Unternehmen greift seine 100 wichtigsten Bilanzierungsfragen heraus, die Angestellten können sie über ein Computersystem beantworten, Punkte sammeln und jederzeit ihr Ranking einsehen. Das funktioniert wie ein PC-Spiel.

Reporting auf dem Empfangstresen

Haben Sie auch ein Beispiel für Mitarbeiter ohne eigenen Computerarbeitsplatz?
Auch die können Sie auf den verschiedensten Wegen erreichen. Da gibt es ein schönes Projekt aus dem klassischen Controlling eines Pflanzenunternehmens: Um wirklich allen Mitarbeitern – und Kunden – ein Gefühl für die Umsätze und die saisonalen Schwankungen zu vermitteln, hat das Unternehmen auf dem Tresen am Empfang 24 Plastikröhrchen aufgestellt: Eines für jeden Monat des aktuellen Geschäftsjahres, sechs für das vergangene und weitere sechs Röhrchen für das kommende Geschäftsjahr. Die Röhrchen werden mit Pflanzensamen befüllt, anhand der Höhe lässt sich der Planwert für jeden Monat ablesen. Ist ein festgelegtes Umsatzvolumen erreicht worden, wird dafür eine Blüte in das Röhrchen gelegt. Das ganze System funktioniert rollierend. Das heißt, die Mitarbeiter können immer für die vergangenen Monate die Anzahl der Blüten ablesen und für die kommenden Monate den Stand der Samen. Das ist Berichterstattung zum Begreifen. Den Angestellten hilft das Projekt, die Unternehmensziele nachzuvollziehen, gleichzeitig soll es jeden einzelnen bei seiner Aufgabe motivieren – egal, welche Funktion er im Unternehmen hat.

Auch wenn dieses Beispiel sehr spezialisiert ist: Glauben Sie, dass immer mehr Unternehmen ähnliche Instrumente nutzen werden?
Davon bin ich überzeugt. Es gibt mehrere Studien, die belegen, dass fast die Hälfte der globalen Unternehmen nach Instrumenten sucht, um Gamification im Geschäftsumfeld umzusetzen. Im Bereich Finanzen und Controlling ist das aber immer noch etwas Besonderes, auch junge Controller haben oft noch eine sehr traditionelle Denkweise. Deshalb arbeiten wir in unseren Workshops gerade gemeinsam mit Praktikern daran, eine Toolbox speziell für diesen Bereich zu entwickeln. Die ersten Beispiele haben ja schon bewiesen, dass der Kreativität hier keine Grenzen gesetzt sind.

sarah.nitsche[at]finance-magazin.de

Info

Prof. Dr. Nicole Jekel lehrt Betriebswirtschaftslehre und Controlling an der Beuth Hochschule für Technik Berlin. Sie hat mehr als 20 Jahre Erfahrungen in den Bereichen Marketing und Controlling in großen Unternehmen gesammelt, darunter Siemens und Nixdorf.

Gemeinsam mit ihrer Partnerin Ute Schröder, Inhaberin der Firma C4B Team, entwickelt Nicole Jekel das Thema Gamification in den Controlling-Benchmark-Circlen für Führungskräfte aus dem Controlling weiter und prüft den Echteinsatz in Unternehmen.