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Nur wenige CFOs messen Diversity zielgerichtet

Ein Diversity Management ist in vielen Unternehmen noch nicht institutionalisiert.
iStock / Thinkstock / Getty Images

Der Autobauer Daimler nimmt beim Thema Diversity Management eine Vorreiterrolle ein. Die Stuttgarter achten schon seit 2005 „auf eine für Daimler passende Mischung zwischen Männern und Frauen“, wie es seitens des Stuttgarter Autobauers heißt. Bis zum Jahr 2020 will Daimler 20 Prozent Frauen in Führungspositionen bringen. Doch beim Diversity Management geht es nicht nur um die Frage der Geschlechter, sondern vielmehr um eine Art der Unternehmensführung, die sich auf die Heterogenität der Mitarbeiter fokussiert und zahlreiche Aspekte wie Geschlecht, Alter oder Herkunft umfasst. Viele deutsche Unternehmen beschäftigen sich derzeit zwar mit diesem Modethema, Experten zufolge hat aber von den DAX-30-Konzernen etwa erst die Hälfte ein Diversity Management etabliert.

CFOs haben großen Nachholbedarf bei Diversity Controlling

Daher ist  auch das sogenannte Diversity Controlling, das zielgerichtete Messen von Diversity-Management-Maßnahmen, noch wenig in der deutschen Unternehmenslandschaft präsent. CFOs haben hier großen Nachholbedarf. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie der Beratungsgesellschaft Ernst & Young unter dreizehn Großkonzernen, wovon elf im Dax sind. Rund ein Drittel der Studienteilnehmer sehen zudem große Hürden bei der Einführung eines Diversity Controllings. Der Grund hierfür ist Ernst & Young zufolge, die sehr schwierige Quantifizierbarkeit eines Diversity-Management-Business-Cases, da Wirkungszusammenhänge nicht eindeutig dargestellt werden könnten.  Außerdem mangele es in allen untersuchten Unternehmen im CFO-Bereich an einer eigenen Diversity-Controlling-Abteilung respektive an einem zuständigen Controller, der die Diversity-Kennzahlen aufbereitet und analysiert.

Daten aus dem Ausland muss Controller mitunter händisch eingeben

„Die meisten Unternehmen besitzen immerhin im Ansatz Messinstrumente zur Erhebung, Kontrolle, Steuerung und Analyse von Diversity Management“, sagt Sabine Rachor, Senior Manager bei Ernst & Young. Die Instrumente zur Datenerhebung und Verarbeitung unterschieden sich dabei je nach Entwicklungsstadium. „Manche erheben die Daten manuell, manche nutzen bestehende HR Datenbanken, andere verwenden eine Balance-Score-Card, wiederum andere haben ein Dashborad aufgesetzt und ziehen die Daten aus bestehend HR Systemen “, sagt Rachor. Die Daten aus dem Ausland müsste der Controller allerdings oftmals noch manuell ergänzen.

Gender-Aspekt überwiegt nach wie vor bei CFOs

Knapp 70 Prozent der befragten Unternehmen erheben regelmäßig Kennzahlen, um die Effekte des Diversity Managements festzuhalten. Dazu gehört beispielsweise die Kennzahl „Frauen in Führungspositionen“, die 39 Prozent der Befragten als effektivste Kennzahl bezeichnen. Fast die Hälfte der Unternehmen erhebt der Umfrage zufolge ausschließlich für den Bereich Geschlecht Kennzahlen. Der Grund dafür ist offensichtlich: Will ein Unternehmen ein Diversity-Management etablieren, beginnt es aufgrund des politischen Drucks und der gesellschaftlichen Diskussionen oft mit der Geschlechterfrage. Alter, Demographie, Work-Life-Balance und Internationalität kommen als weitere Aspekte häufig erst später dazu.

So war es auch bei Daimler. Erst 2008 sind bei dem Autobauer noch die beiden Diversity-Dimensionen Generationen und Internationalität in den Fokus gelangt. Der gesamte Daimler-Vorstand, auch Finanzvorstand Bodo Uebber, ist nach Unternehmensangaben vollumfänglich in das Thema Diversity Management eingebunden. Ab der nächsten Hauptversammlung am 10. April sollen zudem bis zu sechs Daimler-Aufsichtsräte weiblich sein.

Info

Die Erhebung der Kennzahlen beschränkt sich auf vier Dimensionen

Geschlecht
►% Anteil von Frauen/ Männern in Unternehmen
►% Anteil von weiblichen/ männlichen potentiellen Führungsträgern
►% Anteil Frauen in Führungs-/ Managementpositionen/ Aufsichtsrat
►% Anteil an Frauen in Mentoring-Programmen mit internationalem Hintergrund; in Management-Trainings und in High-Level Förderungsprogrammen
►% Anteil und Übernahme an weiblichen Promotionsstudentinnen; dualen Studentinnen und Auszubildenden
►% Anteil von Frauen/ Männern mit Tarifverträgen
►Anzahl an Frauen/ Männern in Teilzeit; Elternzeit und Kombination

Alter/ Demographie
►Anzahl an jährlichen Einstellungen Young Talents/ Rentengänger
►Prozentuale Entwicklung der Altersstruktur pro Geschäftsfeld; Land; Hauptberufsgruppe; Geschlecht

Work–Life Balance
►% Anteil an weiblichen/ männlichen Teilzeitarbeiter
►% Anteil von Personen, die in Elternzeit gehen und zurückkehren
►Durchschnittliche Dauer der Elternzeit in Monaten
►Anzahl an Telearbeiter
►Anzahl an Mitarbeitern, die Angebote zu Kinder- und Altenbetreuung nutzen

Internationalität
►Anzahl an inländischen und ausländischen Arbeitnehmern
►Anzahl an multikulturellen Mitarbeitern in den Unternehmen/ Headquarter
►Anzahl an multikulturellen Vorgesetzten und Managern

Quelle: Ernst & Young 2012

Monokultur im Finanzbereich aufbrechen

Dass Diversity-Management wirtschaftlich sinnvoll ist, zeigen verschiedene Studien. „Es geht um Wettbewerbsvorteile und gute Geschäfte und nicht um gute Taten“, sagt Rachor. „Je schneller man Diversity Management messbar macht, um so eher kann der Finanzvorstand sehen, wie sinnvoll es ist.“ Aber keines der befragten Unternehmen führt tatsächlich eine Messung des wirtschaftlichen Nutzens durch.

Dabei ist Diversity Management und dessen Verankerung auch ein Instrument, um dem Fachkräftemangel im Unternehmen und  auch in der Finanzabteilung zu begegnen. „Durch Diversity Management kann ein Unternehmen ein Umfeld schaffen, um beispielsweise für internationale Mitarbeiter attraktiver zu werden“, sagt Rachor. Das ist gerade auch für den CFO-Bereich wichtig, da die Finanzabteilungen europaweit immer noch in ihrem eigenen Saft schwimmen.

sabine.paulus[at]finance-magazin.de

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Sabine Paulus ist seit 2008 Redakteurin beim Fachmagazin FINANCE und der Online-Publikation DerTreasurer. Ihre Themenschwerpunkte sind Personal, Organisation, Karriere und Finanzierung. Sie ist M.A. und hat an der Universität Konstanz unter anderem das Hauptfach Deutsche Literatur studiert.

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